Verlag Gachnang & Springer: Hier erscheinen Bücher

18.03.2005
01/2005
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Die Bücher, die Johannes Gachnang herausgibt, erwartet man nicht. Die Bücher aus seinem Verlag werden einem Wort gerecht, das in der Welt der Bücher und Verlage ohne viel Überlegung verwendet wird und so gang und gäbe ­geworden ist: Die Bücher aus dem Verlag Gachnang & Springer erscheinen – und das seit mehr als zwanzig Jahren, jedes Jahr vier oder fünf. Ja, dieser Verlag, dieser Verleger sind langsam, man müsste gar sagen: unentwegt langsam, ­bewusst langsam im sich immer schneller drehenden Markt der ­Publikationen. Das ist den Büchern anzusehen: Ohne dass der Verlag ein labelmässiges Auftreten hätte, sind Bücher, die Johannes Gachnang herausgibt, unverkennbar – im Erscheinungsbild, in der Typografie, in der Auswahl der Papiere. Unvergessen jener Abend, als es vor fast zehn Jahren darum ging, für die Ausstellung «Chaos, Wahnsinn» – ja, Gachnang ist ebenso leidenschaftlich Ausstellungsmacher wie Verleger – das richtige Papier auszusuchen. Da wurde getastet und geprüft, abgewogen und wieder getastet. Das Papier, das Buch fühlt sich noch heute gut an.

So ist es mit Gachnang-Büchern: Man nimmt sie gern in die Hand, weil die Sorgfalt des Ver­legers ganz diskret spürbar ist. Man blättert gern darin, weil man weiss und merkt, dass da nichts dem Zufall überlassen wurde. Man stellt sie ohne schlechtes Gewissen ins Büchergestell, weil man weiss:­ ­Die­ses Buch hat kein Verfalls­datum, das, aufgedruckt auf der Plastik­folie, ein Buch zum vakuumverpackten Schinken machen würde.

Entsprechend lautet denn auch das Motto des Verlegers ­Gachnang: «Ein gutes Buch kommt nie zu früh. Ein gutes Buch kommt nie zu spät.» Auf die Neujahrskarte für 2005 notierte er in seiner unverkennbaren Handschrift – eigenwillig, etwas verschnörkelt und zugleich gestochen scharf – in roter Tinte ein Zitat von Franz Werfel: «Zwischen zu früh und zu spät liegt immer nur ein Augenblick.» Das zeugt nicht nur von der begeisterten Belesenheit des Verlegers – sie ist wie selbstverständlich, sie ist wie ein Motor des Büchermachers – , das Zitat ist eine Lebenshaltung, die sich in den Büchern ebenso ausdrückt wie in den Ausstellungen oder in den ­Radierungen und Zeichnungen – ja, auch das ­gehört zum Gachnang’schen Horizont. Das Verlagsprogramm richtet sich nicht nach Trends, sondern ­danach, was nach Ansicht des Verlegers an der Zeit ist. So war er der Erste, der in den Neunzigerjahren – endlich – die Schriften von Barnett Newman auf Deutsch herausgab. Oder er publizierte «Monsieur ­Dudron», einen autobiografischen Roman von ­Giorgio de Chirico, als gerade niemand auf diese Schrift gewartet hatte und der italienische Maler jenseits jeder aktuellen Diskussion war. Das macht nichts, denn das Buch wird zur richtigen Zeit noch da sein, wenn niemand daran denken würde, wie auf­schluss­reich der Text sein könnte, der, versteht sich, mit einer sorgfältigen Einleitung und kenntnisreich ausgewählten ­Illustrationen des Künstlers versehen ist.

Diese zwei Schriften sind Ausdruck eines Programms: Als Künst­ler und Ausstellungsmacher stellt sich Gachnang in den Dienst von Kunst-Schriften, vielfach von Künstler-Kollegen, die er seit Jahren freundschaftlich begleitet: Da ist immer wieder Luciano Fabro, da ist Janis Kounellis, da sind Per Kirkeby und Asger Jorn, da ist aber auch Baselitz, den Gachnang – wie unter vielen anderen auch A. R. Penck, Markus Lüpertz oder Jörg Immendorf – mit Ausstellungen in der Kunsthalle Bern, deren markanter Direktor er in der zweiten Hälfte der Siebzigerjahre war, als einer der Ersten überhaupt bekannt machte.

Der Verlag von Johannes Gachnang ist ein Künstler-Verlag. Der Verleger selbst ist ein Künstler, und seine Produkte behandelt er wie Kunstwerke. So gleichen auch die Verlagsräume an der Muristrasse in Bern – eine helle, grosszügige Bürgerwohnung – eher einem Atelier als einem Büro. Selbstverständ­lich ist es, dass man für Sitzungen und Gespräche dann mal in die ­Küche wechselt und dort ein Glas Wein trinkt, etwas Käse isst, sorgfältig geschnitten; dies und das stellt Johannes Gachnang ebenso liebevoll auf den Tisch, wie er Bücher macht oder Briefe und Post­karten schreibt. Bei ihm gehört das alles zusammen, ist das alles eins. Vielleicht müsste man seine Bücher mit einem guten Wein vergleichen: Nur der beste Winzer oder der leidenschaftliche Weinkenner kennt den richtigen Moment, da der Wein sein volles Aroma entwickelt. So ist das mit den Büchern von Johannes Gachnang.

Bücher, die in dieser Art erscheinen, sind Erscheinungen. Sind Ausnahme-Erscheinungen.