Spenden – Selbsthilfe statt Abhängigkeit vom Staat

20.12.2016
04/2016
  • Fokus

Solidarität, Spenden, humanitäre Tradition – Werte, auf die wir in der Schweiz zu Recht stolz sind und die wir pflegen. Woher kommt diese Tradition, und wie hat sie sich gewandelt?

Zusammenstehen, gemeinsam Not überwinden haben in der Schweiz eine lange Tradition. Allmend- und Genossenschaftswesen zeugen davon, dass die Sorge um die Wohlfahrt aller nicht einfach dem Staat überlassen wurde. Privates Handeln war von jeher in vielen Fällen schneller, wirkungsvoller und billiger. Zu Einrichtungen der Solidarität und der Selbstverantwortung trugen alle bei, und darin liegt eine Wurzel der humanitären Tradition, zu der auch das Spenden gehört. Die Vorsorge für den Fall eigener Not und Spenden für fremde Not haben sich im Lauf der Zeit weitgehend getrennt.

Formulierung in unserer Bundesverfassung

Spenden ist zum Ausdruck der Solidarität geworden gemäss der Formulierung in unserer Bundesverfassung: «gewiss, dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen». Das galt schon früh, besonders seit der Katastrophe des Bergsturzes von Goldau im Jahr 1806, und setzte sich fort in neuen Formen wie der Schweizer Spende nach dem Zweiten Weltkrieg oder heute der Glückskette. Und der Gedanke der Solidarität weitete sich nicht erst in neuer Zeit aus: Mit der Öffnung der Schweiz wurde der Nächste, dessen Not zu lindern war, auch der verfolgte Mensch im Ausland, beispielsweise die Hugenotten, die Opfer von Kriegen oder von Hungersnöten. Heute gilt die durch Spenden alimentierte Solidarität Menschen auf der ganzen Welt.

Wie mit dem Wochenbatzen für die Kinderhilfe während des Zweiten Weltkriegs gehörte es für viele Haushalte lange Zeit zur Tradition, bestimmte Hilfswerke immer wieder zu berücksichtigen. Ausländische Organisationen haben indessen entdeckt, dass die Schweizer Bevölkerung gern und viel spendet. Die Zahl der Spenden sammelnden Organisationen hat zugenommen, und die Treue gegenüber einem Hilfswerk sinkt. Entsprechend steigt der Aufwand, für das Generieren von Spenden. Aber angesichts der gerade jetzt wieder so erschreckend grossen Not ist es ein Glück, dass das Spendenvolumen in der Schweiz immer wieder leicht wächst und dass bei Grosskatastrophen viele grosszügige Menschen weit über das normale Mass hinaus spenden. Private Solidarität ermöglicht so Hilfeleistungen, die öffentliche Hände im Zeichen knapper Finanzen nicht erbringen können. Und der Einsatz privater Spenden ist oft mit weiteren Massnahmen verbunden, die eine Abhängigkeit vom Staat verhindern oder reduzieren.

Spenden können auch andere Formen haben als Geld. Auch Zeit, Wissen und menschliche Anteilnahme schenken im Rahmen von Freiwilligenarbeit, Blut spenden als Beitrag zur Lebensrettung oder Naturalien weitergeben zur Verbesserung der Lebensumstände benachteiligter Menschen sind wichtige Faktoren des sozialen Zusammenhalts und neben Geldspenden unverzichtbare Pfeiler der Gemeinnützigkeit. Sie geben Spendenden die Gewissheit, dass ihre Gabe vollumfänglich bedürftigen Menschen zugutekommt. Bei Geldspenden kann das nicht der Fall sein, weil Sammeln, Verwalten und Einsatz von Spendengeldern Aufwand verursacht, der in der Regel durch die Spenden gedeckt wird.


SRK

Das Schweizerische Rote Kreuz ist nicht nur die bedeutendste humanitäre Organisation unseres Landes, sondern auch eine der bekanntesten. Dennoch sind seine Entstehung und Geschichte weitgehend unbekannt. Das im Stämpfli Verlag erschienene Buch «150 Jahre für mehr Menschlichkeit» gibt erstmals eine umfassende Darstellung der Entwicklung des SRK mit ihren Licht- und Schattenseiten. Eine reich illustrierte Multimedia-Publikation www.geschichte.redcross.ch ergänzt das Buch, das neben deutsch auch auf Französisch und Italienisch vorliegt.