Mut zu sanften Farben

20.09.2016
03/2016
  • Fokus

Jedes Jahr kürt das Pantone Color Institute die Farbe des Jahres. Mit «Rose Quartz» und «Serenity» geben 2016 gleich zwei Farben den Ton an. Eine Trotzreaktion, die durch verschiedene Einflüsse zu begründen ist.

Farbe ist mehr als Wellenlänge, gebrochenes Licht oder Physik. Der US-amerikanische Farbanbieter Pantone sagt, Farbe sei Lebensgefühl. Rund 1755 Sonderfarben umfasst das Farbsystem des Pantone Color Institute. Ihre Farbtöne basieren nicht auf dem herkömmlichen System des Vierfarbdrucks, weshalb sie allein mit den standardisierten Basisfarben eines Druckers nicht erreicht werden können. Jeder Farbton hat eine spezielle Nummer, die sicherstellt, dass die jeweilige Unternehmensfarbe einer Marke auf allen Druckprodukten identisch ist. Auf der ganzen Welt geben die Farbmischungen in Architektur, Grafik und Design wortwörtlich den Ton an.

Seit 16 Jahren kürt das Institut die Pantone Color of the Year. Dabei handelt es sich um einen Farbton, der einer bestimmten Stimmung Ausdruck verleihen soll. Was beschäftigt uns im Jahr 2016? Zur Beantwortung dieser Frage suchen Trendforscher weltweit nach der Farbe der Zeit: Sie schlendern durch Kunstvernissagen, besuchen Sportveranstaltungen und schlagen sich in Klubs die Nächte um die Ohren. Wichtige Einflussgeber sind zudem die Sozialen Medien, aber auch die Modebranche oder die Filmindustrie. 

Farbe als Stimmungsbarometer

Für das Jahr 2016 entschieden sich die Experten erstmals für zwei Farbtöne: «Rose Quartz» und «Serenity» heissen die zwei Trendfarben in Pastell. Eine noch immer mit Unsicherheit behaftete Kultur verlange nach weichen Farbtönen, die ein Gefühl der Achtsamkeit und Entspannung vermittelten, so die Begründung des Pantone-Instituts. Als Gegengewicht zu den modernen Belastungen suche die Gesellschaft vermehrt nach Achtsamkeit und Wohlbefinden. Gemäss Pantone erfüllen einladende Farben die Sehnsucht nach Beruhigung sowie Sicherheit und rücken deshalb in den Vordergrund. Ein Ausgleich zur Reizüberflutung an Nachrichten und Bildern soll damit geschaffen werden. Ordnung und Frieden würden durch die Ausgewogenheit zwischen dem wärmeren rosal-Farbton und dem kühleren Blau widerspiegelt. 

Laut Farbexperten fördert Blau die Sachlichkeit, Kommunikation und Genauigkeit. Pantone vergleicht den Farbton «Serenity» mit der Weite des blauen Himmels: schwerelos und luftig. Dies vermittle selbst in turbulenten Zeiten Gefühle der Ruhe und Entspannung. Und die Farbe Rosa? Der erste Gedanke führt wohl zur rosa Brille und zu mädchenhaften Prinzessinnenträumen. Doch die Bedeutung der Farbe reiche weit darüber hinaus. «Rose Quartz» sei ein überzeugender und dennoch sanfter Farbton, der Mitgefühl und Gelassenheit vermittle. Kombinierbar mit kühleren Grün- und Violetttönen wie auch mit erdigen Braunnuancen, erweise sich «Rose Quartz» als äusserst vielseitig, so das Pantone-Institut.

Verwischen der Geschlechtergrenzen

Die Farben «Rose Quartz» und «Serenity» sind jedoch keineswegs nur einzeln zu betrachten. In einem weichen Farbverlauf, in dem Rosa und Blau ineinander übergehen, nimmt Pantone einen weiteren Trend auf und nimmt so Bezug auf die Geschlechtergleichstellung. Auf den internationalen Laufstegen lässt sich bereits seit längerer Zeit beobachten, dass die Geschlechtergrenzen in der Mode verschwimmen. Dies wiederum habe Farbtrends in allen anderen Bereichen des Designs beeinflusst, erklärt Pantone. Diese Herangehensweise hänge stark mit gesellschaftlichen Bewegungen und dem Mut zur Verwendung von Farbe als Ausdrucksform zusammen. Pantone spricht hier von einer Generation, die weniger Bedenken hat, auf eine bestimmte Rolle festgelegt zu werden, und vom Austausch digitaler Informationen, der verschiedene Ansätze zur Farbnutzung ermöglicht hat. 


Pantone

Ursprünglich auf die Herstellung von Farbkarten für die Kosmetik- und die Modebranche spezialisiert  entwickelte das Unternehmen Pantone ab 1963 ein eigenes Farbsystem für die Grafik- und Druckindustrie. 

Heute umfasst das Farbsystem 18 Basisfarben, aus welchen die rund 1755 Sonderfarben gemischt werden. Dargestellt im Fächerformat ist jeder Farbton mit einem Nummerncode versehen. Dadurch wurde  eine globale Normierung der verschiedenen Farbtöne festgelegt. Das Pantone-Farbsystem gilt bis heute als internationaler Standard.