Marthe Gosteli und das Archiv zur Geschichte der Schweizer Frauenbewegung in Worblaufen

15.06.2021
  • Fokus

Marthe Gosteli ist es zu verdanken, dass die Schweizerinnen eine eigenständige Geschichte schreiben können. Das von ihr gegründete Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung in Worblaufen bei Bern hat zum Ziel, den vielen Frauen, die Grossartiges geleistet haben, ein Gedächtnis zu geben und die Erinnerungen an sie für die nachfolgenden Generationen zu sichern. Das Archiv gilt seit 2021 als Forschungseinrichtung von nationaler Bedeutung.

Petition für das Frauenstimmrecht, 1929. Gosteli-Stiftung, Fotosammlung n.k.

SAFFA ,1928. Gosteli-Stiftung, Fotosammlung A/226

Marsch nach Bern, 1969. Gosteli-Stiftung, 557: 12-3 

Marthe Gosteli (1917–2017) wurde auf dem Bauernhof ihrer Eltern in Worblaufen bei Bern geboren. Während des zweiten Weltkrieges arbeitete sie in der Abteilung Presse und Funkspruch des Armeestabes. Nach dem Krieg leitete sie die Filmabteilung des Informationsdienstes an der US-amerikanischen Botschaft in Bern.

Ihre Erfahrungen mit den Medien stellte sie ab Mitte der 1960er-Jahre ausschliesslich in den Dienst der Frauenbewegung. In den Jahren von 1964 bis 1968 war sie Präsidentin des bernischen Frauenstimmrechtsvereins. Anschliessend war sie Vizepräsidentin des Bundes Schweizerischer Frauenvereine (BSF). 1970/1971 präsidierte sie die Arbeitsgemeinschaft der schweizerischen Frauenverbände für die politischen Rechte der Frau. Diese Organisation trug mit ihrem Verhandlungsgeschick mit dem Bundesrat wesentlich zur Annahme des Frauenstimmrechts auf eidgenössischer Ebene bei.

1982 gründete Marthe Gosteli das Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung und die Gosteli-Stiftung.

Gosteli-Stiftung

Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung

Altikofenstrasse 186

3048 Worblaufen

Tel. +41 31 921 02 22

info@gosteli-foundation.ch

Im Stämpfli Verlag ist 2017 die von Franziska Rogger verfasste Biografie über Marthe Gosteli erschienen. Marthe Gosteli sträubte sich lange gegen eine Biografie. Sie wollte kein Buch über ihr persönliches Leben, nicht als Einzelperson in Erscheinung treten: «Ich bin dankbar für die ausserordentlich partnerschaftliche Zusammenarbeit mit einer Reihe von ganz gescheiten Frauen in diesem Land. Das war eine einmalige Gemeinschaft zu einer Zeit, als Frauen noch kein Stimm- und -wahlrecht hatten und überparteilich zusammenarbeiteten. Ich durfte in einer brisanten Zeit zusammen mit den besten Frauen dieses Land mitgestalten.»

Ihrem Wunsch wurde Rechnung getragen. Franziska Rogger hat in ihrem Buch das Leben von Marthe Gosteli und die Geschichte der Frauen und der Frauenbewegung unseres Landes zu einem spannenden Stück Zeitgeschichte verwoben.

Franziska Rogger

Marthe Gosteli

Wie sie den Schweizerinnen ihre Geschichte rettete

216 Seiten, bebildert, gebunden

CHF 39.–

ISBN 978-3-7272-7903-4

 

Erhältlich in jeder Buchhandlung oder über

 

order@staempfli.com

Tel. +41 31 300 66 77

Aus dem Bestand des Archivs

«Endlich, endlich, endlich … Von mir fallen Zentner. Die Aufgabe, die seit bald hundert Jahren ungelöst von einer Generation zur andern tradiert wurde, hat in der letzten ‹Männerabstimmung› vom 7. Februar 1971 ihre glanzvolle Erfüllung gefunden.» So gab Gertrud Heinzelmann, Rechtsanwältin und bis 1966 Präsidentin des Schweizerischen Verbands für Frauenstimmrecht, ihrer Erleichterung im «Schweizer Frauenblatt» vom 19. Februar 1971 Ausdruck, nachdem am 7. Februar das Frauenstimm- und -wahlrecht nach jahrzehntelangem Kampf mit einer Zweidrittelmehrheit angenommen wurde. Der Schritt zur wahren Demokratie war endlich vollzogen.