Kurze Geschichte des Parfüms

13. Dezember 2019
04/2019
Am Anfang der Bezeichnung Parfüm standen duftende Rauche oder Dämpfe zu rituellen oder Heilzwecken, steckt doch das lateinische Wort «fumus» (Rauch) im Parfüm. Doch bereits im Gilgamesch-Epos (2. Jahrtausend vor Christus) wird von wohlriechenden Ölen und Salben berichtet. Und schon die Ägypter verbrannten aromatische Gewürze und duftende Kräuter zu Ehren des Sonnengottes Ra oder opferten ihm mit Kräutern gefüllte und mit Parfümöl übergossene Tiere. Auch für den persönlichen Gebrauch waren Duftöle und -salben beliebt.
Parfüm im Sinne von in Alkohol gelösten ätherischen Ölen wurde erstmals von den Arabern hergestellt, die die Destillation bereits kannten. Im Mittelalter galten Parfüme als verwerflich, erst die Kreuzzüge brachten die guten Düfte wieder nach Europa und in die Gesellschaft zurück. Der Handel mit exotischen Düften war ein grosses Geschäft. Immer häufiger wurden aromatische Essenzen als Heilmittel verwendet, gegen die Übertragung von Krankheiten und Infektionen und zur Fäulnisbekämpfung.
Seit dem 17. Jahrhundert gilt Grasse als die Stadt des Parfüms, sie spezialisierte sich schon sehr früh auf das Extrahieren der Düfte aus den Pflanzen.
Im Zeitalter des Absolutismus schliesslich sollten die Düfte die Auswirkungen mangelnder Hygiene überdecken. Als sich die Hygiene verbesserte, konnten auch die Düfte wieder dezenter werden. Oft basierten sie auf Veilchen, Nelken oder Orangenblüten. Das wichtigste Parfüm des 18. Jahrhunderts schuf wohl ein italienischer Barbier in Köln mit dem «Aqua admirabilis». 1792 mischte ein Mönch in Köln ein Duftwasser für ein Brautpaar, das in der Glockengasse 4711 wohnte. Damit war das Kölnisch Wasser 4711 entstanden, das bis heute nach Originalrezeptur hergestellt wird. Daneben entstanden aber auch andere, schwerere Düfte mit Rosen und Moschus.
Die Parfümindustrie wurde 1880 revolutioniert, als es gelang, Duftstoffe synthetisch herzustellen. Nun konnten tierische, pflanzliche und synthetische Duftstoffe kombiniert werden. Zudem machten die synthetischen Düfte die Parfüms erschwinglicher. Vor und nach dem Ersten Weltkrieg nahm das Parfüm vor allem in Frankreich einen ungeahnten Aufschwung. Verschiedene damals entstandene Düfte sind bis heute auf dem Markt, z.B. «Chanel No 5».
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten dann vorwiegend leichte, würzige und frische Düfte einen Aufschwung. «Cabochard» erinnert an Gewürzinseln, und die Flower-Power- und 68er-Themen fanden in Kreationen wie «Opium» von YSL ihren Ausdruck. Die Frauenbewegung erhielt mit «Charlie» von Revlon einen revolutionären Duft. Er war leicht und unbeschwert und vor allem günstig und somit für viele Frauen erschwinglich. 1978 lancierte Calvin Klein seinen Unisex-Duft, der mit seiner frischen, unkonventionellen Note noch heute Kult ist. In der heutigen Zeit wird der Markt mit Düften regelrecht überschwemmt, von den rund 600 neuen Düften jährlich werden wohl nur wenige längerfristig Bestand haben.