Ein Plädoyer für das Altbewährte

20.03.2014
01/2014
  • Fokus

Stillstand scheint auf unserem Planeten nicht möglich zu sein. «Panta rhei» – alles fliesst! Ständig müssen wir uns neuen Herausforderungen stellen, neue Vorgehensweisen und neue Managementmethoden erfinden. Doch muss es wirklich so sein, braucht es effektiv immer wieder neue Wege?

Ich hege da Zweifel. Es gibt Dinge, die unabhängig von Ort und Zeit für ein erfolgreiches Vorgehen entscheidend sind. Das eigene Verhalten spielt dabei eine wesentliche Rolle. Offenheit, Bescheidenheit, Toleranz und ein positives Menschenbild sind immer und überall eine wichtige Voraussetzung, um komplexe Probleme, die sich nicht alleine überblicken lassen, gemeinsam erfolgreich zu lösen. Altbewährtes kann hier sehr hilfreich sein.

Wenn neue Wege, dann unkonventionelle

Wenn neue Wege, dann meiner Meinung nach eher unkonventionelle. Man kann sich mit Recht fragen, wie sich alles weiterentwickelt. Tut es dies linear oder bewegen wir uns im Kreis? Warum wiederholen sich oft Dinge, die wir eigentlich verhindern möchten? Die Geschichte der Menschheit zeigt, dass wir Mühe haben, aus gemachten Erfahrungen zu lernen. Weshalb entstehen Konflikte, brechen Kriege aus? Im Prinzip immer wieder aus ähnlichen Gründen. Woran könnte dies liegen?

Wir Menschen leben in einer Welt der Gegensätze. Alles, was wir erkennen, hat automatisch einen Gegenpol. Gross lässt sich nur im Vergleich zu klein, gesund im Vergleich zu krank, gut im Vergleich zu böse usw. definieren. Wir sind der Meinung, uns entweder für das eine oder für das andere entscheiden zu müssen. Wir denken primär im Modus Entweder-oder und zu wenig im Modus Sowohl-als-auch. Alle meinen, mit ihrem Entweder-oder-Entscheid Recht zu haben. Doch wie die Geschichte zeigt, kann sich das, was heute als richtig erscheint, morgen als falsch erweisen. Je stärker wir uns auf einen Pol konzentrieren, desto stärker wird sich der andere Pol (oft ungewollt) bemerkbar machen. Eklatantes Beispiel dafür sind seit je die religiösen Institutionen. Wie vielen Kriegen der Vergangenheit – und der Gegenwart – liegen religiöse Auseinandersetzungen zugrunde? Das Gute wollen und (unabsichtlich) das Böse kreieren! Sich auf einen Pol konzentrieren bedeutet, sich von der Mitte weg zu bewegen, was offenbar früher oder später zu einer Gegenbewegung zurück zur Mitte führt. Im Osten wird dies mit dem Symbol Yin und Yang veranschaulicht. 

Kompromisse sind keine Schwäche

Es wäre schön, wenn wir lernen würden, uns in Problemsituationen und Konflikten mit polaren Ansichten in Richtung Mitte zu bewegen. Bei divergierenden Ansichten sollte deshalb die Suche nach neuen Wegen in erster Linie ein Ziel verfolgen: weg von der Versteifung auf einen Pol – und der gleichzeitigen Bekämpfung des Gegenpols – hin zur Mitte. Das heisst nichts anderes, als in jedem Fall gegenteilige Meinungen voll zu respektieren. Je nach Blickwinkel sind diese nämlich genauso gerechtfertigt wie ihr Gegenpol. Das Revidieren der eigenen Meinung und das Eingehen von Kompromissen sind nicht ein Zeichen der Schwäche. Sie sind die Voraussetzung, um das zu erreichen, was letztlich anzustreben wäre, nämlich mehr gegenseitiges Verständnis, mehr Frieden und mehr Menschlichkeit. Wir sollten uns deshalb bei Handlungsbedarf fragen, was in der Vergangenheit falsch gelaufen ist und wofür wir unter Umständen selber die Schuld tragen. Fehler werden wir immer wieder machen, aber wiederholen sollten wir sie nicht. 


In seinem Buch setzt Martin Hodler auf Altbewährtes:

«Vieles ändert sich, aber nicht alles. Trotz des immer häufigeren Propagierens neuer, erfolgversprechender Managementmethoden gibt es Erfolgsfaktoren, die offenbar sämtliche Veränderungen und Turbulenzen überstehen. Sie sind oft die Grundlage für das nachhaltig gute Führen eines Unternehmens.»


Zum Autor

Martin Hodler (*1944) hat an der Uni Bern Chemie mit den Nebenfächern Physik und Betriebswirtschaft studiert. Seine Arbeitgeber waren Roche, Attisholz, RDI SA und Ernst&Young. Von 1994 bis 2011 war er CEO und VR-Präsident der Firma Infré SA, Marktleaderin in der Entkoffeinierung von Tee. Heute ist er deren VR-Präsident und Freelance Trainer bei der Stucki Leadership & Teambuilding AG.