Die Aare, das Bundeshaus und der Einsatz gegen Rassismus

22.12.2021
01/2022

Die Aktionswoche der Stadt Bern gegen Rassismus ist ein wichtiger und etablierter Fixpunkt in der Region. Sie wurde 2011 lanciert und findet seither jährlich um den internationalen Tag gegen Rassismus vom 21. März statt. Die Firma Stämpfli unterstützt die Aktionswoche seit Jahren.

Viele hätten sie «Aktionswoche für die Vielfalt» oder «Aktionswoche für das Zusammenleben» genannt. Als die erste «Aktionswoche gegen Rassismus» der Stadt Bern im Jahr 2011 lanciert wurde, war die Erwähnung des Problems Rassismus nicht selbstverständlich. Heute ist die Aktionswoche ein wichtiger und etablierter Fixpunkt in der Region. In diesen Jahren hat bei der Stadtverwaltung sowie in der Berner Bevölkerung ein wichtiger Wandel stattgefunden.

Die Aktionswoche verschafft dem Thema Gehör in der Öffentlichkeit. Sie bietet eine Plattform für den Austausch und das Lernen. Ausserdem ist das Empowerment von Menschen, die von Rassismus betroffen sind, zentral. «Wir stellen fest, dass rassistische Diskriminierung das Leben vieler Menschen prägt», sagt die Leiterin der Fachstelle für Migrations- und Rassismusfragen Susanne Rebsamen, «und wir verbreiten und etablieren die Botschaft, dass Rassismus der ganzen Gesellschaft schadet und dass wir alle etwas dagegen tun müssen. Das Hauptziel ist, dass die Bevölkerung und die Personen in den Institutionen den Kampf gegen Rassismus als Teil der Identität von Bern wahrnehmen.»

Die Etablierung der Aktionswoche bedeutet nicht, dass alles gut läuft: Sieben Tage gegen Rassismus reichen nicht aus: «Es gibt in unserer Gesellschaft viele Personen, die täglich diskriminierende oder rassistische Erfahrungen machen», ergänzt Rebsamen. Das Thema bleibt komplex. Rassismus tritt auf struktureller und individueller Ebene auf. Er geht von individuellen Handlungen, aber auch von institutionellen Mechanismen aus.

11 Jahre, 9 Kampagnen und 365 Aktionen später

2009 ist die Stadt Bern der Europäischen Städte-Koalition gegen Rassismus beigetreten. Ein Jahr später wurde am 21. März der erste Aktionstag gegen Rassismus organisiert. Das Ziel war, den Internationalen Tag gegen Rassismus als wichtigen Termin im Kampf gegen rassistische Diskriminierung und Ausgrenzung zu etablieren. 2011 wurde der Aktionstag in eine ganze Woche mit 19 Veranstaltungen umgewandelt.

In den 11 Jahren mit mehr als 365 Aktionen wurden die vielen Gesichter des Rassismus mit alltäglichen Beispielen dargestellt: die Hürden für Jugendliche mit Migrationshintergrund, eine Lehrstelle zu finden, die schlechten Erfahrungen im öffentlichen Raum oder die repetitive Bezeichnung als «fremd», auch für Personen, die hier geboren und aufgewachsen sind. Möglichkeiten und Strategien, um gegen Rassismus und die Diskriminierung vorgehen zu können, sind ebenfalls ein wichtiger Teil jeder Aktionswoche.

Die Aktionswoche wird breit unterstützt: Die Firma Stämpfli AG, die Berner Young Boys YB, BERNMOBIL sowie die Gemeinden Köniz, Muri, Ittigen und Neuenegg haben sich an der Kommunikationskampagne beteiligt. Ausserdem haben viele Aktivist/innen, die an der Aktionswoche regelmässig teilnehmen, eine Vorreiterrolle im öffentlichen Diskurs in der Schweiz eingenommen. Das gilt insbesondere für Themen wie Racial Profiling oder die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit der Schweiz. Die Aktionswoche dauert nur eine Woche. Aber sie gibt Kraft und Inspiration für die weiteren 358 Tage des Jahres.

Aktionswoche: Rassismus schafft ungleiche Chancen

Unter dem Motto «Rassismus schliesst Türen. Öffnen wir sie» geht die 12. Aktionswoche gegen Rassismus den Folgen der strukturellen Diskriminierung aufgrund von Herkunft, Sprache, Religion oder Hautfarbe nach. Vom 19. bis zum 26. März 2022 werden diverse Aktionen und Veranstaltungen stattfinden.

Diskriminierung bei der Stellen- oder Wohnungssuche, in der Ausbildung, beim Zugang zur Gesundheit und Sozialhilfe oder im Sprachgebrauch ist für viele Menschen, die von ihrer Umgebung als «nicht schweizerisch» wahrgenommen werden, Alltag. Diese Art von Rassismus ist oft unsichtbar und schwierig zu fassen. Es geht um Abläufe, Routinen und Entscheidungsprozesse, bei denen viele Menschen, häufig unbewusst, andere Menschen ausschliessen.

«Die Stadt Bern setzt sich seit Jahren gegen Rassismus ein. Es ist an der Zeit, die Strukturen genauer anzuschauen und diese zu verändern», betont Gemeinderätin Franziska Teuscher. «Wir wissen, dass sich viele Menschen in Bern gegen Rassismus einsetzen. Und wir wissen, dass viele Berner/innen im Alltag Rassismus erfahren», sagt die Gemeinderätin weiter.

Das Programm und weitere Informationen zur Aktionswoche gegen Rassismus gibt es unter www.berngegenrassismus.ch