… bis zum Bitcoin

20.12.2016
04/2016
  • Fokus

Doch was ist eigentlich ein Bitcoin?

Wie Papiergeld ist Bitcoin eine Währung, die es erlaubt, Wert auszutauschen. Im Vergleich zum bisherigen Geld ist Bitcoin digital und dezentralisiert, und es wird keine dazwischengeschaltete Abwicklungsstelle benötigt. Erstmals können Menschen Wert direkt übermitteln, ohne Hilfe von Banken, was tiefere Transaktionsgebühren ermöglicht. Jede Transaktion wird mit einer digitalen Signatur versehen und in einer öffentlichen, vom gesamten Netzwerk betriebenen Datenbank, der Blockchain, unveränderlich aufgezeichnet. Dies wird als verteilte Buchführung bezeichnet. Überweisungen werden mittels einer speziellen Peer-to-Peer-Anwendung abgewickelt. Eigentum an Bitcoin wird durch einen kryptografischen Schlüssel nachgewiesen (der in einer digitalen Brieftasche gespeichert wird). 

Mithilfe kryptografischer Techniken wird sichergestellt, dass Transaktionen nur vom Eigentümer vorgenommen und die Geldeinheiten nicht mehrfach ausgegeben werden können. Daher wird Bitcoin auch als Kryptogeld bezeichnet, und kein Staat und keine Zentralbank greift lenkend ein (deshalb ist es streng genommen auch keine Währung). Bitcoin ist zwar komplex, bisher aber sicherer als befürchtet. Zumindest konnten bisherige Vertrauenskrisen – z.B. dass sie technisch scheitern könnten – den Wert der Bitcoins noch nicht zerstören. 

Der Glaube an die Währung wurde letztlich sogar gestärkt, zumindest hat sich der Kurs erneut erholt. Trotzdem kann niemand mit Bestimmtheit voraussagen, wie sich Bitcoin weiterentwickeln wird. Der Umrechnungskurs von Bitcoin wird bestimmt von Angebot und Nachfrage. Neue Einheiten des Kryptogeldes werden nach und nach durch das sogenannte Mining erzeugt, was wiederum den Speicher und die Rechenkapazität für die Datenbank bereitstellt. Die maximale Geldmenge ist durch das Netzwerkprotokoll auf 21 Millionen Einheiten festgelegt und kann nicht durch einzelne Teilnehmer beeinflusst werden. Solange die Menschen Bitcoins kaufen wollen, so lange werden diese wohl auch ihren Wert haben.

Die Forschung rund um die Blockchain, insbesondere die dezentrale Buchführung, ergreift nun aber immer mehr Branchen und Gebiete, und es ist möglich, dass die Bitcoins bald durch neue Kryptogelder, Verträge, neuartige Geschäftsmodelle ergänzt oder konkurrenziert werden. Die Blockchain könnte Grundbuchämter und Aktienmärkte revolutionieren, aber auch den Datenhandel zwischen Versicherungen reorganisieren. Was auf diesem Gebiet passiert, ist schwierig zu überblicken und möglicherweise so grundsätzlich wie die Erfindung der Elektrizität und des Internets. Seit Juli 2016 kann man in der Stadt Zug am Schalter der Einwohnerkontrolle versuchsweise Beträge bis 200 Schweizer Franken in Bitcoin begleichen. Es ist dies die erste staatliche Behörde weltweit, die Bitcoin in einem Pilotversuch akzeptiert. Bleiben wir gespannt.