Besuch bei der Farbtante

20.09.2016
03/2016
  • Fokus

Dass nicht jeder Person alle Farben stehen, hat jeder schon bemerkt. Wie findet man aber heraus, was zur eigenen Person passt, wie man sich am besten kleidet? Farbtante Sandra Messer bringt Licht ins Dunkel.

Vor rund 100 Jahren fiel dem Berner Kunstmaler Johannes Itten in Berlin auf, dass nicht alle seiner Studenten dieselben Farbpaletten als harmonisch empfanden. Was den einen gefiel, damit konnten andere überhaupt nichts anfangen. Als Itten dann einen Zusammenhang zwischen dem Aussehen und der Farbvorliebe seiner Studenten erkannte, war sozusagen der Grundstein für die Farbberatung gelegt – nur interessierte das damals kaum. Die Idee wurde allerdings später in den USA wieder aufgegriffen, von wo aus sie nach Europa zurückkam.

Ziel einer Farbberatung ist es, einer Kundin oder einem Kunden aufzuzeigen, welche Farben sie oder ihn vorteilhaft aussehen lassen. Das ist bei jeder Person abhängig von ihrem Teint und von ihrer (originalen) Haarfarbe. Die feinen Unterschiede erkennen zu können, ist ein Lernprozess, durch den die Farbberaterin – wir waren bei der Farbtante Sandra Messer in Wabern – mit viel Gespür führt. Am entscheidendsten sind die Farben, die wir in der Nähe des Gesichts, also am Oberkörper, tragen. Deshalb arbeitet die Farbtante vor dem Spiegel mit farbigen Stoffen, die sie dem Kunden auf die Brust legt. In schnellem Wechsel zwischen verschiedenen Tüchern werden die feinen Unterschiede allmählich auch für den Kunden sichtbar. Die eine Farbe lässt ihn frischer, gesünder aussehen, eine andere betont Falten, Hautunreinheiten, lässt ihn gar kränklich oder älter erscheinen.

In unseren Breitengraden herrschen die eher kalttonigen Typen vor, also Sommer- und Wintertyp. Vorwiegend Frühlings- und Herbsttypen sind hellhäutige, blonde bis rothaarige Menschen, die bei uns in der Minderzahl sind.

Nach einer Farbberatung steht man vielleicht etwas ratlos vor dem Kleiderschrank, der bestimmt viele «falsche» Farben enthält. Vielleicht muss man sich mit den «richtigen» Farben erst anfreunden? Auf jeden Fall ist man gut beraten, sich bei künftigen Kleiderkäufen von den neuen Erkenntnissen leiten zu lassen. So wird sich die Garderobe allmählich in eine gute Richtung entwickeln. Als Hilfe erhält man von der Farbtante einen Fächer, der die Farben des eigenen Typs aufzeigt. Bis man selbst mit diesen Farbtönen einigermassen vertraut ist, leistet er als Entscheidungshilfe beim Kleiderkaufen bestimmt sehr nützliche Dienste. 

Aber was macht man mit seiner Lieblingsfarbe, die man in der eigenen Farbpalette nun nicht mehr findet? Sandra Messer rät, sie in Wohnaccessoires, Büroutensilien und Ähnliches zu stecken, wo man sie erst noch besser im Blickfeld hat als die eigene Oberbekleidung. Und «falsche» Farben bei Hosen und Schuhen sind auch tolerierbar, viel wichtiger ist alles, was nahe beim Gesicht ist.

Noch einen weiteren Hinweis hat Sandra Messer: Wer sich konsequent an die Palette des eigenen Farbtyps hält, der braucht letztlich weniger Kleider, weil alles miteinander harmoniert, die Teile also besser kombinierbar sind. 

Weitere Infos unter www.farbtante.ch.  


Farbtypen

Es wird zwischen vier nach den vier Jahreszeiten benannten Farbtypen unterschieden. Für jeden Farbtyp steht eine Art Farbpalette zur Verfügung, innerhalb deren sich die eigene Garderobe idealerweise bewegen sollte.

Zum Frühlings- und zum Herbsttyp gehören eher warmtonige Farben: Der Frühling steht für die erwachende Natur, zeigt saftige, zum Teil knallige bis grelle Farben, aber alle im warmen Bereich. Der Herbst wiederum evoziert Bilder von Herbstlaub, von Kürbissen, wirkt erdig und gedämpft. Er zeigt sich in einem goldigen Licht.

Der Sommer- und der Wintertyp finden sich hin-gegen im Bereich der kalttonigen Farben wieder. Der Wintertyp wird dominiert von klaren, reinen, kräftigen Farben, die insgesamt eher kalt wirken, der dazupassende Himmel etwa ist stahlblau. Im Sommer sind grundsätzlich dieselben Töne vorhanden, sie sind aber von einem leichten Dunstschleier gedämpft und wirken dadurch leicht pastellig.

Das bunte D zeigt das Farbspektrum des Frühlingstyps.