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Weniger Interesse an Nachrichten

Fast 32% der Schweizerinnen und Schweizer sagen, dass sie manchmal oder sogar oft aktiv Nachrichten vermeiden («News Avoidance»). Diese Zahl steigt seit 2017 stetig an. Zwar ist das Phänomen in der Schweiz weniger dramatisch als in anderen Ländern, aber die Auswirkungen auf die gesellschaftspolitischen Entscheide sind für einen demokratischen Staat, ein Unternehmen, einen Verband oder eine NGO nicht zu unterschätzen. Das ist eine von vielen Zahlen zur Mediennutzung, die das Reuters Institute for the Study of Journalism der University of Oxford jährlich in seinem «Digital News Report» erhebt und die das fög – Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich im Länderbericht Schweiz vertieft.

Das Reuters Institute analysiert seit 2012 einmal im Jahr das Mediennutzungsverhalten in über 40 Ländern aus 6 Kontinenten. Es bedient sich dazu repräsentativer Befragungen. Die Schweiz ist seit 2016 Teil des «Digital News Report». Als Ergänzung veröffentlicht das fög den Länderbericht Schweiz. Darin werden die Hauptbefunde auf die Schweiz bezogen vertieft. Die Umfrage des fög fand kurz vor dem Ukrainekrieg statt. Das fög – Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft ist ein auf Medienforschung spezialisiertes Zentrum der Universität Zürich und offizieller Kooperationspartner beim «Digital News Report» des Reuters Institute.

12% weniger

Das Interesse an News ist in allen untersuchten Ländern stark zurückgegangen, von 63% im Jahr 2017 auf 51% im Jahr 2022. Viele Befragte geben an, dass sich Nachrichten negativ auf ihre Stimmung auswirken. Ein beträchtlicher Anteil jüngerer und weniger gebildeter Menschen sagt, dass er Nachrichten meidet, weil sie schwer zu verstehen sind. Das zeigt, dass die Medien viel mehr tun könnten, um die Sprache zu vereinfachen und komplexe Geschichten besser zu erklären.

Unser Tipp: Content-Strategie entwickeln und Storytelling-Elemente einbinden, wie es beispielsweise die BLS in der «gazette» macht.

5-mal mehr

Die Nutzung von TikTok für Nachrichten hat sich bei den 18- bis 24-Jährigen in allen Märkten in nur drei Jahren verfünffacht, von 3% im Jahr 2020 auf 15% im Jahr 2022, während YouTube bei jungen Menschen in Osteuropa, im asiatisch-pazifischen Raum und in Lateinamerika immer beliebter wird. Unter 30-Jährige, die mit den sozialen Medien aufgewachsen sind, haben völlig veränderte Medienkonsumgewohnheiten. Nachrichtenorganisationen können sie nur schwer erreichen.

Unser Tipp: Botschaften auf den Kanälen transportieren, auf denen sich die Zielgruppe befindet, wie das Beispiel des Imagevideos der Universität Bern beweist, das Stämpfli Kommunikation in Zusammenarbeit mit Maybaum-Film realisiert hat und das die Uni auf ihrem YouTube-Kanal ausgespielt hat:

1% mehr

Die Bereitschaft, für Online-News zu zahlen, steigt weltweit nur sehr langsam. In der Schweiz liegt sie aktuell bei 18% und damit nur einen Prozentpunkt über dem Vorjahr und knapp über dem internationalen Durchschnitt. Hochwertigen Journalismus zu finanzieren, ist und bleibt eine Herausforderung.

In den letzten Jahren versuchen viele Verlage verstärkt, ihre Leserschaft über Abonnements, Mitgliedschaften oder Spenden dazu zu bringen, für Online-Inhalte zu bezahlen. So wollen sie ihre Abhängigkeit von Werbeeinnahmen verringern, die online tendenziell zu den grossen Plattformen wie Google und Meta (früher Facebook) fliessen.

Unser Tipp: Die Finanzierung von Publikationen über den Werbemarkt bleibt wichtig. Unsere Profis in der Vermarktung wissen mehr darüber.

 

Monica Masciadri
Senior Beraterin Kommunikationsagentur
Stämpfli Kommunikation
+41 31 300 63 85