Peter Stämpfli, Verwaltungsratspräsident Stämpfli AG

«Unsere Firmenkultur geht mehrere Generationen zurück»

15.06.2021
02_2021
  • Fokus

Peter Stämpfli schaut zurück und sagt auch, was seine Vorfahrinnen und Vorfahren über die Firma hinaus bewegt haben.

Peter, was beeindruckt dich besonders, wenn du auf eure Geschichte zurückschaust?

Es ist bewegend zu sehen, wie meine Vorfahrinnen und Vorfahren mit Krisen umgegangen sind. Schon der Start 1799 kann kein leichter gewesen sein, wenn man bedenkt, dass Napoleon kurz davor in die Schweiz einmarschiert war. Dann gab es zwei Weltkriege – viele Männer mussten an die Front, die Geschäfte sollten aber weiterlaufen. Das alles in einem völlig anderen politischen Umfeld. Staatliche Unterstützung wie heute in der Coronakrise gab es natürlich nicht.

In diesen Zeiten fiel einem also nichts in den Schoss?

Bestimmt nicht. Grossen Respekt habe ich in dem Zusammenhang vor den Frauen, die dreimal die Geschäfte übernahmen. Die erste, Marie Albertine Stämpfli, stand mit nur 23 Jahren als Witwe da, mit zwei kleinen Kindern und einem Geschäft am Hals. Alles zu einer Zeit, wo Frauen ein Unternehmen nicht alleine führen durften. Das macht mir grossen Eindruck.

Worin besteht das Erbe von Stämpfli nebst aller Leistungen für die Kundinnen und Kunden?

Ich möchte unsere Firmenkultur erwähnen. Wir wissen zwar nicht exakt, wo deren Ursprünge liegen. Sicher ist, dass bereits die dritte Generation viel Wert auf Menschlichkeit gelegt hat. Emma Stämpfli-Studer, meine Urgrossmutter, ist die Gründerin von Berns erster Kinderkrippe und so etwas wie die Krippenmutter der Schweiz. Diese erste Berner Krippe gibt es übrigens heute noch. Man hat in der Firma ausserdem Bäder installiert, weil man gemerkt hat, dass viele Arbeiterinnen und Arbeiter zu Hause keine hatten. Und soziale Leistungen wie eine Pensionskasse gab es bereits im 19. Jahrhundert, lange vor der gesetzlichen Pflicht.

Diese wertschätzende Kultur hat man also von Generation zu Generation tradiert?

Ja, das ist so. Ich erinnere mich an eine Szene in Kinderzeiten. Am Mittagstisch habe ich über einen Mitarbeiter gesprochen und gesagt, der sei doch nur ein einfacher Hilfsarbeiter. Mein Vater, sonst kein Freund grosser Worte, hat mich dann klar zurechtgewiesen: Es brauche alle Mitarbeitenden und ihre Leistungen seien gleichermassen wertvoll.