Neue Heimat

11.12.2020
04/2020
  • Fokus

Kann man einfach eine Heimat abwählen und sich eine neue suchen?

So könnte man das verstehen, was ich mit meinem Partner im Begriff bin zu tun: Wir werden nächsten Sommer, nach unserer Pensionierung, unsere Zelte hier abbrechen und nach Norddeutschland, in die Region Angeln ziehen. Dieser Beschluss steht seit bald zwei Jahren fest, und er fühlt sich richtiger an, je näher seine Realisierung rückt.

Ich war immer in der Schweiz zu Hause, habe das gar nie hinterfragt, es war eben einfach so. Meine Eltern waren im Herzen Innerschweizer und lebten über 40 Jahre in Schaffhausen, ich wuchs in Schaffhausen auf und kam vor sechs Jahren nach Bern. Vielleicht war das ein erstes Lockern meiner Wurzeln? Ich weiss es nicht. Aber eines hat mir diese Erfahrung gezeigt: Bei einem Umzug gehen viele Beziehungen verloren, es kristallisiert sich dabei aber heraus, welche Kontakte erhaltenswert sind. Und ähnlich wird es wohl bei unserem nächsten, viel grösseren Umzug sein.

Wir ziehen in eine Region, die uns landschaftlich und bezüglich der Menschen, die wir dort schon kennenlernen durften, extrem gut gefällt. Dabei sind wir uns bewusst: Dass wir dort eine neue Heimat finden, liegt an uns, wir müssen bzw. dürfen uns ein neues soziales Netz aufbauen. Wir sind zwar zu zweit, aber das reicht nicht, wir müssen uns bemühen, Anschluss zu finden.

Zusätzlich hoffen wir natürlich, dass viele «alte» Kontakte aus unserem jetzigen Alltag die grosse Distanz überstehen werden und die Beziehungen – gegenseitig – nicht einfach in Vergessenheit geraten. Dabei werden die sozialen Medien, generell die vielfältigen Möglichkeiten der Kommunikation, helfen, nicht zuletzt aber auch unser Gästezimmer, denn bei uns wird man nicht mehr nur «mal schnell auf einen Kaffee reinschauen» können ...

Wir werden uns auf jeden Fall immer freuen, aus unserer «alten Heimat» zu hören.