Jeder Beitrag zählt: wenn die Masse ein Projekt finanziert

20.06.2014
02/2014
  • Vorwort

Ein Buch realisieren kostet Geld. Nebst Stiftungen, Kantonen und Gemeinden, die Kulturprojekte unter Umständen mitfinanzieren, gibt es die Möglichkeit des Crowdfundraisings. Viele Menschen leisten kleinere Beiträge und erhalten dafür individuelle Belohnungen. Eine Erfolgsgeschichte.

Angefangen hat alles klein, mit einer Fotoserie von fünf Bildern. Es war eine Hausaufgabe während meiner Ausbildung. Aus fünf Bildern wurden zwanzig, und eine erste Ausstellung folgte. Das Projekt entwickelte sich immer weiter. Die Berner Zeitung «MyZytig» druckte im Jahr 2012 jede Woche ein Porträt, inklusive der Geschichten, die ich von den Porträtierten notiert hatte. Wieso nicht ein Buch daraus machen, fragte ich mich. Eine begeisterte Kollegin mit Erfahrung in der Verlagsbranche hat das Vorhaben unterstützt, und auch die Autorin Sabine Schmid und Susann Trachsel vom Stämpfli Verlag hat das Projekt «Lebensbilder» überzeugt. 

Wie aus einer Idee ein Buch entsteht

Schon bald stellte sich heraus, dass ein Buch produzieren viel Geld kostet, mithilfe von Sponsoring aber durchaus machbar ist. Wir verschickten Dossiers mit Unterstützungsgesuchen an Stiftungen, Firmen, den Kanton Bern und Gemeinden und freuten uns bald über erste Zusagen. Zwei Drittel der benötigten Gelder konnten wir so beschaffen. Das war viel Geld, aber nicht genug.Jetzt konnte nur noch die Crowd helfen: Nicht wenige grosse Sponsoren, sondern viele (die Crowd) beteiligen sich an den Kosten. Wer ein Projekt unterstützt, bekommt eine individuelle Belohnung, wird das vorgegebene Finanzierungsziel nicht erreicht, wird der zugesicherte Betrag auch nicht fällig. In der Schweiz gibt es einige Crowdfundraising-Plattformen, zum Beispiel «wemakeit» und «100-days», oder spezialisierte Websites für Sportprojekte wie «ibelieveinyou». Wir entschieden uns für «we make it» – und «we made it»!

Durch Vernetzung zum Ziel

Auf wemakeit.ch stellten wir das Projekt einfach, übersichtlich und attraktiv vor. Wir reichten einen Kurzbeschrieb des Projekts, Belohnungsvorschläge sowie eine Passkopie zur Verifizierung ein. Als Belohnungen wählten wir Buchexemplare, Lebensbilder-Postkarten, persönliche Lebensbilder und Geschichten oder ein Nachtessen mit der Fotografin und der Autorin – je nach gespendetem Betrag. Spenden konnte man Beträge zwischen 50 bis 2000 Franken. 

Unser Finanzierungsziel betrug 10000 Franken, und wir hofften, diese in einem Zeitraum von 45 Tagen einzubringen. Am 6. November 2013 ging der Auftritt live, am 13. Dezember hatten wir das Geld zusammen, und am 21. Dezember schlossen wir die Aktion mit einem Totalbetrag von 11500 Franken durch 71 Unterstützer ab. Ein Riesenerfolg!

Dazu ist im Vorfeld und während der Aktion viel Öffentlichkeitsarbeit erforderlich gewesen. Wir haben das Projekt auf allen uns zur Verfügung stehenden Kanälen wie Social Media, Websites oder E-Mails möglichst vielen bekannt gemacht. Erst nach Abschluss erhielten wir eine Liste mit allen Details der Sponsoren – und staunten nicht schlecht, dass auch Unbekannte dabei waren. Nur zwei Wochen nach Ende der Aktion war der gesponserte Betrag auf unserem Konto, abzüglich einer Bearbeitungsgebühr von zehn Prozent. Seit Juni ist nun das Buch «Lebensbilder» im Buchhandel erhältlich. 


Die Autorin

Sabine Schmid (*1974) lebt mit ihrer Familie in Bätterkinden. Sie schreibt für diverse Publikationen und ist seit 2012 Mitinhaberin der De-Jo Press GmbH in Solothurn. «Die Lebensbilder haben mich von Beginn weg fasziniert.»


Die Fotografin

Eliane Baumgartner (*1979) lebt in Bolligen und arbeitet als freischaffende Fotografin. Neben Auftragsarbeiten für Medien, Firmen und Private liegen ihr Projekte wie die «Lebensbilder» am Herzen. «Mich faszinieren Menschen  nicht nur die äussere Erscheinung, sondern auch ihr Innenleben.»