Eine Reise zu sich selbst

12.03.2021
01/2021
  • Fokus

Der Handykontakt ist abgerissen, St-Nazaire und die Bretagne verschwinden hinter uns im Regen, die raue See schüttelt das Schiff nach einem unergründlichen Rhythmus. Der Grundlärm des Motors und dutzendfaches feines und lauteres Quietschen und Rattern begleiten mich, auch das Rauschen der Lüftung sowie ein Rütteln und Rucken und Vibrieren. Die Geräusche und die Bewegungen drängen vorwärts: unterwegs!

Tausende Meilen liegen vor uns. Nur Wasser, Wolken, Himmel, Sonne, Sterne. Neumond. Nach Stunden blende ich alles aus, die Umgebung wird ruhiger, als sie ist. Irgendeinmal erreicht mich eine Ahnung der nebelumhüllten Azoren. Wie lange sind wir schon unterwegs?

Nichts geschieht, nichts muss ich, niemand will etwas von mir, niemand fragt danach, was ich tue. Ich komme zur Ruhe in den wohltuenden Weiten und in diesem Kokon, der mir Geborgenheit gibt. Der Tag unterteilt sich durch die Mahlzeiten. Der Schlaf kommt, wann er will. Lesen, Denken, Einordnen, Schreiben, Rundgänge und Gespräche lösen sich nach unergründlichen Regeln ab.

Die Reise über den Atlantik wird zur Reise zu mir selbst. Ruhe und Vertiefung. Entspannung und Weiterdenken. Sein, ohne zu müssen. Weit weg von allem und allem Wichtigen verbunden. Und das immerwährende Drängen des Schiffes dem Ziel entgegen.