Unsicherheiten

20.09.2013
03/2013
  • Vorwort

Ich stelle fest, dass immer mehr Menschen bestehende oder mögliche Unsicherheiten an andere delegieren wollen, um selber nicht in der Verantwortung zu stehen. So soll die Schule dafür bürgen, dass das Kind ins Gymnasium kommt; die Lehrkräfte sind dann auch schuld, wenn es nicht klappt. Oder man beklagt sich, wenn morgens das Trottoir nicht gepflügt und gesalzen ist, nachdem es die ganze Nacht geschneit hat. Damit, dass es im Winter witterungsbedingte Überraschungen gibt, will man sich nicht herumschlagen, die Gemeinde soll Ungemach verhindern.

Unsicherheiten gehören zu unserem Alltag. Wir müssen sie in Kauf nehmen, wollen wir den Tag meistern, von dem wir nie genau wissen, was er uns bringt. Bei aller Voraussicht geschehen Dinge, mit denen wir nicht rechnen können.

Wer Unsicherheiten nicht akzeptiert, wird von ihnen überrollt. Wir sind unüberblickbar vielen, ­ineinandergreifenden Zufällen ausgesetzt. Wir werden durch sie behindert und belohnt. Als Unternehmer ist uns dieser Zustand ­vertraut, wenn wir etwa versuchen, mit einem modernen Risikomanagement und mit dem Zu­sammenspiel von vielen, das Umfeld beobachtenden Mitarbeitenden die Zufälligkeiten einzudämmen.

Zurzeit überschneiden sich aus der Sicht unserer Firma grössere Unsicherheiten: die Entwicklung der Weltwirtschaft, die Lage der grafischen Industrie und die Entwicklung in der Kommunikation. Wir sind ein binnenorientiertes Unternehmen, doch die globalen Risiken, so die europäische Schuldenkrise, haben ihre Wirkung auf unsere Kunden, bei denen wir ein zunehmendes Zögern feststellen: Aufträge werden hinausgeschoben, Projekte erneut überdacht, kurz, der Franken wird zwei Mal gedreht. Dieser für uns wenig erfreuliche Zustand wird durch die inzwischen todkranke grafische Industrie zusätzlich erschwert, wenn beispielsweise mit Tagespreisen gefochten wird, die nicht einmal die variablen Kosten decken. Unabhängig davon ist die Unternehmens- und Verbandskommunika­tion erheblichen Veränderungen ausgesetzt. Triebfeder ist die technologische Entwicklung im Internetzeitalter, die das Kommunika­tionsverhalten grundsätzlich neu gestaltet. Während einige unserer Kunden die neuen Gegebenheiten als Chance wahrnehmen und gekonnt nutzen, sind andere verunsichert, wie sie mit ihren Endkunden kommunizieren müssen: Mit welchen Mitteln und wie intensiv soll kommuniziert werden, gedruckt oder elektronisch, mit oder ohne die Mittel von Social Media?

Was bedeuten diese Unsicherheiten für unser Unternehmen? Die Preissituation in der Druckindustrie ist katastrophal, und sie wird zum Ausscheiden etlicher Unternehmen führen. Wir können die Preissituation glücklicherweise dank unseren integrierten Leistungen teilweise auffangen. Die Mitte der Neunzigerjahre eingeschlagene und konsequent verfolgte Strategie erlaubt es uns, weit mehr als «nur» Druck- und Buchbinderleistungen anzubieten. Wir sind eine Kommunikationsagentur, ein Verlagsdienstleister, eine Internet­agentur, ein Prozessoptimierer und ein Produktionsunternehmen. Unsere horizontal und vertikal integrierten Leistungen erlauben es uns, unseren Kunden umfassende und ganzheitliche Kommunikationslösungen anzubieten und sie beratend zu begleiten. Die rasanten Entwicklungen im Einsatz von Kommunikationsmitteln ist unser Alltag, dem sich unsere Mitarbeitenden mit Leidenschaft annehmen. Sie sind es gewohnt, mit den Veränderungen umzugehen. Dass darüber hinaus die Weltwirtschaft und die europäischen Länder zusätzliche Unsicherheiten bergen, gehört zu den aktuellen Rahmenbedingungen. Diese Risiken zu beklagen, ist sinnlos, sie ernst zu nehmen, ist Teil unserer Verantwortung.