Spätsommerliche Frühherbstgedanken

19.09.2008
03/2008
  • Vorwort

Zugegeben, ich bin ein Sommermensch. Die Wärme, sommerliche Hitze, Sonnenlicht liegen mir mehr als Kälte und Nebel, Matsch und Dunkelheit. Wenn der Sommer zu Ende geht, besteht immer noch die Aussicht auf warme, farbige Herbsttage. Wenn es denn möglich ist, verbringe ich gerne ein paar dieser goldenen Tage am Mittelmeer, um den Sommer noch etwas in die Länge zu ziehen. Die letzten Warmwassertauchgänge unternehmen und den Wärmespeicher für den Winter aufladen …

Bevorzugt mache ich das auf Kreta. Dann liegt spätsommerliches Licht auf der Insel. Ich verstehe gut, warum die alten Götter hier leben wollten. Unser Tauchboot liegt hinter Kolokitha vor Anker. Ein paar Möwen, ein leiser Hauch eines warmen Windes vielleicht: Voreaditikós, ein Nordostwind – für mich ist schon der Name wie ein Windhauch. Das Meer ist ruhig, kleine Wellen lassen das Schiff kaum schaukeln. Die Sonne ist jetzt Ende September immer noch kräftig, 30° sind es sicher. Ich überprüfe die Ausrüstung, spreche ein paar Worte mit Michalis. Nikos beschäftigt sich am Ankerseil, ein Zuruf bringt ihn zum Lachen. Im Neopren ist es schwitzig. Kurz die Erklärungen zum Tauchplatz, die Ersten gehen los. Nun ich, ein wenig Schwung mit den gekreuzten Beinen, und mit einem Rückwärtspurzelbaum falle ich vom Schiff ins Wasser. Der leichte Drehschwindel, um mich herum Blasen. Ich lasse mich fallen ins handwarme Wasser, falle wohl zehn Meter sanft, bis ich knapp über dem sandigen Boden austa-riere. Schau um dich, wo sind die andern? Michalis mit Daumen und Zeigefinger das «O.K.» geben. Und um mich Licht und Wärme und nur mein Atmen. Ein paar Flossenschläge, ruhig im Rhythmus geht es nach unten. Das Licht wird sanfter, tiefer das Blau. Dreh dich auf den Rücken, schau den Blasen nach, wie sie hochsteigen. Wasser und Luft, Leben.

Solche Momente geben mir Energie. Wenn es im Alltag wieder hektisch ist und manchmal allzu hektisch, dann rufe ich mir diese Bilder in Erinnerung. Sie sind meine Kraftquelle und innere Sonne. Sicher haben auch Sie solche Bilder in sich, in denen Sie gerne verweilen. Ich wünsche Ihnen jedenfalls Ihre eigene innere Sonne!