Geh aus, mein Herz ...

18.09.2009
03/2009
  • Vorwort

Während ich diese Zeilen schreibe, ist draussen vor meinem Fenster ein herrlicher Augusttag, sonnig und heiss. Und die Wetterprognosen versprechen weiterhin sommerliche Tage. Mir geht das alte Volkslied durch den Kopf, das wir in der Schule oft gesungen haben:

Geh aus, mein Herz, und suche Freud

In dieser schönen Sommerzeit ...(*)

Zweifel steigen in mir auf, trotz der sonnigen Stimmung. Die Wirtschaftslage drückt, die Arbeitslosigkeit steigt, junge Menschen stehen nach ihrer Lehre vor einer unsicheren Zukunft. Die Schweiz steht bei verschiedenen Themen im Kreuzfeuer internationaler Kritik. Die Schweinegrippe breitet sich auch bei uns aus. Und schon fast gewöhnt hat man sich an all die Nachrichten zu Krieg, Terror und anderer Gewalt. Ist da der Liedtext nicht schon zynisch? Wo findet das Herz denn Gottes schöne Welt, die Paul Gerhardt in seinem innigen Gedicht beschreibt?

Wen das Schicksal trifft, wer beispielsweise keine Arbeit mehr hat und der Zukunft eher angstvoll entgegenblickt, ist dem geholfen mit einem zu Zuversicht ermunternden Gedicht? Zunächst wohl kaum, geht mir durch den Kopf, der Alltag kann schwerer lasten.

Eigenverantwortung, ein Thema, das wir in unserer Firma immer wieder aufgreifen, ist in unsicherer Lebenslage doppelt wichtig. Sie verpflichtet uns alle, genau hinzusehen auf die möglichen Entwicklungen der Zukunft. Das Problem wegschieben ist fahrlässig. Eigenverantwortlich auch den Zustand vorbereiten, den man sich kaum vorstellen kann, der einem vielleicht sogar Angst bereitet. So kann Unsicherheit vermindert werden durch das Wissen «was tun, wenn ...».

Wir haben in der Schweiz und wir haben in unserer Firma neben die Eigenverantwortung die Solidarität gestellt. Unsere Sozialwerke, so etwa die Arbeitslosen- oder die Invalidenversicherung, sind ein Teil dieser Solidarität. In der Firma sind es abgewogene Massnahmen zur Konjunktur, aber auch ein sorgfältig vorbereiteter Pandemieplan, in die die Solidarität einfliesst.

Aus der Verbindung dieser beiden Dinge, Eigenverantwortung und Solidarität, kann Zuversicht entstehen. Die Unsicherheit über die Zukunft lässt sich wohl nicht gänzlich wegwischen. Aber aus dem aktiven Zugehen auf die möglichen Probleme, aus meiner Überzeugung, was ich selber tun kann, erwächst uns Kraft. Kraft, die wir brauchen, um eine Krise zu meis­tern.

Kraft entsteht aber auch, wenn wir uns von den Sorgen nicht auffressen lassen, sondern wach und offen bleiben, die schönen und erfreulichen Dinge erst recht zu sehen. In diesem Sinne passt Paul Gerhardts Gedicht doch nicht so schlecht zum Alltag: Geh aus, mein Herz, und suche Freud!