Fragen

19.06.2009
02/2009
  • Vorwort

Bei jedem Treffen kommen sie zurzeit unweigerlich: die Fragen danach, wie es uns geht, ob es läuft, ob wir die Krise spüren oder ob wir Einbrüche verzeichnen. Und weil ich nicht nur sagen will, es geht gut, oder mir die Antwort, es geht halt so wie allen, zu dumm ist, beginne ich zu differenzieren. Ob das die Fragesteller interessiert? Ob sie sich alle diese Informationen zur Krise noch anhören mögen?

Die Krise hat unser Denken fest im Griff. Und verständlicherweise interessiert es die meisten von uns vorerst, ob sie morgen noch Arbeit haben werden. Interessieren wir uns auch für die anderen? Die Medien sind voll von Berichten über gescheiterte Manager, Banker und Trader, deren Zukunft ungewiss ist, nichts aber hören wir beispielsweise darüber, was aus der Putzkolonne von Lehman Brothers geworden ist. Hat sie wieder Arbeit gefunden? Ausführlich erhalten wir Auskunft, wie die Wirtschaft weltweit laufen wird, weniger und vor allem wenig differenziert, wie sie tatsächlich läuft. Spezialisten sagen uns unaufgefordert oder von den Medien befragt die Zukunft auf mindestens eine Stelle hinter dem Komma voraus. Hilft uns das? Welchen psychologischen Einfluss haben sie auf uns alle? Was, wenn sie irren, wenn es schlimmer oder besser kommt? Sind sie bereit, die Verantwortung dafür zu tragen? Nimmt sie jemand in die Pflicht? Oder verschwinden die Experten, die uns täglich in bunter Vielfalt vorgesetzt werden, wieder von der Bildfläche? Wahrscheinlich. Hoffentlich. Ihre Aussagen vermögen nicht zu klären, sondern werfen neue Fragen auf. Sie tragen nichts dazu bei, dass beispielsweise die Maschinenindustrie wieder mehr Aufträge erhält. Sie widersprechen sich nicht selten gegenseitig, jeder orakelt für sich. Einig sind sie sich nur, dass es schlecht läuft, weltweit. Wie schlecht? In Bezug zu was, in welchen Branchen wie ausgeprägt? Und welches sind die wirklichen Gründe der Schieflage? Nach neuen Werten wird gerufen. Neue Werte?

Gertrud Leutenegger, Schriftstellerin

Viele Fragen, einzelne Antworten und keine Klärung. Doch auf eine Klärung der Dinge durch Aussenstehende dürfen wir nicht warten, denn wie immer sie ausfallen würde, handeln müssen wir selber, hier und jetzt; es gilt, verschiedene Szenarien zu planen und jede Woche zu nehmen, wie sie kommt. Ungeklärte Fragen wird es immer geben, doch ratlos sind wir nicht. Wir kennen unsere Stärken und Schwächen und hoffen, dass das, was wir nicht beeinflussen können, uns nicht schaden wird. Für unser Unternehmen gilt, dass wir unseren Weg in Ruhe weitergehen wollen, denn er bestätigt sich gerade in dieser schwierigen Zeit durch wichtige, positive Signale unserer Kunden.