Ferien

20.06.2015
02/2015
  • Vorwort

Das Wort Ferien stammt vom lateinischen Wort für Feiertage, Festtage ab (feriae). Auch heute sind Ferien wohl für fast alle festliche Tage, und das ist auch gut so.

Das Thema «Ferien» könnte eventuell dazu ermuntern, tiefgründig zur Wichtigkeit von Pausen zu schreiben, sich zur Lebensbalance zu äussern und darüber zu philosophieren, dass Ferien nur geniessen kann, wer auch arbeitet. Ich gestehe aber ohne Umschweife, dass mir das nicht zusagt. Ferien sind eben Ferien, ich muss das nicht zerreden und pseudointellektuell aufarbeiten, sondern sie einfach – hoffentlich! – geniessen.

Frei haben und Ferien ist nicht das Gleiche. Ferien für mich: Das ist ein zeitlicher Sturzraum nach vorne, in dem ich mich nicht an Uhr und Agenda halten muss. Ich tue, was ich will, wozu ich Lust habe. Sicher, einverstanden, man versucht, kein Egoist zu sein: Also auch das tun, was die Familie mag. Aber das ist für mich keinesfalls ein Widerspruch: Ferienzeit ist eben auch Familienzeit, und ich geniesse es heute noch sehr, wenn meine mittlerweile erwachsenen Kinder Teil der Ferien sind.

Jeremias Gotthelf

In den Ferien sind andere Fragen wichtig als im Alltag: Was Beschäftigungslage und Ertrag im Beruf sind, sind Sonnenschein und Tauchen in den Ferien. Die Bereichssitzung wird in den Winterferien durch Fondue abgelöst, im Sommer dann eher durch die Sitzung am Grill. Dinge, die im Alltag nützlich sind, wirken in den Ferien höchst störend. Der Wecker ist so eine Sache, die mir in den Ferien auf den Wecker geht. Das Mail auch, Mails in den Ferien sind wie Dauerregen, unnötig. 

Es gilt, ein Wort zum Ferienende zu verlieren. Ich müsste lügen, wenn ich den letzten Ferientag als den schönsten bezeichnen würde. Er muss einfach sein: ohne Arbeit keine Ferien. Ferien werden eben erst durch die Arbeitstage zu dem, was sie sind. Auch hier will ich keine Philosophie anfügen. Das meiste, was ich während der Arbeit mache, mache ich gern. Das ist eigentlich schon viel.

Ich wünsche Ihnen eine herrliche Ferienzeit, festtagsgleich, und dass Sie viel vom wunderbar leichten Gefühl über den letzten Ferientag hinaus zurück an Ihre Arbeit mitnehmen können.