Der Hinkende Bot im Wandel der Zeit

11.12.2020
04/2020
  • Unternehmen

Wie kann ein Medium, das seit über 300 Jahren existiert, fit für das 21. Jahrhundert gemacht werden? Das haben auch wir uns in den letzten Jahren gefragt und unseren Hinkenden Boten bereit gemacht für eine digitale und vernetzte Welt mit anderen Lese- und Leseransprüchen.  

Der Hinkende Bot ist einer der ältesten Volkskalender Europas und gleichzeitig das älteste Produkt des Stämpfli Verlags – seit über 300 Jahren erscheint er Jahr für Jahr. Selbst in Kriegs- und Seuchenzeiten ist nie eine Ausgabe ausgefallen. Dass er nicht seit 300 Jahren gleich aussieht und öfter mal ein Redesign über sich ergehen lassen musste, versteht sich von selbst. Seit dem erstmaligen Erscheinen des Historischen Kalenders haben es seine Verleger und Schriftleiter verstanden, ihn immer wieder neu auf die Bedürfnisse des Publikums auszurichten und gleichzeitig seinen Kern zu bewahren.

Für die Ausgabe 2021 konnten wir Andreas Staeger als neuen Redaktor gewinnen. Das haben wir zum Anlass genommen, den HiBo, wie wir ihn nennen, nicht nur inhaltlich aufzufrischen, sondern ihn auch äusserlich sanft an heutige Lesergewohnheiten anzupassen. Zusammen mit Andreas Staeger und Kolleginnen und Kollegen aus Marketing, Vertrieb und Grafik haben wir im Rahmen eines Workshops Ideen für Inhalte, Layout und Kommunikation des neuen HiBo gesammelt und ein Konzept erstellt. Im Spätsommer 2020 war es dann so weit, wir durften die ersten gedruckten Exemplare in den Händen halten. Das neue Kleid und die thematische Vielfalt scheinen zu gefallen. Das zeigen erste Reaktionen von langjährigen Leserinnen und Lesern.

Doch das alleine reicht nicht, um heutzutage zu bestehen: Auch an einem 300 Jahre alten Produkt geht die Digitalisierung nicht spurlos vorüber. So überrascht es nicht, dass der HiBo nun sogar eine eigene Website hat. Unter www.hinkendebot.ch findet man einen Link zum Archiv mit allen bisher erschienenen HiBo, den aktuellen Marktdaten, Informationen zu Post, Bahn und Bundesbehörden, und man kann direkt mit dem Verlag und dem Redaktor in Austausch treten.

Dennoch darf man sich kritisch fragen, ob im digitalen Zeitalter der Übermittlung von Nachrichten per Mail, Blog, Facebook oder Twitter der Auftritt eines leibhaftigen persönlichen Boten in gedruckter Version nicht überholt ist. Gilt das auch für unseren Hinkenden Boten? Andreas Staeger meint dazu:

«Heutige Medien erlauben uns, Ereignisse quasi in Echtzeit mitzuverfolgen. Da kann der ‹Hinkende Bot› natürlich unmöglich mithalten. Wie sein Titelblatt schön zeigt, ist er bedächtig wie eine Schnecke unterwegs. Er hat denn auch eine ganz andere Aufgabe. Als historischer Kalender greift die Berner ‹Brattig› Themen und Entwicklungen auf, die nicht von heute auf morgen auflodern und dann gleich wieder verschwinden. Mit anderen Worten: Wir wollen Beschreibungen des ‹Hier und Jetzt› vermitteln, die über den Tag hinaus von Bedeutung sind, und dadurch Orientierung ermöglichen. Heutige Tweets sind in 50 Jahren doch völlig uninteressant. Aber wenn jemand dereinst im Estrich der Grosseltern den ‹Hinkenden Boten 2021› aufstöbert und dort die Chronik der Coronapandemie vorfindet? Das stelle ich mir als abenteuerliche Entdeckungsreise vor.»

In diesem Sinne hoffen wir, dass unser neue Hinkende Bot auch heute schon ganz viele Leser mit auf Entdeckungsreise nehmen wird.