Wirtschaftskriminalität kann alle treffen

20.06.2013
02/2013
  • Neuerscheinung

Täglich begegne ich Fällen von Wirtschaftskriminalität, und ich kenne zahlreiche Betrüger und Betrogene. Jetzt habe ich mir die Zeit genommen und ein Buch über die Psychologie der Wirtschaftskriminalität geschrieben. Ich glaube, dass die Leute besser verstehen müssen, worum sich Wirtschaftskriminalität dreht.

Wirtschaftsverbrechen – geringe Aufklärungsquote

Gewaltdelikte sind greifbarer und für alle verständlich. Demgegen­über töten Betrüger wirtschaftlich. Doch wir reden hier von Schwerstkriminellen. Bei einem Fall werden teils Hunderte bis Tausende um ihre Existenz gebracht. Wirtschaftskriminalität verursacht einen viel höheren Schaden als Einbrüche und Drogendelikte.

Fälle von Wirtschaftskriminalität werden aus diversen Gründen nur selten angezeigt. Agieren die Täter – es sind fast ausschliesslich Männer – von innen, unterschlägt beispielsweise ein Finanzchef Geld, haben sie oft ihrerseits etwas gegen die Firma in der Hand. Es sind Profis, die wissen, in welchen Schränken die Skelette versteckt sind. Agieren die Täter von aussen, beispielsweise ein Anlagebetrüger, ist oft die Scham der Opfer das Hindernis für eine Anzeige. Es ist peinlich, zuzugeben – gerade wenn man selbst ein erfolgreicher Geschäftsmann ist –, dass man übers Ohr gehauen wurde. Manchmal scheint es auch aussichtslos, überhaupt an die Täter oder an das verlorene Geld heranzukommen.

Leider ist die Aufklärungsquote von Wirtschaftsverbrechen gering, es kommt zu wenig Verurteilungen. Die potenziellen Betrüger werden also nicht abgeschreckt – im Gegenteil – ich bin überzeugt, Wirtschaftsverbrechen funktionieren ökonomisch.

Wirtschaftskriminalität kann ­alle treffen

Als Vertreter von Geschädigten erlebe ich sehr tragische Schicksale. Vor zehn Jahren wurde ich selbst Opfer eines Betrügers. Eine Versicherung, die nach eigenen Angaben selbst fünf Millionen Franken investiert hatte, empfahl mir die Anlagen. So geht das. Die besten Betrüger brauchen keine falschen Empfehlungen, sie haben echte. Der Schaden war nicht existen­ziell, aber er tat sehr weh.

Am Anfang steht das Vertrauen

Ich bin sicher, Wirtschaftskriminalität funktioniert nur auf der Basis von vollstem Vertrauen des Opfers gegenüber dem Täter. Genau da müssten die Warnsignale aufleuchten. Wenn alles stimmt, läuft höchstwahrscheinlich etwas falsch. Man muss zweifeln. Warum werde ausgerechnet ich für ein exklusives Geschäft ausgewählt? Wie kommt eine Anlage ohne Risiko auf eine so hohe Rendite? Selbst ausgewiesene Profis werden zu Opfern, denn sie sind eitel und zweifeln nicht an sich.


Jetzt wird’s kriminell – Trust me

Die Psychologie der Wirtschafts­kriminalität

Valentin N. J. Landmann, Autor

192 Seiten, gebunden

CHF 34.–/Euro 30,–