Weshalb, Herr Erb, engagieren Sie sich für die KMU?

20.06.2013
02/2013
  • Nachgefragt

Als ich 1985 Mitarbeiter des Schweizerischen Gewerbeverbands wurde, war mir bewusst, mehr als einen normalen Beruf übernommen zu haben. Worin besteht dieses «Mehr», das andere auch als Nachteil empfinden können? Als Verbandssekretär geht man mehr ein als einen Vertrag mit einer Leistungsverpflichtung (Arbeit) und einer entsprechenden Gegenleistung (Lohn). Man gibt ein ideelles Bekenntnis ab. Wer das nicht kann und allein des Lohnes wegen laufend auch Dinge gegen seine innerste Überzeugung tun muss, ist in einer Organisation wie dem Gewerbeverband am falschen Platz.

Unternehmerinnen und Unternehmer liegen mir am Herzen

Weshalb betrachte ich dieses Einstehen für die Interessen der Unternehmerinnen und Unternehmer in kleineren und mittleren Betrieben als Mehrwert und nicht als Belas­tung? Ich drücke es einfach aus: Im Innersten geht es um Menschen, die mir viel bedeuten und die ich einfach gerne habe. Nein, nicht restlos alle, aber doch die meisten.

Es gibt Tugenden und Lebenshaltungen, für die sich mein Einsatz und der meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lohnt. Unternehmergeist, Marktnähe und Verantwortungsbewusstsein gehören da in jedem Fall dazu.

Vielfalt

Dabei ist eines auch klar: Die KMU gibt es nicht. Die rund 300 000 kleinen und mittleren Unternehmen in der Schweiz unterscheiden sich in mancherlei Hinsicht: Märk­te, Produkte, Verhältnis zu Lieferanten, Absatzkanäle, Preise, Margen, Strategie, Finanzierung, Betriebsstrukturen etc. Trotz diesen vielen Unterschieden haben diese Betriebe alle auch Gemeinsamkeiten. Unternehmerinnen und Unternehmer tragen ein hohes Mass an Verantwortung für sich selbst und andere. Sie inves­tieren nicht selten alles, was sie haben, in ihren Betrieb. Sie wissen, wo sie hinwollen, und gehen ihren Weg, Hindernisse hin oder her. Es ist doch eine tolle Aufgabe, sich für solche Persönlichkeiten einsetzen zu dürfen.

Dieser Einsatz ist auch nötig, vor allem dort, wo viele KMU gleich gelagerte Interessen haben. Auf sich allein gestellt, könnten Einzelunternehmer ihre Interessen nicht erfolgreich durchsetzen. Deshalb braucht es Organisationen, die dies in ihrem Auftrag professionell, kompetent und konsequent tun.

Breite Palette von gemeinsamen Interessen

Hohe Belastungen durch Steuern, Gebühren und administrative Auflagen schränken die unternehmerische Freiheit ein. Deshalb ist es nötig, dass jemand dafür kämpft, diese Belastungen so gering wie möglich zu halten. Gute Verkehrswege sind die Lebensadern der Wirtschaft. Deshalb ist es nötig, dass sich jemand für Investitionen in die Infrastruktur einsetzt. Die Betriebe benötigen gut ausgebildetes Personal. Die Bildung muss unter anderem auch praxisnah sein und den Unternehmergeist fördern. Die Position der KMU-Wirtschaft am Arbeitsmarkt muss gestärkt werden. Deshalb wollen wir im September 2014 in Bern gemeinsam die ersten zentralen Schweizer Meisterschaften und praktischen Demonstrationen von insgesamt  rund 130 Berufen durchführen. Die Betriebe sind schliesslich alle auf eine sichere und gute Energieversorgung angewiesen. Dies nur vier Beispiele aus den Aufgaben, die ich gerne mit Herzblut zugunsten unserer KMU wahrnehme.