Wer ist Prof. Dr. René Matteotti?

20.03.2008
01/2008
  • Interview

Warum haben Sie sich jemals für das Jurastudium entschieden?

Bereits in der Primarschulzeit hat sich bei mir ein Interesse an Politik entwickelt und der Wunsch, einmal als Wirtschaftsanwalt und Politiker tätig zu sein. Am Gymnasium wurde ich aber stark von meinen Geschichts-, Latein- und Griechischlehrern geprägt, die mir die faszinierende Welt der Antike und des Mittelalters nähergebracht haben. Kein Wunder, dass ich mich bei der Studienwahl dann sehr schwer tat und am Schluss eben ein Doppelstudium in Geschichte und Recht absolvierte.

Wo ist für Sie heute die Herausforderung, Recht zu praktizieren, Recht zu lehren oder über Recht zu schreiben?

Ich bin in der Zwischenzeit durch und durch Steuerrechtler. Wie die jüngsten Umfragen zeigen, sind steuerpolitische Themen zuoberst auf der politischen Agenda der Schweiz. Es ist faszinierend zu sehen, wie in der Schweiz ein regelrechtes Race to the bottom ausgebrochen ist und die Kantone versuchen, sich gegenseitig mit tieferen Steuern zu unterbieten. Es ist reizvoll und zugleich eine Herausforderung, diese Entwicklungen auf nationaler und internationaler Ebene zu verfolgen und aus rechtlicher und ethischer Sicht zu analysieren.

Gibt es ein berufliches Projekt, welches Sie noch nicht in Angriff genommen haben, aber an dem Ihnen viel liegt?

Es gibt bei meinem Alter naturgemäss viele Projekte, die ich noch in Angriff nehmen möchte. Ich denke hier an Bücher über die Steuerpolitik, die Auslegung des Steuerrechts und – last but not least – ein Buch über die Geschichte des Steuerrechts in der Eidgenossenschaft.

Gibt es neben Recht ein weiteres Gebiet, über das Sie gerne schreiben würden?

Ja, neben der Geschichte, die mir aufgrund meiner Ausbildung sehr naheliegt, ist in mir ein grosses Interesse an der politischen Philosophie aufgekommen. Mich interessiert die Frage, welche Pflichten die Industrienationen haben, um die Armut in Entwicklungsländern zu bekämpfen. Es ist für mich ethisch unhaltbar, dass wir hier in Saus und Braus leben, während auf anderen Kontinenten Menschen verhungern.

Welches Buch oder welche Bücher liegen neben der Fachliteratur auch noch auf Ihrem Nachttisch?

Momentan lese ich den Politikthriller «The Broker» von Grisham … Sie sehen, von der Politik komme ich auch bei meiner Privatlektüre nicht ganz los.

Wie würden Sie ein Jahr Urlaub verbringen?

Entweder würde ich auf Entdeckungsreisen in Nord- und Südamerika und in Australien gehen oder irgendwo in Kalifornien ein Buch schreiben.

Falls Sie einen Wunsch frei hätten, welches wäre Ihr grösstes Anliegen?

Ich habe viele private und berufliche Wünsche. Ganz allgemein fachspezifisch wünsche ich mir, dass der grosse Stellenwert des Steuerrechts im Rechtsalltag auch von den Universitäten erkannt und entsprechend ausgebaut wird. An jeder Schweizer Universität sollte es mindestens zwei hauptamtliche Steuerrechtsprofessoren geben, um die Bedürfnisse des Markts an jungen Steuerrechtlern einigermassen abdecken zu können.