Wer ist Prof. Dr. Bernhard Waldmann?

20.12.2012
04/2012
  • Interview

Warum haben Sie sich für das Jurastudium entschieden?

Ich hatte mich während des Gymnasiums sowohl für Rechtswissenschaften als auch für antike Sprachen interessiert. Nachdem ich den Berufsberater auf mein Dilemma der Studienwahl hingewiesen hatte, sagte mir dieser: «Dann studiere doch Jus und werde Botschafter in Griechenland.» Dieser etwas merkwürdige Ratschlag öffnete mir den Blick auf die unterschiedlichen Berufsperspektiven, sodass ich mich für das Jurastu­dium entschied. Ich habe diesen Entscheid nie bereut.

Wo ist für Sie heute die Heraus­forderung, Recht zu praktizieren, Recht zu lehren oder über Recht zu schreiben?

Die gleichzeitige Tätigkeit als Lehrer, Wissenschafter und Gutachter in konkreten Projekten stellt einerseits eine Herausforderung dar. Andererseits bietet sich darin aber gerade auch eine Chance, Theorie und Praxis im Alltag zu verbinden. Aber sicherlich ist es nicht leicht, überall dort, wo man es eigentlich möchte, den Überblick über laufende Rechtsentwick­lungen und die neuste Rechts­praxis zu behalten. Umso wichtiger ist es, sich immer wieder auch mit den grundlegenden Fragen des Rechtsstaats zu beschäftigen.

Auch das Recht ist dem steten Wandel der Zeit ausgeliefert. Was hat sich seit Ihrem Studium verändert?

Seit meinem Studium hat sich v.a. der Prozess der Rechtserzeugung verändert. Er ist schneller geworden. Ausserdem werden heute viele Rechtsnormen nicht mehr nur in unseren Parlamenten bestimmt, sondern von internationalen Orga­nen vorgegeben. Dieser Einfluss ist sicherlich zu einem grossen Teil gewollt (insbesondere über die Ratifikation zahlreicher internationaler Abkommen wie der bilateralen Verträge mit der EU), aber eben teilweise auch das Ergebnis der Machtpolitik der grossen Staaten. Mit dieser Entwicklung wird letztlich das Rechtsstaatsprinzip geschwächt.

Gibt es ein berufliches Projekt, welches Sie noch nicht in Angriff genommen haben, aber an dem Ihnen viel liegt?

Es gibt zahlreiche Projekte, die im Gang oder zumindest aufgegleist sind, sodass ich für die nächs­ten Jahre beschäftigt bin. Selbstverständlich kommen einem immer wieder neue interessante Dinge in den Sinn.

Gibt es neben Recht ein weiteres Gebiet, über das Sie gerne schreiben würden?

Ja, ich würde gerne ein Buch über die Entwicklung der Musik in den letzten Jahrzehnten schreiben.

Wie schaffen Sie sich einen Ausgleich zum spannenden, aber anstrengenden Berufsalltag?

Den grössten Ausgleich finde ich mit meiner Familie. Daneben spiele ich auch bereits seit über 20 Jahren in einer tollen Band.

Können Sie uns eine lustige Geschichte aus Ihrem Berufsalltag erzählen?

Ich habe einmal im Anwalts­praktikum einen Klienten vor Gericht vertreten müssen, den ich zuvor noch nie gesehen hatte. Im Gericht angekommen, sah ich einen Mann vor dem Wartesaal. Im Glauben, es handle sich um meinen Klienten, habe ich ihn in den Wartesaal gebeten, um die Verhandlung vorzubesprechen. Nach einigen Wortwechseln stellte sich heraus, dass es sich beim vermeintlichen Klienten um einen der Richter handelte. Aber auch im Universitätsalltag erlebe ich hie und da wieder lustige Geschichten.

Über was können Sie lachen, was stimmt Sie traurig?

Lachen kann ich über Parodien, aber manchmal auch über mich selber, insbesondere über meine beiden «linken» Hände. Wirklich traurig stimmen mich Krankheiten und Todesfälle in meinem Umfeld, manchmal aber auch das Korsett von Zwängen, in dem wir uns tagtäglich bewegen.