Wer ist Prof. Dr. Astrid Epiney?

20.03.2013
01/2013
  • Interview

Warum haben Sie sich für das Jurastudium entschieden?

Während der Gymnasialzeit interessierte ich mich sehr für ma­thematische und naturwissenschaftliche Fächer, aber auch für Geschichte und Deutsch. In Bezug auf die Berufswahl war ich lange un­entschlossen. Die letzte Entscheidung fiel an einer Infor­ma­tions­veranstaltung, anlässlich deren das Jurastudium so spannend und vielseitig dargestellt wurde, dass es mich überzeugte. Hinzu kamen die vielfältigen Möglichkeiten der beruflichen Tätigkeit, die ein derartiges Studium eröffnen, was es mir erlaubte, die Entscheidung über die eigentliche Berufswahl noch etwas hinauszuschieben.

Wo ist für Sie heute die Heraus­forderung, Recht zu praktizieren, Recht zu lehren oder über Recht zu schreiben?

Die Hauptherausforderung ist, die Notwendigkeit des Rechts zu vermitteln: Recht hat sehr viel mit Rechtsstaat zu tun, und sobald man das Recht nicht mehr (genügend) achtet, stellt dies letztlich eine Gefährdung zumindest gewisser Aspekte des Rechtsstaates dar. Damit werden aber auch die im und für das Recht Tätigen herausgefordert, die ihre Funktion verantwortungsbewusst und unter Berücksichtigung dieser Rolle des Rechts wahrnehmen sollten. Diese Gesichtspunkte stellen gerade auch für die Ausbildung eine Herausforderung dar.

Auch das Recht ist dem steten Wandel der Zeit ausgeliefert. Was hat sich seit Ihrem Studium verändert?

Die grundlegenden Methoden haben sich m.E. nicht wirklich geändert, und es scheint mir essen­ziell, dass im Studium das «Handwerk» gelernt wird. Allerdings stellen sich durchaus auch neue Fragen im Zuge der gesellschaftlichen und sozialen Entwicklungen, die die rechtlichen Methoden herausfordern. So ist z.B. nach wie vor keine befriedigende Antwort auf die Frage der rechtlichen Regelung gewisser internationalisierter Sachverhalte gefunden worden (man denke etwa an die rechtliche Regelung des Internets). Hier besteht m.E. noch ein grosser Forschungsbedarf.

Gibt es ein berufliches Projekt, welches Sie noch nicht in Angriff genommen haben, aber an dem Ihnen viel liegt?

Ich bin mit meiner derzeitigen beruflichen Tätigkeit sehr zufrieden: Die Lehr- und Forschung­s­tätigkeit und der damit verbundene Kontakt mit jungen Studierenden gefallen mir ausserordentlich, und ich schätze die akademische Freiheit.

Gibt es neben Recht ein weiteres Gebiet, über das Sie gerne schreiben würden?

Leider verfüge ich nicht über die Begabung, spannende Geschichten zu schreiben, so begnüge ich mich im Wesentlichen mit dem Schreiben rechtswissenschaftlicher Beiträge, aber das mit viel Freude und Begeisterung, insbesondere, wenn es um neue Aspekte geht.

Wie schaffen Sie sich einen Ausgleich zum spannenden, aber anstrengenden Berufsalltag?

Neben meiner Familie, die mich mitunter auf die wesentlichen Dinge des Lebens aufmerksam macht, treibe ich etwas Sport (Joggen, Bergtouren) und versuche, ein gewisses, allerdings bescheidenes Niveau im musikalischen Bereich aufrechtzuerhalten, indem ich regelmässig als Organistin in meiner Gemeinde tätig bin.

Können Sie uns eine interessante Geschichte aus Ihrem Berufsalltag erzählen?

Der Berufsalltag ist insgesamt relativ unspektakulär, doch empfinde ich ihn als sehr spannend und vielseitig. Zu den schönsten Erlebnissen gehört es, wenn Doktorierende ihre Dissertation erfolgreich abschliessen: Es ist immer wieder eine Freude, zu sehen, wie sich ein derartiges Projekt entwickelt und zu einem guten Abschluss kommt. Einen Doktorierenden auf diesem Weg zumindest ein bisschen begleiten zu können, gehört sicherlich zu den befriedigendsten Aspekten des Berufs.

Über was können Sie lachen, was stimmt Sie traurig?

Häufig kann ich über mich selbst lachen, dies in der Regel aufgrund von Bemerkungen meiner Kinder oder meines Mannes, die mich auf gewisse «Marotten» hinweisen. Aber auch darüber hinaus versuche ich, so viele Begebenheiten wie möglich mit Humor zu nehmen.

Traurig stimmt mich, wenn Menschen anderen mit zu wenig Respekt und zu wenig Empathie begegnen: Bei allen Meinungsverschiedenheiten, die man haben kann und mitunter auch argumentativ austragen muss, gehört für mich der Respekt des anderen zu den Grundwerten, deren Beachtung unbedingt anzustreben ist. Sobald gewisse Verhaltensweisen systematische Züge der Nichtachtung anderer erkennen lassen, halte ich das für sehr bedauerlich, kann damit Menschen doch nachhaltig geschadet werden.