Wer ist Dr. Urs Fasel?

20.09.2013
03/2013
  • Interview

Urs Fasel ist als Autor unter anderen für den Stämpfli Verlag tätig. Für die jährlich neu erscheinenden njus.ch-Bände übernimmt er die Bereiche Sachenrecht und Erbrecht und schreibt auch für die Reihe Stämpfli-Repetitorien zu diesen beiden Rechtsgebieten. Dieses Jahr von ihm bisher erschienen sind «Sachenrecht, Entwicklungen 2012» sowie «Erbrecht, Entwicklungen 2012».

Als Anwalt sind Sie unter anderem im Erbrecht tätig. Können Sie unseren Lesern schildern, was für Sie die Faszination an diesem Gebiet ausmacht?

Das Erbrecht ist aus mehreren Gründen faszinierend: Erstens kombinieren sich darin häufig allgemeine Fragen des Zivilrechts, des Sachenrechts und des Fami­lien(güter)rechts, was der Anwendung des Erbrechts in der Praxis Spannung verleiht. Zweitens ist das Erbrecht von Eugen Huber bewusst als elastische Rechtsordnung entworfen worden, sodass der Anpassung der rechtlichen Regelung an die neueren Verhältnisse ein grosses Gewicht zukommt. Drittens sind auch die menschlichen Dimensionen des Erbrechts von grosser Bedeutung: Mitgefühl, Verstandenwerden und weitere menschliche Züge kommen gerade in erbrechtlichen Situationen besonders zum Tragen. Dies gilt nicht nur in streitbaren Fällen, sondern auch bei vielen Erbteilungen, welche durchaus in Frieden gelöst werden können.

Die Work-Life-Balance ist heute in aller Munde. Ist die Vereinbarkeit von Privatleben und beruflichem Alltag für Sie ohne Weiteres möglich?

Bei meinem Engagement in der Praxis, für die Wissenschaft und für die Ausbildung schätze ich mich glücklich, darf ich auf die Unterstützung meiner Frau zählen, welche zur Hauptsache unsere beiden Kinder Severin (11-jährig) und Dunja (14-jährig) betreut und uns alle möglichen Sachen abnimmt und erleichtert. Überdies gehe ich – neben meinem sportlichen Engagement für die Kleinsten im Eishockey (vgl. dazu auch www.eishockey-events.ch) – gerne sportlichen Aktivitäten nach, insbesondere dem Schwimmen.

Worin sehen Sie als Autor allgemein die grösste Herausforderung bei der Veröffentlichung von Büchern?

Die Flut von Publikationen ist immens geworden, sodass die Verarbeitung des bereits publizierten Materials sehr anspruchsvoll geworden ist. Hingegen sehe ich mit den heutigen technischen Möglichkeiten weniger ein Problem in der «Reinschrift» des Manuskriptes, zumal mich langjährige Mitarbeiter in der Niederschrift des Manuskriptes tatkräftig unterstützen.

Sie verfassen unter anderem Stämpfli-Repetitorien und sind als Autor tätig für die njus.ch-Reihe. Wie lange dauert das Verfassen eines Manuskriptes, und was ist es für ein Gefühl, sein eigenes Buch als fertiges Werk in den Händen halten zu dürfen?

Zunächst einmal: An einem Buchprojekt zu arbeiten, ist als solches ein sehr schöner Vorgang, mit viel Erkenntnisgewinn. Deshalb habe ich auch nach dem zehnten Buch nicht aufgehört, weiterhin zu publizieren. Ich möchte die Erfahrung nicht missen, Neues in den von mir bearbeiteten Gebieten zur Kenntnis zu nehmen und – teilweise auch kritisch – zu bearbeiten. Das Verfassen ist für mich von überragender Bedeutung, das Gefühl, ein eigenes Werk in den Händen zu haben, tritt dabei in den Hintergrund, auch wenn manchmal ein gewisser Stolz (kurz) aufkommen mag. Da ich jeweils an mehreren Büchern arbeite, ist überdies das nächste Buch schon im Anflug, bevor das letzte abgegebene Buch erscheint, sodass nie ein «publizistisches Loch» bei mir und meinen Mitarbeitern eintreten kann.

Welche Bücher oder Zeitschriften lesen Sie privat am liebsten?

Neben der amtlichen Sammlung des Bundesgerichts (mit vielen Lebensgeschichten, welche ich so nicht vermutet hätte) lese ich nach wie vor sehr gerne die Zeitschriften «ZBJV» und «recht».

Über was können Sie lachen, was stimmt Sie traurig?

Über mich selber und oft auch über und mit den Kindern Severin und Dunja.

Traurig stimmen mich nicht nur die täglichen Hiobsbotschaften in den Nachrichten, sondern auch die Tatsache, dass ein paar Zeitgenossen sich darauf spezialisiert haben, Werke anderer zu kritisieren und zu zertrampeln, statt etwas Eigenes zu schaffen. Die weitverbreitete Verkümmerung der Eigeninitiative und des Eigenengagements stimmt mich nicht nur nachdenklich, sondern traurig.