Wer ist Dr. Beat Schönenberger?

18.12.2009
04/2009
  • Interview

Warum haben Sie sich für das Jurastudium entschieden?

Da gab es zum einen einmal die klassische Ausschlussmethode ganz nach dem Motto «Einfach etwas ohne Mathematik»; ich wusste damals natürlich noch nichts von güterrechtlichen Auseinandersetzungen. Zudem war der Entscheid für das Jusstudium wohl auch ein bisschen ein aufgeschobener Berufsentscheid; ich wollte etwas, das mir viele Möglichkeiten offenlässt. Als Berufsziel schwebte mir damals die Diplomatenlaufbahn vor. Doch ers­tens kommt es anders, und zweitens als man denkt.

Wo ist für Sie heute die Heraus­forderung, Recht zu praktizieren, Recht zu lehren oder über Recht zu schreiben?

Recht interessiert mich weniger als detailliertes Wissen von vielen Spezialregelungen, sondern vielmehr als Geistes- und Sozialwissenschaft. Dabei müssen das Stellen von Fragen und das Aufzeigen von gesellschaftlichen Zusammenhängen im Mittelpunkt stehen. Darum geht es mir auch hauptsächlich in der Lehre. Nur wer die richtigen Fragen stellt, kann (vielleicht) die richtigen Antworten finden.

Auch das Recht ist dem steten Wandel der Zeit ausgeliefert. Was hat sich seit Ihrem Studium verändert?

Da kommen mir erst mal technische Neuerungen in den Sinn. Wenn ich mir vorstelle, dass ich mein Studium noch ohne Computer begonnen habe. Die Möglichkeiten der Internetrecherche sind einerseits ein Segen, andererseits ist die Informationsflut – gerade bei wissenschaftlichem Arbeiten – auch ein Fluch geworden. Natürlich hat auch das materielle Recht zahlreiche Neuerungen erfahren. Trotzdem ist es immer wieder erstaunlich, wie sich die eigentlichen Grundfragen des klassischen Privatrechts ja seit 2000 Jahren nur wenig verändert haben.

Gibt es ein berufliches Projekt, das Sie noch nicht in Angriff genommen haben, aber an dem Ihnen viel liegt?

Vorerst freue ich mich auf meine soeben aufgenommene Tätigkeit beim Bundesamt für Justiz. Auf wissenschaftlicher Ebene möchte ich mich mal noch eingehender mit dem Eigentumsbegriff auseinandersetzen. Dabei soll es um die Frage gehen, welche Bereiche denn vom Ausschliesslichkeitsrecht des Eigentums betroffen sein können und welche nicht. Das kann vielleicht eine Art Fortsetzung meiner Habilitationsschrift werden, schliesslich endet dieses Buch mit Fragen. Als «Fernziel» gibt es vielleicht ja doch einmal noch die Möglichkeit eines Lehrstuhls.

Gibt es neben Recht ein weiteres Gebiet, über das Sie gerne schreiben würden?

Da ich auch über «Kunst & Recht» schreibe, bin ich schon in einer privilegierten, d.h. nicht rein rechtlichen Lage. Aber warum nicht mal etwas über Theater, meinen Lieblingskomponisten Richard Wagner oder Wein schreiben? Aber muss man denn immer schreiben?

Wie schaffen Sie sich einen Ausgleich zum spannenden, aber anstrengenden Berufsalltag?

Kunst und Kultur sind sehr wichtig in meinem Leben. Theater ist eine grosse Leidenschaft von mir, weshalb ich mich auch als Vorstandsmitglied des Theatervereins Basel (einer Förderorganisation des Theaters Basel) engagiere. Opern und Konzerte liebe ich besonders. Ja, ich gebe es zu, ich bin Wagnerianer. Daneben suche ich den Ausgleich beim Wandern. Und schliesslich bin ich gutem Essen und Trinken auch nicht abgeneigt, weshalb ich auch gerne koche.

Über was können Sie lachen, was stimmt Sie traurig?

Am meisten über mich selber (oder ich versuche es zumindest). Traurig stimmen mich unehrliche Menschen; wenn Unehrlichkeit noch mit Dummheit gepaart ist – was leider oft der Fall ist –, dann ist es besonders schlimm.