Von Hauptmann Fritz Studer zu Walter

18.12.2009
04/2009
  • Rückblick

Vor Kurzem haben sich der Schweizerische Feuerwehrverband und die Stämpfli AG darauf geeinigt, die langjährige Zusammenarbeit bei der Herstellung des Vereinsorgans fortzusetzen. Diese Zusammenarbeit dauert bereits seit 1888, als der «Centralausschuss» des damaligen Feuerwehrvereins

Hauptmann Fritz Studer

mit der Redaktion des monatlich erscheinenden, seit 13 Jahren herausgegebenen sechs- bis achtseitigen Blattes beauftragte, das sich schon damals stolz Zeitung nannte. Der neue Redaktor verpflichtete sich, die Weisungen des Ausschusses zu befolgen und die Förderung des schweizerischen Lösch- und Rettungswesens zum Hauptthema zu machen. Soweit es der Raum des Blattes erlaubte, sollten auch die Vorgänge im Feuerwehrwesen anderer Staaten besprochen werden. Pro Nummer wurde Studer damals für seine Arbeit mit 15 Franken entschädigt; ausserdem durfte er seine Portoauslagen «in Rechnung bringen».

Feuerwehroffizier Fritz Studer-Leuzinger war der Schwager und Associé des damaligen Besitzers der Firma, Karl Stämpfli. Deshalb ist nicht verwunderlich, dass am 28. Juli 1888, einige Monate nach seiner Ernennung zum Redaktor, ein weiterer Vertrag zwischen dem «Centralausschuss» und der «Stämpfli’schen Buchdruckerei» zustande gekommen ist, aus dem hervorgeht, dass das Unternehmen schon seit Jahresbeginn für den Druck und die «Expedition» der Feuerwehrzeitung mit einer Auflage von 1500 Exemplaren sowie für das «Incasso & die für die Beschaffung v. Inseraten nothwendigen Correspondenzen» verantwortlich war. Stämpfli erhielt für die zwölf Nummern eines Jahres für «Satz, Druck, Papier, Spedition & Frankatur» 1260 Franken und für die Arbeit mit den Inseraten fünf Prozent der «daherigen Einnahme», durfte jedoch «artistische Beilagen, Pläne, oder Clichés» separat berechnen.

Fritz Studer übte sein Amt als Redaktor nicht lange aus; er starb 1890 erst 35-jährig. Ein weiterer Vertrag vom 23. April 1891 belegt, dass dieser Tod der Geschäftsbeziehung zwischen dem Feuerwehrverein und der «Buchdruckerei Karl Stämpfli & Cie.» nichts anhaben konnte. Neben der Erwähnung eines separaten Blattes für die welschen Feuerwehren, «Pompier Suisse», mit einer Auflage von 500 Exemplaren und einem Preis von 78 Franken pro Ausgabe, enthielt er verschiedene Präzisierungen, so z.B. dass «die gewöhnliche Correktur» im Preis inbegriffen sei, für «ausserordentliche redaktionelle Änderungen … 70 cts für die Stunde» verrechnet werden dürfen.

118 swissfire

Sieht man sich die neusten farbig gestalteten Nummern von «118 swissfire.ch» mit ihren 120 A4-Seiten an, liegt der Eindruck nahe, das heutige Produkt habe mit dem damaligen bescheidenen Blättchen nichts mehr gemeinsam. Dem will der heutige

Chefredaktor Walter Pfammatter

nicht ohne Weiteres zustimmen. Gleich geblieben seien immerhin der Herausgeber und der Drucker, und auch das Lösch- und Rettungswesen nehme in der Themenpalette nach wie vor einen bedeutenden Platz ein. Zwischen Fritz Studer und Walter Pfammatter waren sieben Männer für die Redaktion verantwortlich. Lange Zeit übten sie ihre Tätigkeit im Nebenamt aus, und erst später wurde die Stelle ausgebaut. Alle hatten vor ihrer Tätigkeit etwas mit der Feuerwehr am Hut. Pfammatter hingegen brachte als Erster zwar kein feuerwehrtechnisches, dafür aber journalis­tisches Fachwissen mit, das er sich als Mitarbeiter und Redaktor von Zeitungen und als freiberuflicher Kommunikationsfachmann erworben hatte, bevor er sich im Jahre 2000 mit der Feuerwehrzeitung zu befassen begann. Die

Herausforderung

für ihn bestand darin, die Feuerwehrzeitung lesbarer zu gestalten. Das Feuerwehrwesen hat sich in der Schweiz in den letzten Jahren insofern verändert, als wegen der technischen Entwicklung und der dadurch geförderten Zusammenschlüsse die Zahlen der einzelnen Wehren sowie die der Mannschaft erheblich zurückgegangen sind – und damit auch die Zahl der Abonnemente. Die Gegenstrategie des Chefredaktors besteht darin, das Magazin nicht lediglich auf die technisch interessierten Kader auszurichten, sondern vielmehr auch den einzelnen Feuerwehrmann anzusprechen, der eine Erlebnisberichterstattung erwartet, die auch seine Gefühle anspricht. Dazu räumt er den Bildern wesentlich mehr Platz und Bedeutung ein und hat den Inhalt des Organs von 60 bis 70 Seiten auf nunmehr 120 und mehr erweitert. Auch der neue Titel, dem lange Diskussionen vorausgegangen sind und der das Ganze vom Zeitungsimage wegbringen will, zielt in diese Richtung. Ganz in diesem Sinne wirken die

Editorials von Walter,

in denen er den Leser, die Leserin direkt anspricht, sich sozusagen als ihr Kollege an sie wendet und damit eine Nähe schafft, wie sie Hauptmann Studer und seine Nachfolger kaum erreicht haben. Man sei auf dem Weg, beteuert Pfammatter; manches sei noch nicht so, wie er es sich vorstelle.

Die Arbeit als Chefredaktor ist nicht die einzige Aufgabe, die er für seinen Arbeitgeber erledigt. Um der Herausforderung gerecht zu werden, monatlich ein ansprechendes Magazin zu produzieren, stehen ihm deshalb Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Seite: die sprachgewandte Redaktorin Clara Rüsi, die selber in einer Feuerwehr Dienst tut, und die Koordinatorin Isabelle Grünenwald. Dazu kommen in Teilzeit der stellvertretende Chefredaktor Heinz Baumann, der Verantwortliche für den französischen und italienischen Teil, Michael Werder, und Claudio Mignot, der die wichtigsten Rubriken  «Einsatz» und  «Vorgehen im Einsatz» betreut, sowie Korres­pondenten aus den Kantonen und viele ständig und gelegentlich Mitwirkende. Ihnen allen steht das bei Stämpfli entwickelte Redaktionssystem EditorBox zur Verfügung, das es ihnen erlaubt, dem Magazin in der Redaktion bereits eine weitgehend gültige Form zu geben. Wie bei jedem Publikumsorgan ist auch bei der «118 swissfire.ch» das

Internet

ein Thema. Der Schweizerische Feuerwehrverband verfügt über einen bemerkenswerten Internetauftritt. Bereits gibt es ein Onlineabo. Auf diesem Weg können Interessierte Einzelheiten für ihre Bedürfnisse herunterladen. So wenig wie bei allen andern Herausgebern von Printmedien lassen sich jedoch verlässliche Prognosen über die zu erwartenden Entwicklungen voraussagen.