Schöpfer des ZGB und des revidierten OR

20.12.2014
04/2014
  • Neuerscheinung

Eugen Huber (1849–1923) ist der berühmte Berner Rechtslehrer, der vor allem als Verfasser des Grundlagenwerkes zu «System und Geschichte des schweizerischen Privatrechts» sowie als Schöpfer des ZGB und des revidierten OR bekannt ist. Die neue Schriftenreihe gibt der Öffentlichkeit die Möglichkeit, Eugen Huber und sein Werk besser kennenzulernen.

Auch nach dem 150. Geburtsjahr von Eugen Huber ist viel von seinem Wirken noch unbekannt. Im Schweizerischen Bundesarchiv und in anderen Archiven lagern viele Faszikel des Wirkens von Eugen Huber. Dazu gehören unter anderem die von ihm verfassten Vorlesungsabschriften von berühmten Rechtslehrern wie Rudolf von Jhering oder Theodor Mommsen. Sodann gibt es eine ganze Reihe von Vorlesungsunterlagen, die Eugen Huber selber verwendet hat und die für die Erklärung der Entstehung des schweizerischen Privatrechts einen wesentlichen Dienst leisten können. Sein Briefwechsel mit vielen Gelehrten seiner Zeit und seine täglichen Briefe an seine 1910 verstorbene Frau Lina, die er ihr während fast acht Jahren geschrieben hat, beeindrucken den Leser. Die Herausgabe einzelner Aspekte des Lebens und Werks von Eugen Huber ist mit einer neuen Schriftenreihe lanciert worden.

Der erste Band befasst sich mit den Vorlesungen von Eugen Huber. Er entwickelte – nach seinen Berner Anfängen – eine ausgedehnte Vorlesungstätigkeit zunächst in Basel, später in Halle an der Saale und schliesslich wieder in Bern, wo er als gefeierter Dozent bis kurz vor seinem Tode Vorlesungen zum schweizerischen Privatrecht, aber auch zur schweizerischen Rechtsgeschichte und zur Gesetzgebungspolitik gehalten hat.

Der zweite Band stellt die von Eugen Huber als Chefredaktor der «Neuen Zürcher Zeitung» verfassten Beiträge einem breiteren Publikum vor. In Vergessenheit geraten war zuvor, dass Eugen Huber – um einen frühen Broterwerb zu haben – als Redaktor für die NZZ tätig war und im Jahre 1876 zum Chefredaktor aufstieg. Die Fülle der bearbeiteten Themen ist beeindruckend.

Der dritte Band wird den frühen rechtshistorischen Arbeiten Eugen Hubers gewidmet sein und vor allem die von ihm vorgesehene, aber nicht mehr realisierte Veröffentlichung des vorbereiteten Manuskriptes zur Schweizer Rechtsgeschichte beinhalten. Eugen Huber besticht in dem Werk nicht nur als Kenner dieser Materie, sondern vor allem als begabter Ausbildner von angehenden Akademikern. 

 


Vita Eugen Huber 

13. Juli 1849 Geburt als Sohn des Arztes Dr. Konrad Huber und von dessen Frau, geb. Widmer, in Stammheim, als jüngstes unter sechs Geschwistern

Oktober 1868 Abschluss Gymnasium mit Matur, danach Studium des Rechts in Zürich

Herbst 1869/70 einjähriges Studium in Berlin

3. März 1872 Dissertation «Über die schweizerischen Erbrechte in ihrer Entwicklung seit der Ablösung des alten Bundes vom Reich» 

Sommer 1872 Studiensemester in Wien bei Jhering u.a.

1875 Huber wird Chefredaktor der NZZ

18. April 1876 Trauung mit Lina geb. Weissert

14. Mai 1877 Wahl als Verhörrichter nach Trogen (AR)

1878 Tod der Tochter

Herbst 1880 Anfrage als a.o. Professor für Bundesstaatsrecht und kantonales Zivilrecht in Basel

Ab 1884 Arbeiten an «System und Geschichte» (erschienen ab 1886 bis 1892)

1888–1892 Professor in Halle an der Saale (mit Stammler und Rümelin als Kollegen)

Juni 1892 angenommener Ruf nach Bern, in Verbindung mit einem Auftrag des Bundes, einen Entwurf für das ZGB zu verfassen

23. April 1923 Tod von Eugen Huber