Neues Logistikcenter der -Schweizerischen Post

20.06.2005
02/2005
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Die grünen Wiesen in unserer Nach­barschaft machen ganz allmählich Industriebauten aller Art Platz. Anschliessend ans Gebäude von Emmi, einerseits dicht an den Bahn­gleisen gelegen, auf der andern Seite mit komfortablen Zufahrtspisten erschlossen, ist in 14 Monaten Bauzeit das neue Logistikcenter der Schweizerischen Post entstanden. Zusammen mit 32 gleichartigen Basen in der ganzen Schweiz bildet es Grundlage für den zeitgerechten und effizienten

Weg der Paketzustellung

der Post. Von den rund 2700 Poststellen des Landes gelangen die täglich rund 500000 Pakete heute auf der Strasse in eine dieser Basen, werden da nach ausgeklügeltem Plan in die gelben Wechselcontainer auf Bahnwagen verladen und zu einem der drei seit 1999 in Betrieb genommenen, modernsten Paket­sortierzentren Europas in Daillens, Härkingen und Frauenfeld geführt. In diesen High-Tech-Anlagen findet innerhalb von wenigen Stunden die automatisierte Sortierung nach Adressaten auf die einzelne Zustelltour der Paket­boten statt. In Rollcontainern zweckmässig geordnet kehren die Pakete in den gelben Wechselcontainern zum grossen Teil auf dem Schienenweg je nach Bestimmungsort an eine der Basen zurück, oder sie setzen den Weg fort über eines der beiden andern Paketsortierzentren in die anderen Landesteile der Schweiz. In den Basen nehmen die Paketboten mit ihren gelben Fahrzeugen das Verteilgut entgegen und stellen es den Empfängern zu. Jede Basis ist einem Paketzentrum zugeordnet und verkehrt nur mit diesem, Ostermundigen mit Daillens. Die neue Art der Paketbeför­derung basiert auf den heutigen technischen Möglichkeiten der schnellen, schonenden und kostengünstigen Paketsortierung, welche im seit dem 1. Januar 2004

vollständig liberalisierten -Paketmarkt

der Schweiz unabdingbar ist. ­Oliver Flüeler, Mediensprecher der Post, ist überzeugt, dass PaketPost für den Konkurrenzkampf gut gerüstet ist. Dies unterstreichen die Zahlen der letzten Geschäftsjahre: Das einstige Defizit des Bereichs PaketPost ist von 255 Millionen Franken im Jahr 2000 auf einen Fehlbetrag von 4 Millionen Franken im Geschäftsjahr 2003 gesunken. Gemäss Flüeler hat PaketPost im Geschäftsjahr 2004 die schwarzen Zahlen erreicht. Der Marktanteil der Schweizerischen Post im Paket­bereich beträgt 2003 mit jährlich 110 Millionen verarbeiteten Paketen 75 Prozent, das Bundesamt für Metrologie und Akkreditierung ­bescheinigt PaketPost eine im Logistikbereich äusserst hohe Zustell­qualität. Über 97 Prozent der Sendungen von PostPac Priority und Economy treffen zum versprochenen Zeitpunkt – also am nächsten bzw. am übernächsten Werktag nach der Aufgabe – am Ziel ein.

Wer wie der Schreibende eines schönen Morgens um 9 Uhr in

Ostermundigen

zu einem Besichtigungstermin antritt, ist auf Anhieb erstaunt über die Ruhe, die rund ums Gebäude und in seinem Innern herrscht. Das Auffälligste in der 200 Meter langen Halle, dem Herzstück der ­Anlage, sind die elf gelben Bahnwagen – intern liebevoll Banane genannt –, welche die eine Längsseite des Raums einnehmen. Auf der Seite gegenüber finden sich verschiedene Zufahrtsrampen und Andockstellen, und auf der Fläche dazwischen beherrschen Bodenmarkierungen, aufgehängte Nummernschilder und Rollcontainer das Bild.

Charles Furrer, der Leiter des Zentrums, bringt Leben in die Si­tuation, indem er uns den Betrieb schildert, der hier morgens in der Früh herrscht, wenn der erste von drei Zügen pro Tag aus Daillens vor 5 Uhr eintrifft, nachdem die Art der Bestückung der einzelnen Wagen bereits im Voraus über Mail be­kannt gegeben worden ist. 54 Paket­boten fahren mit ihren Kleinbussen zur bestimmten Zeit an den vorgesehenen Platz in der Halle, behändigen die für sie vorgesehenen Roll­container und beladen ihre Fahrzeuge mit einer Systematik, die sich auf der Tour bei den Postkunden bewährt. Sie bedienen die Haushalte der gesamten Stadt Bern samt Re­gionsgemeinden von ­Jegenstorf bis Münsingen und von Hinterkappelen bis Worb. An den Andockstellen nehmen Lastwagen die Pakete für weiter entlegene Poststellen wie etwa Schwarzenburg, Büren a.d.A. oder Sumiswald entgegen – jedem sind zehn Minuten Zeit eingeräumt, dann hat er gemäss Fahrplan dem nächsten Platz zu machen.

Von Ostermundigen aus wird ein Umkreis mit zwischen 30 und 50 Kilometern Radius und 160 Post­stellen bedient. Täglich gehen von der Basis Ostermundigen mehr als 12000 Pakete über die Rampe. Insgesamt sind gut 170 Per­sonen beschäftigt, neben Chauffeuren und Hilfspersonal sind es Logistikpraktiker und -assistenten, die hier ein interessantes Tätigkeitsgebiet finden.

Selbstverständlich ist das Logistikcenter Ostermundigen kein Einwegbetrieb. Von den Poststellen treffen wiederum die Paket­sendungen laufend in der Basis ein und werden mit den zurückkehrenden Zügen nach Daillens weiter­geleitet. An einem speziellen Geschäftskundenschalter können Firmen mit ihren eigenen ­Lieferwagen Pakete zum Versand abgeben. Tun sie das vor 17 Uhr, können sie mit der Auslieferung der PostPac Pri­ority am folgenden Tag rechnen.

Im Erdgeschoss des dreistö­ckigen Logistikcenters der Post ist überdies PostMail zu Hause, 130 Personen sind hier verantwortlich für die Zustellung von Briefen, Zeitungen und unadressierten Sendungen. Vom Logistikcenter aus werden die nähere Umgebung Ostermundigens wie Bolligen, Ittigen, Worblaufen sowie die Stadtgebiete Ostring und Breitenrain mit Briefpost versorgt. Zuvor fand diese ­Arbeit – beliefert durch das Briefzentrum Schanzenpost im Stadtzentrum – dezentral in den erwähnten Quartier- oder Ortspoststellen statt. Die Arbeitsplätze der Briefträgerinnen und Briefträger mit den vielen Fächern zum Ordnen des Verteilgutes im neuen Logistik­center Ostermundigen strahlen ­etwas Vertrautes aus: Sie unterscheiden sich nicht von jenen, die wir früher in jeder Poststelle gesehen haben.