Neue Geschäftsführerin des Stämpfli Verlags

20.06.2015
02/2015

Für die Nachfolge von Manfred Hiefner (siehe Seite 26) konnte Dorothee Schneider als Geschäftsführerin des Stämpfli Verlags gewonnen werden. Sie ist Anfang Jahr ins Unternehmen eingetreten und hat am 1.April die operative Leitung übernommen. Im folgenden Interview gibt sie Auskunft über sich, ihre Sicht auf das Verlagswesen und ihre neue Stelle.

Dorothee, deine gesamte bisherige berufliche Tätigkeit spielte sich in Verlagen ab. Wie erklärst du deinen Werdegang?

Durch meine Begeisterung für Literatur und schöne Bücher. Die Büchergilde Gutenberg, bei der ich nach meinem Studium eine Lehre absolviert habe, war schon spezialisiert auf besondere Ausgaben, das gefiel mir. Zudem gefällt mir die Welt der im Verlagswesen tätigen Leute. Die Branche ist voller Idealisten, die sich für Inhalte begeistern und ihrer Arbeit nicht nur aus finanziellen Gründen nachgehen, sondern aus einem inneren Feuer heraus, aus Freude an der Sache.

Seit 1. April dieses Jahres bist du Geschäftsführerin des Stämpfli Verlags. Was hast du aus deinen vorgängigen Erfahrungen mitnehmen können, und welches ist deine Motivation, dich in dieser Stelle weiterhin im Verlagswesen einzubringen?

Es ist sicherlich ein Vorteil, so viele verschiedene Richtungen im Verlagswesen gesehen zu haben: belletristische Verlage, Sachbuch, Fachbuch, Zeitschriften. Ich habe gesehen, wie unterschiedlich Organisationen aufgestellt sein können, vom kleinen inhabergeführten Unternehmen bis hin zum Grosskonzern. Das Verlagswesen zieht sich wie ein roter Faden durch meinen Werdegang. Doch innerhalb dieses roten Fadens waren meine Tätigkeiten so variationsreich, dass ich es nie in Betracht gezogen habe, die Branche zu wechseln. Ich sehe Literatur als Kulturträger, als bestes und nachhaltigstes Medium, um Informationen und Ideen zu kommunizieren. In dieser Tradition sehe ich mich und finde es beglückend, da mitwirken zu können, um dieses Gut aufrechtzuerhalten.

Vor welchen Herausforderungen steht die Branche und insbesondere der Stämpfli Verlag?

Da steht an erster Stelle die Digitalisierung: Wie geht man damit um, wie kann man kluge Geschäftsmodelle entwickeln? Für mich bedingt das auch, dass sich im Hintergrund die Workflows ändern und wir uns personell gut aufstellen. Ausserdem sind der Ausbau und die Profilierung des Sachbuchprogramms ein grosses Thema.

Mit welcher Einstellung gehst du deine neuen Aufgaben an?

Ich versuche, immer wieder zu hinterfragen, was man tut und wieso man es tut, also eine kritische Distanz zu allem zu bewahren. Es ist mir wichtig, offen und veränderungsbereit und nicht stehen zu bleiben. Diese Einstellung spüre ich auch in meinem neuen Team hier, und das schätze ich sehr, auch hat es mir den Einstieg enorm erleichtert. Meine Mitarbeitenden sind offen und voller Erwartung, was die Veränderung bringt, und bereit mitzumachen. So kann ich die anstehenden Herausforderungen positiv gestimmt anpacken.

Wie gestaltest du deine Freizeit?

Ich bin vor 13 Jahren der Liebe wegen in die Schweiz gezogen, zuerst nach Zürich. Seit fünf Jahren wohne ich mit meiner Patchworkfamilie und unserer Katze Willi in Bern. Mit meinem Mann und den insgesamt vier Kindern verbringe ich denn auch den grössten Teil meiner Freizeit. Wir kochen gut und gerne und laden oft Gäste zu uns ein. Auch spiele ich Geige im Alumniorchester in Zürich. Das Pendeln sowie die Proben und Konzerte nehmen viel Zeit in Anspruch. Ich lese sehr gerne, komme aber leider meist nicht über die Tageszeitungen hinaus. Ich höre dann lieber mal Musik oder gehe raus an die frische Luft. 


Beruflicher Werdegang

– Studium der Germanistik und der Geschichte in Heidelberg, Cambridge (Assistant Teacher) und Manchester (Vorbereitung Magisterarbeit)

– Buchhandelslehre bei der Büchergilde Gutenberg Stuttgart

– Klett-Cotta-Verlag Stuttgart (Vertriebsassistentin)

– Unionsverlag (Vertriebsleiterin)

– Buchverlag NZZ Libro (Verantwortliche für Vertrieb, – Marketing und Presse)

– Hans-Huber-Verlag (Verlagsleiterin)

– Stämpfli Verlag AG (Geschäftsführerin)