Nationalpark Bieszczady

20.06.2012
02/2012

Auf der Suche nach Erholung in Polen, weit weg von der Zivilisation, inmitten der Natur, entscheide ich mich immer für das Bieszczady-Gebirge. Schon in der Oberschule war es für mich klar, dass mir das Gebirge immer wichtig sein wird. Es befindet sich am südöstlichen Rand Polens. Die Region ist wenig bewirtschaftet und mit alten Laubbäumen bewaldet. Bieszczady ist kein Hochgebirge, dank weiten Almen, besonders schönen Tälern und Flussbetten aber sehr malerisch.

Eine Wanderung durch Berge und Geschichte

Der höchste Berg in Bieszczady ist der Tarnica (1346 m ü. M.), der durch seine charakteristische Form (scharfer, ausgedehnter Rücken mit zwei Spitzen) auffällt. Der Rundblick vom Gipfel aus ist sehr attraktiv und reicht bis zum Gorgan-Gebirge in der Ukraine. Von hier aus erkennt man die Spuren der Zivilisation. In den Tälern erstrecken sich riesige, mit Laubbäumen bewaldete Gebiete, die Gipfel sind zum Teil mit Almen bedeckt, der Blick schweift aber auch über Felsfluren.

Auf dem Tarnica-Gipfel befindet sich das schwarze Eisenkreuz mit der Tafel zum Andenken an die Bergwanderung von Karol Wojtyla, dem späteren Papst Johannes Paul II, im Jahre 1954. Das Gebirgsmassiv bildet zusammen mit Wielka Rawka und Połonina den Bieszczady-Nationalpark.

Zu den höchsten Gipfeln gehört neben dem Tarnica und dem Krzemieniec (1221 m ü. M.) auch der Halicz (1333 m ü. M.). Von dessen Gipfel aus bietet sich eine wunderschöne Aussicht auf das ganze Bieszczady-Gebirge. Man erblickt den Tarnica und den Krzemieniec sowie die idyllische Flussland­schaft des San. Bei klarer Sicht kann man sogar die Lichter von Lemberg sehen. Im Mittelalter war Halicz das Dreiländereck zwischen Polen, Ungarn und Russland.

Als Startpunkt für eine Wanderung eignet sich Komańcza, eine kleine Ortschaft am südwestlichen Rande von Bieszczady. Hier nehmen die meisten Wanderungen ihren Anfang, und hier beginnt auch der rote Wanderweg, der wichtigs-te Touristenpfad, über die Ortschaft Cisna bis Tarnica und Halicz. Cisna wurde im 16. Jh. gegründet, der ursprüngliche Name Krzemienna wurde geändert. Krzemienna ist wahrscheinlich mit dem Namen des Tatarenstamms Kumancza verwandt.

In Komańcza befindet sich das Nazarener-Nonnenkloster, in dem in den Jahren 1955 und 1956 Kardinal Stefan Wyszyński interniert war. Wyszyński – Primas des Jahrtausends – war ein hervorragender Priester, ein Pole, dessen Leben, Tätigkeit und Werk einen grossen Einfluss auf die Geschichte, die Politik und die Meinungsbildung in Polen im 20. Jh. genommen haben.

Einwanderer aus der Schweiz

Was verbindet nun das polnische Bieszczady-Gebirge mit der Schweiz? Es ist eine Familie von Wisenten … Uroa (Dählhölzli), Tjilli (Goldau) und Urkan (Dählhölzli) sind im Februar dieses Jahres im Forstamt Stuposiany eingetroffen. Laut dem Bericht der Mitarbeitenden des Nationalparks waren die Wisente ein wenig verblüfft über die Schneemenge in Bieszczady. Bisher hatten sie nur in Tierparks gelebt. Die zwei Kühe im Alter von drei Jahren und der zweijährige Stier nehmen Teil an einem Gattungsschutzprojekt. Gezüchtet unter gleichen Bedingungen wie ihre Verwandten, werden sie sich der Herde von in Freiheit lebenden Wisenten anschliessen. Das Projekt hat zum Ziel, den genetischen Pool der in Bieszczady lebenden Wisente zu erweitern. Die Tiere sollten dadurch widerstandsfähiger gegen Krankheiten werden. Dieses Unternehmen ist von polnischen Forstwirten und Wissenschaftlern organisiert, reicht über die Grenzen unseres Landes hinaus und verfolgt das Ziel, dass die Wisente auf dem ganzen Gebiet der Karpaten heimisch werden. Seit Jahren werden neue Wisente nach Bieszczady geholt. Das neue Gehege dient nicht nur der Akklimatisierung, es ist auch eine Touristenattraktion. Zu den drei Wisenten aus der Schweiz werden bald andere aus Deutschland und Frankreich stossen.

Übersetzung aus dem Polnischen: Joanna Brzyska