Ilsebill salzte nach

20.06.2015
02/2015
  • Blickpunkt

Mit diesem Satz beginnt «Der Butt», ein zentrales Werk im Schaffen von Günter Grass. Seit meinen Schuljahren lese ich diesen Autor, nahezu alles, was er geschrieben hat. Im Laufe der Zeit ist in mir ein Bild von ihm gewachsen: ein unbequemer Geist, ein widersprüchlicher Zeitgenosse, ein brillanter Schreiber. Sein virtuoser Umgang mit Sprache fasziniert mich, es ist immer unverkennbar Grass.

Zwei Gedichte zu aktuellen weltpolitischen Fragen – zu Israel und zu Griechenland – im Jahre 2012 hatten mich motiviert, den Menschen hin-ter der Literatur kennenlernen zu wollen. Ich konnte Günter Grass im Juni 2013 in seinem Haus in Behlendorf (D) besuchen und mein Bild vervollständigen. Ein eindrücklicher Nachmittag! Geprägt von den widerwärtigen Erlebnissen im Nationalsozialismus ist sein «Nie wieder Schweigen!» greifbar. Er mahnt: Wir vergessen, dass der Horror dieser Zeit auch heute ständig droht, an etlichen Orten heute Realität ist. «Ich mache mich nie wieder als Schweigender zum Mittäter.» Das fasst die erwähnten Gedichte ungefähr zusammen. Grass war sich sehr bewusst, dass sein Schreiben Gewicht hat, dass es gelesen wird, dass es provoziert, aufrüttelt.

Günter Wilhelm Grass, am 16. Oktober 1927 in der damaligen Freien Stadt Danzig geboren, erhielt 1999 den Literaturnobelpreis. Er starb am 13. April 2015 in Lübeck.