Eine Trouvaille im Archiv

Im Archiv unserer Firma finden sich neben Unmengen beschriftetem Papier wie Verträgen, Rechnungen, Inventaren, Korrespondenzen usf. acht kolorierte Tuschezeichnungen des bekannten Berner Künstlers Friedrich Traffelet. Sie stammen aus dem Jahr 1923 und geben Einblicke in die damaligen Produktionsstätten der Druckerei: Handsetzer mit langen schwarzen Schürzen an ihren Setzkästen, Maschinensetzer an Tastapparaten und an einer Giessmaschine des damals brandneuen Monotype­systems, Drucker an Tiegeln und an Schnellpressen. Nicht versäumt hat der Künstler die Darstellung einer jungen Frau inmitten der Männerwelt, einer Einlegerin. Sie legte die Druckbogen in die Maschine und entnahm sie ihr nach dem Druckvorgang, eine Tätigkeit, die erst später von Apparaten übernommen wurde.

Friedrich Traffelet

kam 1897 in Bern zur Welt. Sein Vater betrieb an der Junkerngas­se 22 ein Maler- und Gipsergeschäft, an das der originelle Werbeslogan an der Fassade noch heute erinnert: «Hier herrschen Schönheit und Geschmack/Hier riecht es angenehm nach Lack/Hier wird gemalt in Oel und Kleister/Friedrich Traffelet Malermeister».

Nach einer Lehre in der väterlichen Werkstatt konnte sich der junge Mann nicht dazu entschliessen, in die Fussstapfen des Vaters zu treten und den Betrieb weiterzuführen. Er besuchte die Kunstgewerbeschule in Zürich und nahm anschliessend Mal- und Zeichenunterricht an Pariser Akademien. 1922 kehrte er endgültig nach Bern zurück, heiratete und eröffnete an der Amthausgasse ein Atelier. Er schuf in dieser Zeit Porträts, Landschaftsbilder, Stillleben, Akte und Genrebilder sowie auch die eingangs beschriebenen Bilder.

Peintre militaire

1933 begleitete der Künstler ein Infanterie-Bataillon in den Wiederholungskurs und begründete damit seinen Ruf als Peintre militaire. Diese Linie verfolgte er im Zweiten Weltkrieg weiter. 1944 erhielt er den Auftrag, General Guisan zu porträtieren. Daneben allerdings entstand ein reiches Werk, das aus Wandmalereien wie dem Fresko am Erkerhaus beim Zeitglockenturm, Buchillustratio­nen, Kalenderbildern und vielem mehr besteht. In unserem Verlag sind zwei Kataloge zu Ausstellungen im Schloss Jegenstorf erschienen: «Soldatenbilder» 1989 sowie «Landschaften, Stilleben, Portraits» 1997. Traffelet starb 1954.

Auftragsbilder

Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich bei den Tuschezeichnungen aus unserem Archiv um Auftragsbilder. Naheliegend ist die Annahme, sie seien zur Illustration einer Festschrift zum 125-jährigen Bestehen der Firma im Jahre 1924 vorgesehen gewesen. Nachdem eigenartigerweise das 100-Jahr-Jubiläum 1899 keinerlei heute noch sichtbaren Niederschlag gefunden hatte, wollte man offensichtlich Versäumtes nachholen. Zwar ist 1924 tatsächlich eine Festschrift von Hans Bloesch (1878–1945), Oberbibliothekar der Stadt- und Hochschulbibliothek, erschienen, die uns über die ersten 125 Jahre der Firma ausführlich ins Bild setzt. Als Illustrationen zog man jedoch neben etlichen Druckbeispielen Fotos aus den Produktionsstätten den Bildern Traffelets vor.