Ein Bretzeli erobert die Welt

20.12.2007
04/2007
  • Interview

Kambly ist heute der grösste Gebäckhersteller und führende Exporteur der Schweiz. Produziert wird in Trubschachen und in Lyss. Die Marke Kambly ist bereits in über 30 Ländern vertreten. In der Schweiz ist sie die bekannteste und beliebteste Biscuitmarke. Wir haben mit Ursula Kambly – der Frau des heutigen Präsidenten Oscar A. Kambly – gesprochen.

Was waren Ihre beruflichen Mädchenträume? Wie wäre es damals für Sie gewesen, wenn man Ihnen gesagt hätte, dass Sie einmal bei Kambly in Trubschachen arbeiten werden?

Mit dem Eintritt in den Kindergarten war mein Berufswunsch klar: Ich wollte Lehrerin werden. Am Ende der Schulzeit habe ich mich dann aber für das Gymnasium entschieden und bin Naturwissenschafterin geworden. Am Gymnasium habe ich mit 16 Jahren meinen Mann kennen gelernt und bin also quasi schon mit der Firma aufgewachsen.

Wie verlief Ihr beruflicher Werdegang?

Ich habe an der Universität Bern Chemie studiert und in physikalischer Chemie doktoriert. Es folgten fünf Jahre Arbeit als Forschungsassistentin am Institut für angewandte Physik der Universität Bern. Es reifte aber der Entschluss, meine kulinarischen Kenntnisse und kreativen Fähigkeiten, die ich bisher in der Freizeit auslebte, zum Beruf zu machen. Was lag also näher, denn als Partnerin meinen Mann in der Führung des Unternehmens zu ergänzen und zu unterstützen?

Was mögen Sie an Ihrer täglichen Arbeit am meisten?

Der Erfolg unserer Firma hängt davon ab, dass wir unsere Konsumentinnen und Konsumenten immer wieder von neuem begeistern, dass wir also immer wieder neue Überraschungen bereithalten, neue Sorten, neue Verpackungen. Die Arbeit an solchen neuen Kreationen macht mir am meisten Freude.

Im Unterland hört man oft, die Emmentaler seien «Chnörz» – wie sehen Sie das?

Die Emmentaler mögen vielleicht eher zurückhaltend oder bedächtig sein, dafür sind sie dann auch ausdauernd, stehen zu ihren Werten, sind zuverlässig und vertrauenswürdig.

Backen Sie noch in Ihrer Freizeit, oder pflegen Sie ganz andere Hobbys?

An Weihnachten backen wir natürlich auch unsere eigenen Weihnachtsgüetzi. In der Freizeit suche ich den Ausgleich bei Lesen und Sport und all den kreativen Tätigkeiten in Haus und Garten.

Wie viele Güetzisorten stellt Kambly her?

In Trubschachen und Lyss zusammen sind es etwa 150 Sorten.

Wie werden neue Güetzisorten ge-testet? Wer bringt die Ideen?

Die Ideen «hängen in der Luft», man muss sie nur erspüren. Dazu muss man die nötige «Antenne» und Suchspannung und eine klare Zielausrichtung haben sowie die Zeit, um die «Einfälle» zu konkretisieren. Das kann alleine geschehen oder in Teams. Nach diesen Ideen werden erste Muster gebacken, die wir intern degustieren und beurteilen. Die Besten werden dann einigen Gruppen von Konsumentinnen vorgestellt. Die Resultate von solchen Gruppendiskussionen geben Anhaltspunkte für den kommenden Markterfolg. Die Stunde der Wahrheit kommt jedoch dann, wenn die Produkte in den Läden sind, wenn sie gekauft, probiert und wiedergekauft werden.

Wie lange dauert es, bis eine neue Güetzisorte auf den Markt kommt – d.h. von der Idee bis zum Regal?

In der Regel dauert dies ein Jahr. Wir waren aber auch schon bedeutend schneller.

Sie haben im November ein Buch über Bretzeli herausgegeben, warum nicht zu einer anderen Sorte?

Das Bretzeli ist der Beginn und das Herz der Kambly-Geschichte. Das Bretzeli ist aber auch ein Gebäck mit einer ehrwürdigen, jahrhundertelang gepflegten Tradition – und gerade in unserer Region sehr beliebt und verbreitet.

Wie ist es, wenn plötzlich ein Buch im Buchhandel erhältlich ist, das man selbst geschrieben hat?

Es ist gleich, wie wenn nach langer Projektarbeit ein neues Biscuit im Ladengestell steht: Man freut sich, es mit andern zu teilen.

Wenn Sie auf Weihnachten Besuch von einer Fee bekämen und Sie sich etwas wünschen könnten – was wäre das?

Schön wäre es natürlich, sich in den Dienst dieser Fee zu stellen und auch Wünsche erfüllen zu können.