Die technische Arbeitsvorbereitung

20.06.2005
02/2005
  • Porträt

«Die Avor ist seit jeher das Herz eines Druckerei- oder Medienunternehmens. Im hektischen Tagesgeschäft steht es nicht selten kurz vor dem Infarkt.»1 Diesen zu verhindern, helfen bei Stämpfli Isabell Steffen und Fred Streit. Viele Druckunternehmen kennen keine weitere Unterteilung der Avor. Dort gibt es die Sachbearbeiter, die einerseits den Kontakt mit dem Kunden pflegen, sich dessen Vorstellungen bezüglich seiner neuen Imagebroschüre, seines nächsten Produktkatalogs oder der Einladung zum alljährlichen Kunden­anlass anhören.

Anderseits überprüfen sie kosten- und qualitäts­optimale Produktionsprozesse, planen rationelle Produktionsverfahren und stellen Betriebsmittel und Betriebsabläufe sicher. Diesen zweiten Teil hat man bei Stämpfli abgekoppelt und unter dem Begriff technische Avor zusammengefasst. Seit zehn Jahren ist Fred Streit, gelernter Drucker, für diese Abteilung verantwortlich, seit anderthalb Jahren unterstützt ihn Isabell Steffen. Reichen diese 200 Stellenprozente? Schliesslich laufen alle Aufträge, die bei Stämpfli gedruckt werden, und das sind immerhin zirka zwölf pro Tag, über ihren Schreibtisch. «Das geht gut, solange niemand von uns in den Ferien ist oder eine Stellvertretung übernehmen muss», finden sie. Und eines von beiden ist eigentlich fast immer der Fall.

Das Technische ...

Mit vielen Aufträgen werden sie erst konfrontiert, wenn das Gut zum Druck vorliegt. Dann entscheiden sie, wie der Auftrag weiterverarbeitet wird. Wie wird er gefalzt, benötigt es einen Überfalz oder eine Bundverengung? Vielleicht muss parallel gefalzt werden, oder es besteht die Möglichkeit, den Auftrag im Doppelnutzen zu verarbeiten. In einem speziellen Computerprogramm (KIM) erstellen sie ein Ausschiessschema (eine Druckbogenzusammenstellung), in dem alle wichtigen Angaben für die Weiterverarbeitung festgehalten sind. Dieses leiten sie anschliessend in die Produktion weiter. Gibt es auch Kundenwünsche, die nicht erfüllt werden können? «Eigentlich nicht. Wenn wir etwas nicht machen, liegt das kaum da­ran, dass es technisch nicht möglich ist, sondern weil es unverhältnismässig teuer würde.»

... und das Kreative

Für den Aussenstehenden tönt das alles doch sehr zahlenlastig. Gibt es auch eine kreative Seite an ihrem Beruf? Isabell Steffen und Fred Streit lachen, und man sieht ihnen an, dass sie ihre Arbeit gern machen. «Kreativ ist vielleicht nicht das richtige Wort», meint Isabell Steffen. «Aber spannend kann es schon sein.» Da gaben zum Beispiel neulich verschiedene Privatbanken zusammen einen Prospekt mit demselben Inhalt heraus, wobei jede einzelne Bank ihr Logo in den Umschlag eingedruckt haben wollte. Nicht jede Bank liess nun eine gleich hohe Auflage herstellen. Wenn die beiden Avor-Leute erzählen, wie sie dann ausrechnen, wie häufig man welche Bank auf einem Bogen verteilt, damit ein optimaler Materialverbrauch erzielt werden kann, sieht man, wie es in ihren Fingern juckt. 

1 www.mediaforum.ch/home/suchen.php:  «Die Geburtsstätte der Auftragsmanager»