Der Webpublisher

18.03.2005
01/2005
  • Porträt

Nein, sie sei keine Webdesignerin, sagt Karin Zwygart-Villinger gleich zu Beginn unseres Gesprächs. Im Allgemeinen werde dieser Beruf «Webpublisher» genannt, denn neben dem Designen nehme das Programmieren, die technische Umsetzung der Homepage, einen Grossteil der Arbeit ein. Das Designen sei für sie ­jedoch «die Kür» an ihrem Beruf. Deshalb hat sie sich vor sechs Jahren auch für diese Weiterbildung entschieden. Webpublisher ist kein Erstberuf, man braucht dazu eine abgeschlossene Lehre und einige Jahre Berufserfahrung. Ebenso sind künstlerisches Flair und technische Gewandtheit erforderlich.

Der Berufsalltag des -Webpublishers

Zum Alltag des Webpublishers gehören der Kundenkontakt und das Herausspüren des Stils, in dem sich die Website präsentieren soll. Der Auftraggeber bringt meist schon Ideen und Vorstellungen mit. Diese können bereits konkret sein, vor ­allem wenn die Firma ihr Erscheinungsbild unter ein klares Corporate Design gestellt hat. Nach dem ersten Kundenkontakt fertigt der Webpublisher eine Handskizze: Wie verläuft die Navigation? Wo befinden sich Textblock und Bilder? Welcher Inhalt kommt auf die Website? Nach einem zweiten Treffen beginnt die Umsetzung im Photoshop, wie das auch die Polygrafen bei der Gestaltung eines Buchs oder einer Broschüre tun. Karin Zwygarts Erstberuf, Typografin (Vorläufer des heutigen Polygrafen), hilft ihr, ihre Ideen im Netz zu veranschaulichen.

Nach der Designarbeit präsentiert der Webpublisher dem Kunden in der Regel zwei Vorschläge. Einige Auftraggeber können sich sofort für einen Entwurf begeistern, bei anderen dauert die Entscheidungsfindung länger, und der Webpublisher muss gänzlich neue Vorschläge unterbreiten. Wenn der Kunde zufrieden ist, beginnt das Programmieren. Dabei «verschneidet» der Webpublisher die Gestaltung aus dem Photoshop und setzt sie in eine Internet-Programmiersprache um. Heute werden Web­sites hauptsächlich in Ergänzung zu HTML mit CSS, den «Style Sheets», programmiert, das alle gängigen Browser lesen können und das sogar für Sehbehinderte in Hörprogrammen verwendbar ist.

Während das Designen einer einfachen Homepage zirka drei bis vier Tage dauert, nimmt das Programmieren noch einmal eine ­Woche in Anspruch. Eine eintägige Schulung für den Kunden kommt hinzu, denn heute pflegen die Firmen ihre Homepage selber und können Bilder und Texte abändern, wozu das Content-Management-System «iRacer» eingesetzt wird. Es folgt die Abnahme der Home­page. Zusammen mit dem Auftraggeber macht der Webpublisher ­einen Testlauf, prüft, ob alle Links funktionieren, bevor die Site ins Netz gestellt wird. Vor allem in der ersten Phase nach der Abnahme kommen dann noch Fragen von den Kunden. «Gehostet» oder tech­nisch verwaltet wird die Home­page bei Stämpfli. Bei der Stämpfli all media arbeiten zwei Webpub­li­sher – Karin Zwygart und Evelyne Portner – und vier Webentwickler, die unter anderem Datenbank-­Applikationen programmieren. «Wir halten uns gegenseitig an der wöchentlichen Teamsitzung über technische Neuerungen auf dem Laufenden. Zudem informieren wir uns via Fachzeitschriften, die wir in der Abteilung abonniert ­haben», sagt Karin Zwygart.

Stämpfli hat eine neue -Homepage!

Karin hat auch den Neuauftritt der Stämpfli-Homepage kreiert, die seit Ende des letzten Jahres aufgeschaltet ist. Die bisher separaten Internetauftritte der Stämpfli AG, der Stämpfli all media sowie des Stämpfli Verlags inklusive Buchstämpfli wurden unter ein Dach ­gebracht (die Einbettung von Buchstämpfli und des Verlags ist noch nicht ganz abgeschlossen), Design und Inhalt komplett über­arbeitet. Das Projekt startete im letzten Frühling. Die Vision der Geschäftsleitung: Viele Bilder und Farben sollen die Website ansprechend machen, die Haupt­naviga­tion erfolgt vertikal und verschafft einen optimalen Überblick. Karin Zwygart präsentierte drei Vorschläge, zwei wurden verfolgt und laufend weiterentwickelt. ­Besonders die Farbgebung war ein längerer Prozess, der sich jedoch ge­lohnt hat. Alle  Beteiligten waren schliesslich begeistert – und Karin kann Anfang März bis zirka Ende Juli ihren Mutterschafts­urlaub ­antreten. Wir wünschen ihr alles Gute!