Der Betriebsmechaniker bei Stämpfli

20.12.2007
04/2007
  • Porträt

Fabio Belli ist ein gefragter Mann. Als Maschinenmechaniker ist er für alle Maschinen in der Fabrikhalle zuständig. Gibt es ein Problem, ist er zur Stelle.

Der Betriebsmechaniker bei Stämpfli hat viel zu tun. Neben dem Unterhalt der Druck- und Buchbindereimaschinen hilft er dem Abwart bei Büroumzügen oder im Technikraum, wenn die Kühlung nicht funktioniert. Fabio Belli wartet die Palettenstapler und Handhubwagen und ist für die Arbeitssicherheit zuständig. «Es ist ein abwechslungsreicher Job. Ich kann an einer Hand abzählen, wie viele Maschinen ich pro Jahr zweimal flicke.»

Abwechslungsreich und spannend

Wenn Fabio Belli am Morgen in die Firma kommt, weiss er nie, was ihm der Tag bringt. Meistens wird er gerufen, wenn eine Maschine streikt. Dann muss er alles liegen und stehen lassen und den Fehler so schnell wie möglich beheben, sodass die laufende Produktion beendet werden kann. Meistens kann er den Fehler lokalisieren und selbst reparieren. Da die Firma kein eigenes Ersatzteillager besitzt, bestellt Fabio Belli die notwendigen Teile bei den Lieferanten. Wenn auch er mit seinem Latein am Ende ist, zieht er einen Spezialisten bei. Manchmal reicht ein Telefongespräch. «Ich schildere das Problem, und der Spezialist gibt mir Tipps.» Selten reist ein Spezialist aus der Ost- oder Zentralschweiz oder gar aus Deutschland an. «Der Spezialist muss verfügbar sein und hat eine lange Anreise. In dieser Zeit stehen die Maschinen still, und wir verlieren Zeit und Geld.»

Erfinderisch und flexibel

Den grössten Teil seiner Zeit verbringt der Mechaniker an den Maschinen. «Da ich immer auf Abruf bin, schreibe ich eine Liste. Hier steht alles, was ich auf die lange Bank geschoben habe und noch machen sollte.» In Randzeiten revidiert er zum Beispiel Druckluftkompressoren oder ersetzt defekte Lager der Antriebswellen. «Leider bleibt für die präventive Wartung wenig Zeit, da wir hier einen sehr grossen Maschinenpark haben.»

Ruhig und gelassen

Wenn die Maschinenführer ihre Maschinen am Morgen oder nach den Pausen wieder starten, ist die Gefahr für einen Defekt am gröss-ten. «Stressig ist die Situation, wenn mehrere Maschinen gleichzeitig aussteigen. Jeder Maschinenführer will, dass ich zuerst seine Maschine flicke.» Fabio Belli hat gelernt, in diesen hektischen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren, und sieht es als Herausforderung, unter Zeitdruck den Fehler zu finden und die Maschine zum Laufen zu bringen. «Es ist schön und sehr befriedigend, wenn man direkt das Resultat seiner Arbeit sieht: Die Maschine läuft wieder, und der Auftrag wird fertig produziert.»

Neugierig und erfahren

Fabio Belli hat in den vergangenen 13 Jahren sein Auge und sein Gehör geschult. Er kennt die Geräusche der verschiedenen Maschinen, weiss, wie es tönt, wenn eine Welle wegen eines kaputten Lagers warm wird. Diese Erfahrungen hat er sich in der täglichen Arbeit angeeignet. Überdies hat er Weiterbildungen bei der Firma Müller-Martini besucht, die Stämpfli den Klebebinder lieferte. Eine Woche hat er sogar in Deutschland verbracht, um einen Einblick in die Bogendruckmaschine der Firma Heidelberg zu bekommen.

Bald erhält Stämpfli eine zweite Dicoweb. Fabio Belli wird den Spezialisten bei der Montage und Inbetriebnahme über die Schulter schauen, sodass er ganz genau weiss, wie die Maschine funktioniert.

Die Ironie des Ganzen: Sobald Fabio Belli eine Maschine fast in- und auswendig kennt, wird sie ersetzt, weil sie zu alt ist. «Das ist das Spannende an meinem Job: Es sind täglich neue Herausforderungen, und ich habe nie ausgelernt.» Dann schellt sein Telefon, und Fabio Belli eilt, um die nächste Panne zu beheben.