Der Autor: Prof. Dr. Markus Schefer

18.03.2005
01/2005
  • Interview

Warum haben Sie sich jemals für das Jurastudium entschieden?

Für mich kamen zwei Studienrichtungen in Frage: entweder Physik oder Jurisprudenz. Letztlich war für die Jurisprudenz ausschlag­ge­bend, dass sie sich mit Fragen der zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Beziehungen befasst.

Wo ist für Sie heute die Herausforderung, Recht zu praktizieren, Recht zu lehren oder über Recht zu schreiben?

Eine Mehrzahl der heutigen Studierenden scheint mir grosse Angst davor zu haben, später im Arbeitsmarkt nicht unterzukommen. Sie gehen ihr Studium deshalb vorwiegend nutzen- und zielorientiert an. Das schlägt sich in ­einer gewissen Vernachlässigung des Umgangs mit grundlegenden Fragen von Staat, Recht und Gesellschaft nieder.  Anspruchsvolle Aufgabe der Lehre ist deshalb, das Interesse, die Neugier und den Mut zum Umgang mit dem Grundsätzlichen und wenig unmittelbar Nütz­lichen zu wecken und zu pflegen.

Gibt es ein berufliches Projekt, welches Sie noch nicht in Angriff genommen haben, aber an dem Ihnen viel liegt?

Die Philosophie der Pragmatiker William James, Charles Sanders Peirce und John Dewey für den ­Umgang mit Recht fruchtbar zu machen.

Gibt es neben Recht ein weiteres Gebiet, über das Sie gerne schreiben würden?

Über den Versuch, zu fotografieren.

Welches Buch oder welche Bücher liegen neben der Fachliteratur auch noch auf Ihrem Nachttisch?

Chain of Command: The Road from 9/11 to Abu Ghraib von Seymour Hersh, eine minutiös recherchierte Rekonstruktion der poli­tischen Vorgänge, die zur heutigen Situation im Irak geführt und die Folter auch in westlichen Staaten wieder an die Oberfläche gebracht haben. Maximum City: Bombay Lost and Found von Suketu Mehta, ein tiefer Blick in den Untergrund einer Weltstadt; Histoire de la Révolution française von Jules ­Michelet, eine mit Details angereicherte Nacherzählung der Geburt unserer Gesellschaftsordnung; J.R. Ackerley, Hindoo Holiday, ­intime und unterhaltende Lebensgeschichte des persönlichen Sekretärs eines Maharadschas im kolonialen Indien; Zeruya Shalev, Liebes­leben, über die Grundlosigkeit der Liebe.

Wie würden Sie ein Jahr Urlaub verbringen?

Ein halbes Jahr mit meiner Familie nach Indien in die Ferien, ein halbes Jahr als Hausmann zu Hause. Oder: Endlich einmal genug Zeit zum Arbeiten haben.

Falls Sie einen Wunsch frei hätten, welches wäre Ihr grösstes Anliegen?

Befreiung von universitärer ­Administrativarbeit.