Berufsbild Polygraf neu strukturiert

20.09.2006
03/2006

Die Berufsbildung in der grafischen Industrie/visuellen Kommunikation ist seit mehr als 30 Jahren – seit dem  Einzug neuer Technologien und Verfahrenstechniken – einem  permanenten Veränderungsprozess unterworfen. In diesem Zusammenhang sind immer wieder einzelne Berufe, so zum Beispiel in den 80er-Jahren der Schriftsetzer, totgesagt worden. Tatsache ist, dass sich gerade dieses Berufsbild – dank den grossen Anstrengungen der verantwortlichen Fachleute – stets weitergewandelt hat und zusammen mit dem Ende der 90er-Jahre entwickelten Informatiker heute  zu den begehrtesten gehört. Dies geht jedoch nicht, ohne dass ständig hinterfragt wird, wie sich der Beruf und viel wichtiger noch dessen Umfeld weiter verändert.

Seit dem 7. Juli ist die offizielle Vernehmlassung des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (BBT) zur Bildungsverordnung Polygraf/in mit den drei vorgesehenen Fachrichtungen Mediensupport, Mediengestaltung und Medienproduktion abgeschlossen. Sie soll das seit 2002 gültige bisherige Ausbildungsreglement ersetzen. Die Schlussbesprechung und Bereinigungssitzung ist für Anfang November vorgesehen.

Noch nie in der Vergangenheit wurde im Vorfeld und im Rahmen der Erarbeitung der Bildungsgrundlagen derart umfassend über die vorgesehenen Neuerungen und deren Beweggründe informiert und kommuniziert, und noch nie hat, dies sei auch nicht verschwiegen, eine Bildungsreform in unserer Branche so viel Staub aufgewirbelt. Dies ist verständlich, wenn man bedenkt, dass mit der Schaffung von Fachrichtungen und damit verbunden einer vertieften Ausbildung im zweiten Teil der Grundbildung ein neuer Weg beschritten werden soll. In den letzten Jahren entwickelten sich die Berufsbilder im weiten Feld der visuellen Kommunikation, und es sind gleich zuhauf neue Berufe geschaffen worden, die fast alle – aus unterschiedlichen Richtungen – Elemente  aus der Polygrafenausbildung beinhalten. Soll das Berufsbild Polygrafie auch in Zukunft in unseren Unternehmen Bestand haben, ist dies nur dann möglich, wenn fachrichtungsspezifische Bildungsangebote geschaffen werden. Nur so ist gewährleistet, dass die  Erwartungen, die an zukünftige Berufsleute gestellt werden, erfüllbar sind. Das Berufsbild Informatiker/in zum Beispiel kennt seit Inkraftsetzung im Jahre 2004 die vier Fachrichtungen Applikationsentwicklung, Systementwicklung, Support und generalistische Ausrichtung. Damit wird sichergestellt, dass man diesem hoch komplexen Berufsbild mit seinem breit gestreuten Anforderungsprofil gerecht wird. In der modernen Polygrafie ist dies nicht anders.

Es ist erfreulich, dass sich die Bildungsverantwortlichen der Stämpfli Publikationen AG von Beginn weg für das neue Berufsbild interessiert haben und auch planen, im kommenden Jahr Lernende in allen vorgesehenen Fachrichtungen auszubilden.