Bern aus der Perspektive von Paul Klee

20.03.2015
01/2015
  • Neuerscheinung
  • Stämpfli AG

Der Stadtführer «Mit Klee durch Bern» geht den Spuren des Künstlers Paul Klee in seiner Heimatstadt nach. Anhand von 34 Stationen werden die Wohnorte Klees geschildert, Freundschaften mit ehemaligen Schulkollegen aufgezeigt, Berner Sammler vorgestellt oder Klees Wirkungsstätte beschrieben.

Dass im Kunstmuseum Bern, wo die ehemalige Paul-Klee-Stiftung über fünfzig Jahre beheimatet war, das berühmte Klee-Werk Ad Parnassum zu sehen ist oder sich unweit von der Endstation der Buslinie 12 im Zentrum Paul Klee die grösste Sammlung von Werken des Künstlers Paul Klee befindet, mag bekannt sein. Wer jedoch denkt daran, wenn er ein Berner Gericht im Restaurant Della Casa an der Schauplatzgasse geniesst, dass hier vor mehr als hundert Jahren der Knabe Paul bei seinem Onkel, dem dicksten Mann der Schweiz, an den Marmortischen gesessen und gezeichnet hat. Damals hiess das Della Casa noch Café Frick, und Klee wohnte mit seinen Eltern in der Länggasse, einem neu erschlossenen Quartier. 

Der Schüler

1889 zog dann die Familie an die Marienstrasse 8, in ein gerade neu gebautes Haus, in dessen Erdgeschoss und erstem Stock sich die Druckerei Michel und Büchler befand. Von der Marienstrasse ging Paul Klee jeweils über die Kirchenfeldbrücke und durch die Innenstadt zum Städtischen Gymnasium am Waisenhausplatz, dem heutigen Progr. Nicht immer fesselte ihn der Unterricht, dann kritzelte er kleine Karikaturen an den Rand seiner Schulbücher, und zur Matur verfasste er mit seinen Schulfreunden Hans Bloesch und René Thiessing eine bissige Zeitung, in der sie sich über den Deutschlehrer Otto von Greyerz lustig machten. Ein Jahr vor Klees Abschluss des Gymnasiums erwarb sein Vater ein Haus am Obstbergweg. Auch dieses Quartier war damals gerade am Entstehen und ein bevorzugter Wohnort mit schönem Blick auf die Altstadt. 

Der angehende Künstler

Obwohl Paul Klee in einem musikalischen Umfeld aufwuchs – sein Vater war Musik- und Gesangslehrer, seine Mutter eine ausgebildete Sängerin und der junge Klee ein begabter Violinist –, entschied er sich für die Malerei und zog zur künstlerischen Ausbildung nach München. «Bücherwurm und Schulmeister kann ich in Bern ganz gut werden, Künstler aber in Gottesnamen nicht», schrieb er 1899 seinem Vater. Die konservative Kunstakademie gefiel ihm jedoch nicht, und er kehrte nach drei Jahren zurück ins Elternhaus. Hier versuchte er, im Selbststudium seinen eigenen Weg zu finden. Im Anatomischen Institut an der Baltzerstrasse in der Länggasse besuchte er morgens Anatomiestunden, um den menschlichen Körper besser kennenzulernen, abends ging er dann ins Kornhaus zum Aktzeichnen und mockierte sich über seine Künstlerkollegen, die unter dem Einfluss von Ferdinand Hodler standen. «Sie hodlern alle mehr oder weniger.»

1906 heiratete Klee die Münchner Pianistin Lily Stumpf und zog mit ihr in die Künstlermetropole Bayerns. Doch gerne kehrte er jeweils nach Bern zurück, um die Sommerferien mit seiner Frau und dem Sohn Felix im Obstberg zu verbringen. In dieser Zeit (1909/10) entstanden die verschiedenen Zeichnungen von der Matte, in denen er mit der Verfremdung des Motivs experimentierte.

Zurück in Bern

Als Klee in Deutschland am Bauhaus und in Düsseldorf tätig war, kam er nur noch selten nach Bern. Doch nach der Rückkehr in seine Heimatstadt gegen Ende 1933 aufgrund der Machtübernahme der Nationalsozialisten konnte er seine alten Kontakte wieder aufnehmen und die Freundschaften pflegen. Mit seiner Frau Lily fand er am Kistlerweg 6 in der Elfenau ein neues Zuhause. 1935 richtete ihm die Kunsthalle Bern zu seinem «Wiederantritt auf altgewohntem Boden» eine grosse Ausstellung mit 273 Werken aus.