Belegschaft im Hause Stämpfli 1882

20.03.2013
01/2013
  • Rückblick

Fünf Jahre nach dem Umzug von der Postgasse ins neu erbaute Gebäude an der Hallerstrasse – also 1882 – wurde mit der Anlage eines «Verzeichniss der Arbeiter der Stämpfli’schen Buchdruckerei in Bern» begonnen. Im Archiv lagern drei Bücher, in denen alle neu Eingetretenen bis zum Jahre 1920 fein säuberlich vermerkt sind. Die Einträge umfassen Geschlechts- und Vornamen, Heimat- und Wohnort, Geburtsdatum, Art der Beschäftigung, die Daten des Eintritts, des Austritts bzw. des Todes und Bemerkungen zum Grund des Austrittes.

Art der Beschäftigung

Geht man davon aus, dass 1882 alle damals Beschäftigten aufgeführt sind, so kommt man auf eine Zahl von 54, davon 6 Frauen. Die 29 Setzer bilden den Hauptharst der Belegschaft, gefolgt von 7 Ein­lege­r(inne)n, 5 Falzerinnen, 4 Maschi­nenmeistern (Buchdruckern) und je einem Korrektor, einem Papierfaktor, einem Heizer/Abwart, einem Ausläufer und einem Setzerlehrling. Ein Drucker war zur Hälfte als Stereotypeur tätig. Es ist anzunehmen, dass es auch Büropersonal gab. Aber erst 1894 erscheint ein Adjunkt der Geschäftsleitung, wenig später sind auch «Bureaulistinnen» und sogar ein Direktor aufgeführt.

Schriftsetzer

Die grosse Anzahl Setzer mag heute erstaunen. Bedenkt man jedoch, dass zu jener Zeit sämtliche Drucksachen wie Bücher, Broschüren und Tabellenwerke von Hand gesetzt wurden, erklärt sich dieser Umstand: Ein Setzer musste an seiner Lehrabschlussprüfung in der Stunde 1450 Zeichen samt Wortzwischenräumen leisten, das entspricht etwa der Zeichenzahl vom Anfang dieses Beitrages bis zur Zahl 1450. Erst am 16. Februar 1920 tritt Otto Bigler eine Stelle als Monotype-Giesser an, und am darauf folgen­den 1. März erscheint mit Meinrad Hüsler der erste Maschinensetzer. Mit dem zweigeteilten System Monotype (Tastapparat/Giessmaschine) erreichte man eine Stundenleis­tung von etwa 7000 Zeichen. Als in den 1960er-Jahren die Endloserfassung aufkam, verdreifachte sich diese Zahl fast. Es fällt auf, dass Setzer häufig nur für ein paar Monate beschäftigt waren – um einen besonders arbeitsintensiven Auftrag zu erledigen. Sie arbeiteten zum Teil «im Berechnen», d.h., sie wurden gemäss ihrer Buchstabenleis­tung – abzüglich Fehlern– entlöhnt.

Einleger, Papierfaktor, Falzerinnen und Stereotypeur

Einleger und Einlegerinnen führten den laufenden Druckmaschinen die Papierbogen einzeln von Hand zu. Erst im 20. Jahrhundert kamen Einlegeapparate zum Einsatz, die man den Druckpressen voranstellte und die schlecht und recht funktionierten, bevor die Druckmaschinenhersteller die Bogenzuführung in ihre Erzeugnisse integrierten.

Mit Jacques-Louis Fontanellaz taucht 1892 erstmals ein Buchbinder auf. Schon vorher gab es den sogenannten Papierfaktor, der die Papierbogen zum Druck bereitstellte, und die Falzerinnen, welche die Druckbogen im Hause falteten, bevor diese anschliessend wohl in einer Buchbinderei der Stadt weiterverarbeitet wurden.

Der Stereotypeur wie der später hinzukommende Galvanoplastiker stellten Duplikate des Satzes her, sei es zu dessen Schonung oder um mit mehreren Nutzen drucken zu können.

In einer kommenden Ausgabe der «Marginalie» befassen wir uns mit den Eintragungen unter den Rubriken Heimatorte, Wohnorte, Ein- und Austritt, Bemerkungen zum Austritt.