Wenn ich über Hemmungen nachdenke …

20. März 2020
01/2020

Welche Erfahrungen und Gedanken treiben die Stämpfli Mitarbeitenden zum Thema Hemmungen um? Wir haben einige Voten zusammengetragen.

«Nach ein paar lieben Worten lösen sich bei den Kindern die Hemmungen, und sie offenbaren mehr von sich, als es ein erwachsener Mensch tun würde. Mit zunehmendem Alter, gemachten Erfahrungen oder durch an uns gestellte Erwartungen werden wir zunehmend gehemmter und teilen vielleicht nicht mehr alles mit, was uns gerade beschäftigt. Ich persönlich finde die ungefilterte und ungehemmte Wahrheit deutlich erfrischender als den verklemmten Erwachsenencode, der von der Gesellschaft vielerorts erwartet wird.»
«Stichwort Extremtourismus: Menschen, die in Kriegsgebieten, z.B. Syrien, Ferien machen und dort alles fotografieren, was der Krieg kaputtgemacht hat – haben diese Menschen keine Hemmungen?»
«Komme ich in ein neues Umfeld, stelle ich mir Fragen wie folgende: Was sind das wohl für Menschen? Wie gut werde ich mich mit ihnen verstehen? Werden sie mich mögen? Wirke ich souverän, bin ich interessant genug? Wirke ich nicht zu merkwürdig?»
«Ich gehöre zu den Menschen, die Rüpeln sagen, wenn ich mich durch ihr rüpelhaftes Benehmen gestört fühle. Mein Sohn war mehrfach Zeuge meiner Interventionen. Und er hat sich jedes Mal fürchterlich geschämt für seine Mutter. Aber kürzlich, er ist heute 21 Jahre alt, sagte er mir, dass er das Verhalten heute völlig anders beurteile und cool finde, dass ich das mache.»
«Wir sind täglich daran gehindert, Dinge, die wir sehen, offen anzusprechen. Einerseits aufgrund unserer Kinderstube und unserer Werte. Andererseits auch einfach, weil man selbst nicht gerne mit unangenehmen Dingen konfrontiert wird. Hemmungen sind feige – denn meistens könnten Situationen einfach ausgemerzt werden, wenn man sich trauen würde, diese offen anzusprechen.»
«Kürzlich musste ich mich ziemlich anstrengen, um die richtigen Worte und die passende Herangehensweise zu finden, um jemanden darauf aufmerksam zu machen, dass die Folie vom Zigi-Päckli nicht auf den Boden gehört. Es ging mir ja nicht darum, Dampf abzulassen, ich wollte bloss ein besseres Verhalten aufzeigen.»
«Wie kommt es wohl an, wenn ich erzähle, dass mir dieses oder jenes gefällt, ich zum Beispiel ein ungewöhnlicheres Hobby habe oder mich mit kontroversen Themen beschäftige? Und umgekehrt: Wirkt es nicht unangenehm neugierig, wenn ich meinem Gegenüber zu viele Fragen stelle, um sie oder ihn besser kennenzulernen? Und was, wenn das Gespräch ins Stocken gerät und wir gar nichts zu reden haben? Findet die andere Person das Schweigen unangenehm?»
«Kürzlich war ich beim Coiffeur und wurde gefragt, was ich möchte. Eigentlich möchte ich mal die Haare kastanienbraun mit einem schönen Rotton. Ich habe aber Hemmungen, weil mich dann jeder darauf ansprechen würde. Ich möchte keine solche Aufmerksamkeit auf mich lenken.»
«Habe ich Hemmungen, weil ich Angst vor der Sache an sich habe, oder habe ich Angst vor der Reaktion meiner Mitmenschen? Das stellen für mich zwei total unterschiedliche Ausgangslagen dar, und diese können auch ganz unterschiedlich angegangen werden.»
«Das Unwohlsein, sich vor einer Schar Menschen auszustellen, die einen aus dem sicheren Hintergrund beurteilen können – und dabei eine möglichst souveräne, sachverständige und am besten auch noch rhetorisch begabte Figur zu machen.»