Verantwortung in Notfällen

20. September 2018
03/2018
  • Fokus

Wir wissen es, blenden es aber lieber aus, und doch kann jeder von uns damit konfrontiert werden: Jede Person, die eine andere Person antrifft, die in unmittelbarer Lebensgefahr schwebt, ist gesetzlich verpflichtet, dieser Person zu helfen.

Zum Glück leben wir nicht ganz allein auf einer einsamen Insel. Dort hätten wir zwar unsere Ruhe, doch es wäre wohl etwas einsam. Vor allem aber wäre niemand da, der uns in einem Notfall helfen könnte. Wir alle können in eine Situation geraten, bei einem Unfall, einem Verbrechen oder aus gesundheitlichen Gründen, in der wir uns nicht selbst helfen können. Dankbar verlassen wir uns in einem solchen Moment auf die Hilfe von anderen.

Zu dieser Hilfe sind wir alle gesetzlich verpflichtet, sie ist Teil unserer Solidargemeinschaft. Das bedeutet natürlich, dass auch jeder und jede in eine Situation kommen kann, in der er oder sie helfen muss. Die meisten werden nun denken: «Aber ich weiss ja gar nicht, was ich tun müsste, da lass ich lieber die Finger davon.» Doch alles ist besser, als nichts zu tun und wegzuschauen – und sich damit erst noch strafbar zu machen.

Natürlich hoffen wir alle, dass wir nie in eine solche Situation kommen. Wir sollten uns aber sagen: «Wenn ich schon helfen muss, dann möchte ich eine Ahnung haben, was denn zu tun wäre.» Um sich ein Grundwissen in Nothilfe anzueignen, dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Nothilfekurs für Autofahrer

Wer einen Führerschein hat, sass zwingend einmal in einem der obligatorischen Nothilfekurse. Sie bieten schon mal eine gute Basis, ein Grundwissen, das wertvoll sein kann. Leider haben die meisten von uns diesen Kurs jedoch nicht gestern absolviert sondern vor zig Jahren, sodass wir nicht mehr über das Wissen verfügen, das wir damals erhalten haben. Nach spätestens zehn Jahren sollte dieser Kurs wiederholt werden, wenn wir uns darauf verlassen möchten.

BLS-AED-Kurse

In dieser Ausbildung, die für Stämpfli Mitarbeitende regelmässig angeboten wird, erlernt man die wichtigsten lebensrettenden Massnahmen der Wiederbelebung. Er befähigt den Teilnehmenden, die Herz-Lungen-Wiederbelebung anzuwenden, bis professionelle Hilfe eintrifft.

Übrigens: BLS-AED bedeutet «Basic Life Support» inklusive Anwendung eines AED Gerätes, eines automatisierten externen Defibrillators.

Wer mehr wissen bzw. besser gewappnet sein will für den Fall der Fälle, der kann weitere Samariterkurse oder Kurse für Ersthelfer besuchen, wie sie etwa der Samariterbund anbietet. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass man sich als Helfer registrieren lässt und die notwendige Ausbildung durchläuft.

Betriebssanität

In einem Unternehmen halten sich viele Personen über viele Stunden täglich auf begrenztem Raum auf. Da ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein medizinischer Notfall eintrifft, nicht zu unterschätzen. Der Samariterbund empfiehlt jedem Unternehmen das Einrichten einer Betriebssanität, damit auf Unfälle und medizinische Notfälle ohne Zeitverlust reagiert werden kann.

Auch die Stämpfli AG unterhält eine Betriebssanität, die momentan gerne zusätzliche Mitglieder aufnehmen würde. Wer sich zum Engagement in der Betriebssanität bereit erklärt, wird geschult und gründlich auf diese Aufgabe vorbereitet. In internen Kursen macht man sich mit dem vorhandenen Material, den Örtlichkeiten und den betriebsspezifischen Risiken vertraut. In externen mehrtägigen Kursen lernt man vieles über zahlreiche Themen rund um medizinische Notfälle und übt auch konkrete Situationen und Abläufe ein. Alle Betriebssanitäter sind in ein internes Alarmsystem eingebunden, was bedeutet, dass man jederzeit über das Telefon von der Arbeit weg alarmiert werden kann. Bei Stämpfli gab und gibt es glücklicherweise relativ wenige Einsätze, allerdings ist schon die ganze Bandbreite vom Pflästerchen für den kleinen Finger bis zum Herzstillstand vorgekommen. Die grosse Herausforderung für alle Betriebssanitäter ist, im Notfall besonnen und überlegt zu reagieren und nichts Wichtiges zu übersehen.

First Responder

In der Schweiz erleiden jährlich bis zu 8000 Personen einen Herzstillstand. Davon könnten mit sofortiger Hilfe bis zu 80 Prozent wiederbelebt werden. Tatsächlich überleben gesamtschweizerisch jedoch nur rund 5 bis 10 Prozent. Nach der Alarmierung vergehen im Kanton Bern durchschnittlich 13 Minuten, bis die Ambulanz eintrifft. Die Überlebenswahrscheinlichkeit bei einem Herzstillstand sinkt jedoch mit jeder Minute, die ohne Hilfe vergeht, um 10 Prozent. Deshalb muss eine Herz-Lungen-Wiederbelebung so schnell wie möglich einsetzen, nach Möglichkeit mit Einsatz eines Defibrillators.

Dazu wird in verschiedenen Kantonen ein Netz von Menschen aufgebaut, die bereit sind, Hilfe zu leisten, wenn in ihrer Nähe ein Herzstillstand auftritt. Sie müssen einen BLS-AED-Kurs absolviert haben und werden in ihre Aufgabe eingeführt. Diese sogenannten First Responder werden mittels einer App per SMS alarmiert, wenn in ihrem Gebiet ein Notfall auftritt. Auch die Standorte der Defibrillatoren sind in dieser App verzeichnet. So sind First Responder meist schneller vor Ort als der Rettungsdienst, was die Chancen auf eine Wiederbelebung massiv erhöht. Im Kanton Tessin, der in dieser Sache eine Vorreiterrolle einnimmt, ist die Überlebensrate nach einem Herzstillstand von rund 10 auf gegen 50 Prozent gestiegen. Um einen so markanten Erfolg zu erzielen, muss das Netz der First Responder allerdings sehr dicht sein. So weit sind die meisten Regionen noch nicht, Einsatzwillige sind überall noch gesucht und willkommen.

Eine professionelle Variante stellen die Rapid Responder dar. Das sind im Sanitäts- oder medizinischen Bereich ausgebildete Personen, die bereit sind, in einem Notfall auch ausserhalb ihrer Arbeitszeit aus privatem Antrieb auszurücken und professionelle Hilfe zu leisten. Kommt zu First Respondern noch ein Rapid Responder dazu, ist das natürlich in jedem Fall noch besser.

Und, wo helfen Sie mit? Die Angst, etwas falsch zu machen beim Helfen, ist nicht berechtigt. Nur Nichtstun ist falsch!

Tipps im Betrieb:

  • Halten Sie die Augen offen und reagieren Sie, wenn es Ihrem Kollegen, Ihrer Kollegin nicht gut zu gehen scheint.
  • Machen Sie dem Personaldienst gegenüber ehrliche Angaben, was Ihre Gesundheit angeht. Aktualisieren Sie diese Angaben, wenn Veränderungen eintreten. Informationen zu bestehenden Krankheiten, Allergien, eingenommenen Medikamenten und Ähnlichem werden unter Verschluss gehalten, können aber in einem Notfall lebenswichtig sein.
  • Melden Sie sich, wenn Sie sich in der Betriebssanität oder bei den First Respondern engagieren möchten.
  • Jacqueline Preisig

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