Verantwortung fordern, Verantwortung tragen

20. September 2018
03/2018
  • Fokus

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International trägt gegenüber ihren Mitgliedern, aber auch gegenüber der Gesellschaft als Ganzer eine hohe Verantwortung. Sie muss ihre Mittel sorgfältig einsetzen und der Öffentlichkeit seriös recherchierte Informationen liefern.

«Verantwortung»: ein Wort, das Amnesty International tatsächlich häufig verwendet. Immer wieder appelliert die Organisation an Regierungen, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Denn es sind in erster Linie die Staaten, die dafür sorgen müssen, dass die Menschenrechte geachtet werden. In den letzten Monaten erklärte Amnesty International zum Beispiel, dass die Staatengemeinschaft ihre Verantwortung für Flüchtlinge nicht genügend wahrnehme, dass die Verantwortlichen für die Gewalttaten in Nicaragua vor Gericht gehörten und legte in einem Bericht dar, inwieweit die Militärspitze Myanmars für Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich ist.

Immer wichtiger für die Achtung der Menschenrechte werden aber auch die Unternehmen. Deshalb gehört Amnesty International zu den mehr als 100 Organisationen in der Schweiz, die die Konzernverantwortungsinitiative unterstützen. Das Volksbegehren fordert verbindliche Regeln für Konzerne mit Sitz in der Schweiz, damit diese die Menschenrechte und die Umwelt auch bei Auslandstätigkeiten respektieren.

Wer von anderen verlangt, sich verantwortlich zu verhalten, sollte sich natürlich auch an die eigene Nase fassen. Amnesty International muss sicherstellen, dass ihr Einsatz für Opfer von Menschenrechtsverletzungen diesen nicht schadet. Diese Menschen müssen geschützt bleiben, und ihre Würde muss gewahrt sein. Das beinhaltet zum Beispiel auch, dass sie ihre Zustimmung geben, ob Amnesty International sich für sie engagieren soll, oder dass vertrauliche Informationen vor unberechtigtem Zugriff sicher sind. Ebenso muss Amnesty International Vorkehrungen treffen, damit Mitarbeitende in Krisengebieten und Menschen, die für Berichte Zeugenaussagen machen, dadurch nicht selbst in Gefahr geraten.

Gegenüber der Öffentlichkeit steht Amnesty International in der Pflicht, sich nicht instrumentalisieren zu lassen. Die veröffentlichten Informationen müssen solide recherchiert sein. Fake News und Propaganda dürfen keine Chance haben. Amnesty International überprüft Zeugenaussagen und kontrolliert sie mit ergänzenden Quellen. Besonders schwierig ist das in Gebieten, wo die Organisation nicht willkommen ist, zum Beispiel in Syrien. Hier kommen neben klassischen Methoden wie Interviews und Feldrecherche auch Satellitenbilder oder neue Formen der Bild- und Videoanalyse zur Anwendung. Dabei gilt stets: Die Glaubwürdigkeit ist das höchste Gut von Amnesty International und darf keinen Schaden nehmen.

Gegenüber den Mitgliedern und Spenderinnen und Spendern besteht die Verantwortung, die zur Verfügung gestellten Mittel kostenbewusst und sorgfältig einzusetzen. Amnesty International finanziert sich aus Mitgliederbeiträgen, privaten Spenden, Schenkungen und Legaten; auf diese Weise ist es der Organisation möglich, unabhängig von staatlichen Interessen zu bleiben.

So viel Verantwortung auf allen Seiten: Das klingt fast erdrückend schwer. Zum Glück gibt es all die ehrenamtlichen Mitglieder, die die Botschaft von Amnesty International in vielfältiger und kreativer Weise verbreiten – sei es mit Strassenaktionen, Konzerten, Lesungen oder Flash Mobs. Sie zeigen, dass es durchaus lustvoll sein kann, Verantwortung zu tragen.


Amnesty International

Die internationale Menschenrechtsorganisation ist regierungsunabhängig und eine weltweite Bewegung. Sie wurde 1961 in London gegründet. Ihre Vision ist eine Welt, in der jeder Mensch all seine international verbrieften Rechte geniessen kann. Weltweit kann Amnesty International auf 7 Millionen Menschen zählen, die in der Organisation aktiv sind oder spenden. Knapp 50 000 Mitglieder und 90 000 weitere regelmässige Spenderinnen und Spender unterstützen die Schweizer Sektion.

Stämpfli AG darf für Anmesty International seit bald vier Jahren das viermal jährlich erscheinende Magazin produzieren sowie verschiedenste Drucksachen, wie Flyer, Karten, Plakate und Sticker. Das Magazin wird in den Sprachen Deutsch und Französisch publiziert und hat eine Auflage von rund 110 000 Exemplaren.

  • Carole Scheidegger

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