Unterstützen Sie Barrierefreiheit mit Technologie

13. Dezember 2019
04/2019

Viele Menschen sind in einem oder mehreren Sinnen eingeschränkt. Damit sie dennoch uneingeschränkt am Gesellschaftsleben teilhaben können, gibt es heute viele Möglichkeiten. Unter dem Begriff «Barrierefreiheit» werden unzählige Massnahmen zusammengefasst.

Websites richtig programmieren

Technologisch kann viel für Menschen mit einer Behinderung gemacht werden. Blinde und Sehbehinderte nutzen das Handy schon lange als Hilfsmittel im Alltag, um ein Taxi zu bestellen, sich zu orientieren oder sich über Newsportale zu informieren. Apps wie Screenreader oder eine vergrösserbare Schrift helfen ihnen dabei, das Handy zu bedienen.
Das Internet spielt dabei eine zentrale Rolle. Blinde lassen sich die Inhalte vom Screenreader vorlesen und steuern das Handy per Sprachbefehl. Damit das gut funktioniert, müssen Websites entsprechend strukturiert aufgebaut sein:
Solche und viele weitere Massnahmen fasst der Begriff «Barrierefreie Programmierung» zusammen.

Auch Suchmaschinen sind blind

Die Scanprogramme von Suchmaschinen (sogenannte Spiders) lesen wie ein Screenreader den Quelltext der Website. Ist dieser Code strukturiert aufgebaut, kann er von der Suchmaschine besser indexiert (eingeordnet und gespeichert) werden. Das führt zu einem besseren Ranking und somit zu einem grösseren Erfolg der Website.
Das bedeutet, dass es für alle Betreiber einer Website interessant ist, barrierefrei zu programmieren: Es hilft nicht nur Menschen mit einer Beeinträchtigung, sondern auch beim Ranking durch die Suchmaschinen.

Mit «Greta» ins Kino

Dass es nicht immer eine komplexe Technologie sein muss, sondern die gute Idee zählt, durfte ich bei der Vorstellung von «Greta» in der Schweiz persönlich live miterleben. Es war ein beeindruckendes Erlebnis, den Kinosaal mit lauter blinden Menschen zu teilen.
Ein Kinobesuch ist für einen blinden Menschen eine Herausforderung. Filme arbeiten mit vielen optischen Informationen. Da ein blinder Mensch nur die Tonspur mitbekommt, fehlen ihm diese relevanten Informationen, um die Handlung des Films lückenlos verfolgen zu können. Es ist darum nicht verwunderlich, dass man im Kino nur sehr selten sehbehinderten Menschen begegnet.
Dies könnte sich jedoch bald ändern. Eine Firma aus Berlin hat die App «Greta» entwickelt, die den blinden Menschen die fehlenden optischen Informationen per Audiodeskription verfügbar macht.
Konkret kann man sich vor dem Kinobesuch eine Tonspur für den entsprechenden Film aufs Handy laden. Wenn man im Kino die App startet, erkennt sie via Tonspur des Films, an welcher Stelle sich der Film gerade befindet. Es ist also kein Problem, wenn man zu spät ins Kino kommt oder der Film kurz angehalten wird. Die App synchronisiert sich ständig wieder neu.
Nun werden in den Sprechpausen der im Film vorhandenen Dialoge zusätzliche Informationen zur Handlung gegeben. Es wird erklärt, was im Film gerade passiert: «Bob verlässt den Raum und setzt sich ins Auto.» So können Blinde die Handlung viel besser verstehen.
Das Kino braucht dafür keine zusätzlichen Installationen. Alles läuft via Smartphone und die eigenen Kopfhörer. Der Blinde hört den Filmton direkt vom Kino, die Zusatzinformationen bekommt er via Kopfhörer. Weitere Informationen gibt es auf gretaundstarks.de.

Es geht weiter

Neue Technologien wie künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen usw. werden weitere technische Innovationen bringen. Ich bin gespannt, was in fünf Jahren alles möglich sein wird.

Gesetzliche Rahmenbedingungen in der Schweiz

In der Bundesverfassung wird festgehalten, dass niemand aufgrund einer Behinderung diskriminiert werden darf. Das im Jahr 2004 in Kraft getretene Behindertengleichstellungsgesetz regelt diverse Massnahmen zur Gleichstellung von behinderten Menschen.
Mehr Informationen zum Thema kann man nachlesen unter: