- Porträt
«Meine Geschichte zeigt: Blut ist nicht alles»
Darika Laophet, Projektassistentin mit Empfangsverantwortung bei Stämpfli Kommunikation, wurde adoptiert. Doch das ist nur ein kleiner Teil ihrer Geschichte. In diesem Porträt erzählt sie, wie ihre Kindheit sie bis heute prägt, warum die Suche nach ihren Wurzeln für sie so wichtig wurde und wie sie Schritt für Schritt zu ihnen zurückgefunden hat.
02.06.2026
Zwischen zwei Welten
Seit sie acht Monate alt ist, lebt Darika in der Schweiz. Mit ihrer damals 19-jährigen Mutter kommt sie als Baby aus Thailand hierher. Darika wächst in Thun auf, geht zur Schule, spricht Berndeutsch, spielt mit Freundinnen und Freunden und fühlt sich doch nie ganz zugehörig. Thailand wiederum bleibt lange ein Ort der Sommerferien. Die Einheimischen nennen sie «die Europäerin», obwohl sie sich selbst nie ganz europäisch fühlt. In der Schweiz fällt sie auf, weil sie anders aussieht als die meisten anderen Kinder.
Auch ihre Mutter kommt nie wirklich in ihrer neuen Heimat an. Die Sprache bleibt fremd, der Alltag schwierig, die Einsamkeit gross. Als Darika zehn Jahre alt ist, kehrt ihre Mutter nach Thailand zurück. Vor ihrer Abreise verkündet sie ihrer Tochter, dass sie in die Ferien gehe. Aber zurückgekommen ist sie nicht mehr.
Eine schwierige Zeit
Ihre Grosseltern mütterlicherseits, die ebenfalls in der Schweiz leben, adoptieren Darika. Doch sie sind so frustriert über das Verschwinden ihrer Tochter, dass sie kaum die Kraft aufbringen können, für das Kind zu sorgen. Darika muss früh lernen, für sich selbst zu schauen. Um zu helfen, zieht ihr Onkel mit seiner damaligen Freundin bei den Grosseltern ein, obwohl auch er mit der Situation ringt. Zudem hat er bereits eine eigene Tochter, die bei seiner Ex-Frau lebt, und ist mit der Verantwortung überfordert. In dieser Zeit wird die Freundin des Onkels die wichtigste Bezugsperson für Darika. Doch leider trennt sich die Frau, die für Darika wie eine Mutter ist, schliesslich von ihrem Partner und zieht aus der Familie aus. Für Darika ist das ein weiterer Verlust, der sie tief erschüttert. Sie zieht sich zurück, spricht zu Hause kaum noch und verliert so auch nach und nach ihre Muttersprache.
Ankommen
Erst Jahre später, als Darika 16 ist, finden sie und die Ex-Freundin des Onkels wieder zueinander. Sie nimmt Darika bei sich auf und bietet ihr ein neues Zuhause. So findet Darika nicht nur einen neuen Zugang zu ihrer thailändischen Sprache und Kultur, sondern erfährt auch die Geborgenheit, die ihr lange gefehlt hat. Endlich ist sie in einer Familie angekommen und gewinnt dabei neue Eltern, einen kleinen Bruder und weitere Grosseltern. «Meine Geschichte zeigt: Blut ist nicht alles», sagt sie heute darüber.
Die eigene Geschichte als Superpower
Darika hat sich intensiv mit ihrer Vergangenheit auseinandergesetzt. Sie sei traurig für ihr jüngeres Ich, das so viel durchmachen musste. Auf die Frage, wie sie heute über ihre biologische Mutter denkt, sagt sie: «Ich bin wütend, dass sie mir diesen Rucksack mitgegeben hat. Dass sie nicht für mich gekämpft hat, gibt mir das Gefühl, nicht gut genug zu sein.»
Neben all den Herausforderungen, die eine schwere Kindheit mit sich bringt, gelingt es Darika trotzdem, die positiven Seiten darin zu sehen. Ihre Erfahrungen hätten sie stark gemacht und sie charakterlich gefestigt, sagt sie. Heute ist ihr klar, dass sie für alles, was sie durchmachen musste, nichts kann. Kleine Widerstände im Alltag werfen sie nicht aus der Bahn.
Über ihre Herkunft und ihr Leben zwischen zwei Kulturen spricht Darika offen, auch auf Social Media. Ihre Geschichte sei wie ein Puzzle, das sich immer mehr zu einem Bild zusammenfügt, findet sie. Sie habe nicht nur durch ihre neue Familie zu ihren Wurzeln zurückgefunden. Auch andere Menschen hätten ihr dabei geholfen, etwa Sikarin Schwendemann, ihre Vorgesetzte bei Stämpfli Kommunikation, mit der sie sich gerne über die thailändische Kultur austauscht.
Darikas Lebensbalance
Social Media
Darika produziert gerne Content für verschiedene Plattformen und teilt die Videos vor allem auf TikTok. Darin geht es unter anderem ums Schminken oder Kochen. Sie hat über 1,7 Millionen Likes und rund 3500 Follower.
Lesen
Auch das Lesen gehört zu Darikas Leidenschaften. Es gefällt ihr, in andere Welten einzutauchen und für kurze Zeit der Realität den Rücken zuzukehren. So hat sie zum Beispiel die «Bridgerton»-Buchreihe schon gelesen, weil sie die neuen Staffeln der Netflix-Serie kaum abwarten kann.
