Humorfestival Arosa

20. November 2018
04/2018
  • Fokus

Wem fällt zum Thema Humor in der Schweiz nicht schnell einmal Arosa ein? So erging es auch uns, zumal Stämpfli AG das Humorfestival Arosa jedes Jahr mit Kunden besucht. Deshalb unterhielten wir uns mit Pascal Jenny, dem Direktor von Arosa Tourismus.      

Was hat Humor überhaupt mit Arosa zu tun? Wie entstand die Idee eines Humorfestivals in Arosa?

Pascal Jenny: Anfang der 90er-Jahre nahmen die sogenannten Früh-Winter-Wedel-Wochen und Skitests in den alpinen Regionen ab. Der Vorwinter stand auf der Kippe, weil die Gäste fehlten. Ein Saisonstart erst auf die Festtage hin, das wäre ein touristischer Rückschritt gewesen. Findige Hoteliers und Arosa Tourismus hatten dann die Idee, mit einem Festival den Ausfall zu kompensieren. Als Thema wählte man die damals noch unbekannte Sparte «Humor/Comedy». Der Anfang war schwierig. Nach drei Jahren entschied der Vorstand von Arosa Tourismus mit einem Stimmenverhältnis von 4 zu 3, das Festival trotz fehlendem finanziellem Erfolg weiterzuziehen. Heute ist das Festival für Arosa systemrelevant und bringt jährlich Anfang Dezember rund 15 000 Logiernächte in die Ferienregion.

Das Festival gibt es seit 1992, 2018 findet also die 27. Ausgabe statt. Warum läuft es nicht tot? Was unternehmen Sie dagegen?

Das Erlebnis der Gondelfahrt in die Bergwelt, verbunden mit der kurzen Wanderung zum Zirkuszelt auf 2000 Metern über Meer mitten in der Bergwelt ist einzigartig und nicht kopierbar. Dies ist der Hauptgrund dafür, dass sich das Festival nicht totläuft. Jedes Jahr kommen Besucher zum ersten Mal und schwärmen von der Atmosphäre in der Natur. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, dass im Humorbereich immer wieder neue Programme, neue Künstler geboten werden. Die sorgfältige Planung des künstlerischen Leiters Frank Baumann ist ein Teil unseres Erfolgs.

Das Festival dauert dieses Jahr elf Tage. Anfänglich war es kürzer. Bleibt es bei diesen elf Tagen?

Elf Tage sind tatsächlich ideal. Sie beinhalten zwei Wochenenden mit sehr viel Gästeaufkommen. Unter der Woche, bei etwas weniger Gästen, werden neben dem Festivalbesuch auch die Skipisten gerne benutzt, es gibt wieder mehr «Frühwinterskifahrer». Ausdehnen ist nicht möglich, da kurz vor Weihnachten abgebaut werden muss, damit die Sonnenterrasse der legendären Tschuggenhütte für die Festtage bereit ist.

Wie stellen Sie das Programm zusammen, welche Kriterien sind massgebend?

Frank Baumann berücksichtigt vor allem drei Aspekte. Vielfalt: von Stand-up-Comedy bis Konzerthumor. Bekanntheit: unter der Woche grosse Namen wie Divertimento, die ziehen und Besucheraufkommen garantieren. Neuerungen oder Trouvaillen: Das Festival steht auch nach 27 Jahren noch für seine Qualität, Newcomer einem breiten Publikum vorzustellen.

Was bringt das Festival für Arosa?

Bei Umfragen in der Schweiz zu Arosa erhält das Humorfestival immer am meisten Nennungen. Arosa wird mit dem Humorfestival gleichgesetzt. Es ist in der Schweiz ein Brand. Die Verbindung von Arosa und Humor ermöglicht es uns, in der gesamten touristischen Arbeit andere, überraschende und auch ab und zu gewagte Wege zu gehen. Als wir vor acht Jahren sagten, dass wir ein Bärenland in Arosa ansiedeln wollten, dachten alle an einen Humorfestivalscherz. Heute staunt man ob dem Mut der Aroser. Gerade weil das Humorfestival damals auch ein Wagnis war, riskieren wir Aroser wohl mehr als viele Mitbewerber. Zum Glück.

Pascal Jenny

Der 44-jährige ehemalige Nationalmannschafts-Handballer leitet seit 2008 das Tourismusgeschäft von Arosa Lenzerheide. Der Aroser Kurdirektor war zuvor Leiter des Schweizer Sportfernsehens und hat Betriebswirtschaftslehre studiert. Das Wirtschaftsmagazin Bilanz zählt Pascal Jenny zu den 100 wichtigsten Persönlichkeiten der Schweizer Wirtschaft. Er lebt mit seiner Frau und den drei Kindern in Arosa.
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