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Generationen-Talk

Wie viele Gebiete heutzutage ist auch die berufliche Grundbildung in der Schweiz einem stetigen Wandel unterworfen. Technischer und wirtschaftlicher Fortschritt fordern hohe Flexibilität in den Lehrplänen, und der Bewegungsspielraum wächst. Man hat schliesslich nie ausgelernt. Im Arbeitsalltag stossen die Alteingesessenen und die Brandneuen direkt aufeinander. In diesem Dialog zwischen den Generationen wird darüber diskutiert, ob eine Lehre heute überhaupt noch Sinn ergibt, wie wichtig Weiterbildungen wirklich sind und wie viel sich geändert hat – oder bis heute erhalten geblieben ist.

Man hat schliesslich nie ausgelernt

Michelle: Hat sich die Rolle der Lehrmeister/innen, heute Berufsbildungsverantwortlichen, über die Jahre verändert?

Roland: Ja, in meinem Job auf jeden Fall. Während meiner Lehre habe ich noch mit Blei gearbeitet. Heute ist die ganze Technologie, die digitale Welt da. Zudem denke ich, dass Lehrmeister/innen in unserer Zeit modern denken müssen. Sie müssen fortschrittlich und eine jugendliche, dynamische Person sein.

M: Mehr als jede/r Fünfte bricht die Lehre ab.* Warum ist das so?

R: Schwierige Frage … Ist etwas Familiäres passiert, das einen aus der Bahn geworfen hat? Stimmt es mit der Schule nicht, weil zum Beispiel die geforderten Leistungen zu hoch sind? Oder war die Vorbereitung auf die Berufswahl schlecht? Und natürlich kann es auch sein, dass es zwischenmenschlich nicht passt.

M: Ich denke, dass es auch daran liegen könnte, dass man vorher nicht genau gewusst hat, was man machen will. Man hat das Gefühl, man müsse sich entscheiden, was man fürs ganze Leben machen möchte. Das stresst einen enorm. Schliesslich gibt es so viele Berufe, die man ausüben kann; da wäre es gut, wenn man mehr Zeit zum Schnuppern zur Verfügung hätte.

R: Ist eine Lehre heutzutage überhaupt noch sinnvoll?

M: Ja, das würde ich schon sagen. Man muss sich ja irgendwie aufs spätere Berufsleben vorbereiten. Während einer Lehre kann man testen, ob man wirklich bereit dafür ist.

R: Kann man heute nicht sowieso alles im Internet lernen?

M: Definitiv nicht! Also ich finde im Internet nicht immer Antworten auf meine Fragen.

R: Braucht es deinen Lehrberuf in zehn Jahren noch?

M: Ich hoffe es doch. Aber ich denke schon, weil ein Computer keinen Menschen ersetzen kann. Etwa, wenn es darum geht, herauszufinden, was eine Kundin oder ein Kunde möchte und was sie oder er sich vorstellt. Mein Beruf wird also schon noch weiter existieren. Ich glaube, in zehn Jahren arbeite ich in einem tollen Team und kümmere mich dort um das Marketing. Marketing ist genau mein Thema, und ich finde es spannend, was da alles dazugehört.

R: Aber es macht einem doch Angst, dass heute schon selbstfahrende Autos konstruiert werden? Irgendwann kann man doch sicher auch den Menschen so steuern, dass es deinen Beruf nicht mehr braucht?

M: Vielleicht, aber deshalb ist es wichtig, dass man Weiterbildungen macht.

M: Haben es Lernende heute einfacher als früher?

R: Nein, das glaube ich nicht. Die Vielfalt und die digitale Welt sind so gross. Die Anforderungen der Berufsverbände werden immer strenger. Manchmal denke ich, die Verbände überschätzen sich selbst. Eine der Schwierigkeiten: Was will ich lernen? Denn schliesslich gibt es Berufe, die man zusammennimmt, andere nimmt man auseinander. Heute lernst du nicht mehr Bäcker und bist dann ein Leben lang Bäcker. Alles verändert sich in sehr schnellem Tempo. Darum musst du immer dranbleiben, egal, wie alt du bist.

Michelle und Roland in Bild und Ton

* Lehrabbruch: Bei Stämpfli Kommunikation haben in den vergangenen sechs Jahren nur gerade fünf Prozent der Lernenden die Lehre abgebrochen. In der Schweiz hingegen ist es mehr als jede fünfte Person. Mehr zu den Themen Lehrabbruch und Wiedereinstieg


Michelle Gygax, 22 Jahre

Kauffrau in Ausbildung | Next Generation

Das fägt: Das Arbeiten in der NextGen mit meinen Mitstiftinnen und Mitstiften, helfen, wo Hilfe gebraucht wird, Musik hören von Falco, fotografieren, ein gutes Buch lesen, mich mit anderen austauschen und so Neues lernen, Photoshop und Lightroom.

Das weniger: Wenn etwas nicht funktioniert, wie es sollte, wenn Leute um die Ecke kommen und ständig irgendwo reinreden wollen.

Freizeit: Ich fotografiere viel, verbringe den Sonntagmorgen meistens mit meinem Pflegepferd, fast jeden Samstag- oder Sonntagabend verbringe ich im Wankdorf und fiebere mit YB mit, daneben sammle ich seltene Sammlerstücke von Falco.

Roland Wegner, 63,5 Jahre

Typograf | Ausbildner in der Medienvorstufe

Das fägt: YB und SCB; mit jungen Leuten arbeiten, diskutieren und «stürme», Klubhaus FC Ostermundigen, überall die Nase reinstecken und fast immer recht haben, Sonnenschein, gute Krimis, «K-Tipp» und «Globetrotter» lesen, Züpfe backen, feinen Rotwein trinken.

Das weniger: Asana, Projektron und Elvis, im Regen Velo fahren, Müll nicht fachgerecht entsorgen, Umwelt vollkrass zu Tode trampeln.

Freizeit: Fast jeden Samstag wird eine Züpfe gebacken, und viel Zeit verbringe ich im Fitnesscenter. Und wenn in den unteren Ligen die Fussballsaison startet, beginnt für mich die Zeit im Klubhaus vom FC Ostermundigen: am Buffet, am Kochherd, am Grill, an der Fritteuse usw.

Jonah Walker
Lernender Polygraf, 3. Lehrjahr
Stämpfli Kommunikation
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Mario Dubach
Projektleiter Marketing
Stämpfli Kommunikation
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Saskia Wittwer
Lernende Polygrafin, 3. Lehrjahr
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