Faszination Hornussen

13. Dezember 2019
04/2019

Mitte Oktober erschien im Stämpfli Verlag der Fotobildband «Hornussen» von Hans Hofmann, seine Bilder wurden zudem im Kornhausforum Bern ausgestellt. Obwohl Hornussen zu den ältesten Sportarten der Schweiz gehört, gab es dazu bisher noch kein Buch.  

Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Bildband übers Hornussen zu machen?

In den Schulferien war ich als Knabe oft bei Bauern. Im Emmental habe ich mit einem Bauernjungen jeden Abend «Tappere» gespielt, eine Vorstufe des Hornussens. Dann bin ich vor ein paar Jahren per Zufall an einem Hornussen-Wettspiel vorbeigefahren. Es zeigte sich, dass es bisher kein professionell fotografiertes Hornusser-Buch gab. Diese Erkenntnis war dann mein Startschuss. staempfliverlag.com

Wie haben die Spieler und der Verband reagiert, als sie sahen, dass du schwarzweiss fotografierst?

Zuerst schon eher skeptisch. Das änderte sich dann, als ich die Fotos an Meisterschaftsspielen zeigte. «Machsch vo mir o so eini?» Die Frage war dann so was wie ein Einverständnis. Der Verband selbst war von Anfang an sehr interessiert am Projekt, bekam er so doch ein wenig Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Diese ist viel kleiner als beim Schwingen, so kam dem Verband mein Vorschlag gelegen.

Als du vor gut zwei Jahren mit dem Fotografieren dieses Volkssports angefangen hast, war da für dich schon klar, dass es ein Buch und eine Ausstellung geben würde?

Klar nicht, aber gewünscht habe ich es mir. Umso schöner, dass Bernhard Giger, der Leiter vom Kornhausforum, bereit war, eine Hornusser-Ausstellung auszurichten, und der Journalist Walter Däpp den Buchtext übernahm.

Der Nouss kann beim Abschlag eine Geschwindigkeit von über 300 km/h erreichen, beim Aufprall können es immer noch bis zu 160 km/h sein. Hast du jemals erlebt, dass jemand verletzt wurde? Wie gefährlich wars für dich?

Einmal landete eine Schindle beim Runterfallen aus einigen Metern Höhe direkt auf dem Fuss eines Mitspielers. Das war zwar sehr schmerzhaft, blieb aber ohne Folgen. Ich selbst hatte auch Glück, ein surrender Nouss verfehlte mich um gut einen Meter. Ich hatte Mühe, ihn nachher aus dem feuchten Boden rauszuklauben. Am Eidgenössischen Hornusserfest hatte ich hinten im Ries einen «Noussguard», so konnte ich mich ganz aufs Fotografieren konzentrieren.

Hast du selbst auch schon gespielt?

Ja. Bei einem von zehn Versuchen landete der Nouss im Ries, also über 100 Meter weit, was im Wettkampf eine 2 oder 3 ergeben hätte. Ein wenig stolz war ich schon.

Was hat dich im Laufe deiner Arbeit am meisten beeindruckt?

Wie die Teams vor den Spielen den Bockstand einrichten – es muss nicht nur zweckmässig sein, sondern auch schön aussehen. Aber auch die Teamarbeit im Ries, die grosse Präzision der Spitzenspieler beim Abschlagen des Nousses und schliesslich die unkomplizierte Art der Hornusser imponierten mir. Als ich von jener Seite fotografieren wollte, wo der Nouss hinfliegt, erklärte mir einer: «Da chasch nid häre! Dert wirsch erschlage. Aber i chönnt der e Chischte zimmere.»

Du warst Lehrer und Dozent an der Pädagogischen Hochschule Bern. Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Ich habe jahrelang Schulkinder bei der Arbeit fotografiert und die Fotos und Videos in meine Referate einbezogen. Es war mir schon lange klar, dass ich mich nach der Pensionierung autodidaktisch zum Fotografen ausbilden würde. Einen Teil meiner Ausbildung habe ich auf den Hornusser-Plätzen gemacht. Eine sehr schöne Lehrzeit.

Hast du schon ein nächstes Fotoprojekt?

Meine Langzeitprojekte «Bäume» und «Verlassene Orte» werde ich weiterentwickeln. Und ab April 2020 möchte ich in Island fotografieren, solange es dort noch Gletscher gibt.